ASP: Ein einziger Fall hätte verheerende Folgen

10. November 2017

Landwirte, Jäger und Veterinäre rüsten sich für den Ernstfall

In Scharen strömten am Donnerstag Landwirte und Jäger aus dem Kreis Warendorf und Münster in die Festhalle Everswinkel, um sich über die drohende Afrikanische Schweinepest (ASP) und dringende Schutzmaßnahmen gegen die Einschleppung in heimische Gebiete zu informieren. Weil das Virus sich immer schneller in den baltischen Staaten sowie in der Ukraine, Rumänien und Russland ausbreitet und inzwischen auch Polen und Tschechien  erreicht hat, sehen Veterinäre und Verbände dringend Handlungsbedarf – und vereinbarten am Donnerstag die Gründung einer gemeinsame Arbeitsgruppe unter der Leitung des Kreisveterinäramtes. „Das ist kein einmaliger Vorgang. Ab jetzt müssen wir kontinuierlich am Schutz gegen die ASP arbeiten“, appellierte Kreisveterinär Dr. Andreas Witte.
Das Virus, das sich in Wild- und Hausschweinebeständen ausbreitet, ist zwar nur gering ansteckend, führt aber bei infizierten Tieren fast immer zum Tode und bleibt auch im Kadaver noch wochenlang ansteckend. Über aasfressende Artgenossen  erfolgt die weitere Ausbreitung kontinuierlich und oft unbemerkt. Eine Bekämpfung ist bisher in keinem der betroffenen Länder gelungen. Die Verbreitung über größere Entfernungen erfolgt dagegen durch die Menschen selbst, etwa durch das Wegwerfen von Speiseabfällen an Autobahnen und Landstraßen, die aus betroffenen Regionen stammen. Heimische Wildschweine nehmen über diese Abfälle das Virus auf.
„Wir müssen das erste infizierte Tier finden! Sonst werden unsere Exportpartner umgehend die Abnahme unserer Hausschweine verweigern. Der Schaden für die deutsche Landwirtschaft ist dann immens“, so Kreisveterinär Dr. Andreas Witte und zeigte anhand von Grafiken, dass im Falle eines ASP-Ausbruchs in einem Hausschweinebestand im Kreis Warendorf etwa 45 Betriebe vom Sperrbezirk und weitere 320 Betriebe in einem Beobachtungsgebiet betroffen wären. Beim Ausbruch des ASP-Virus bei Wildschweinen wären sogar 1.300 Betrieb betroffen.
Die rasante Ausbreitung in den Wild- und Hausschweinbeständen der benachbarten Staaten skizzierte WLV-Fachreferent Dr. Bernhard Schlindwein: „Sobald ein einziger ASP-Fall bei uns auftritt, wird abgesehen von Kanada kein Land außerhalb der EU mehr Schweinefleisch von uns kaufen. Die Schweinepreise würden drastisch sinken, die Ferkelpreise wären im freien Fall“, so der Experte. Landwirte, Jäger und Veterinäre müssten jetzt Strukturen schaffen, die im Ernstfall innerhalb weniger Stunden greifen. „Wir brauchen dringend eine konzertierte Aktion, um die Situation zu meistern. Einzelinteressen müssen dahinter zurücktreten“, so Schlindwein.
Für eine solche konzertierte Aktion riet Wildmeister Peter Markett vom Bundesverband Deutscher Berufsjäger zu einer konsequente Bejagung des Schwarzwildes, wobei Landwirte ihre Flächen entsprechend vorbereiten und Jäger auf ihnen zielführend jagen müssten. „Den Wenigsten ist bekannt, dass schon Frischlinge mit 12 Monaten selbst tragend sind: Dadurch wächst die Population durch die Nachkommen eines einzigen Frischlings in 4 Jahren um 189 weitere Tiere“, so Markett. Alle Jäger sollen Material zur sofortigen Beprobung  des Wildes auf ASP erhalten. Untersucht werden die Proben dann von den Veterinärmedizinern.
Eine Arbeitsgruppe aus Landwirten, Jägern und Veterinären wird in Kürze ihre Arbeit aufnehmen, um konkrete Maßnahmen für den Ernstfall zu erarbeiten.

Kreisveterinär Dr. Andreas Witte bittet alle Landwirte und Bürger, die ein verendetes Wildschwein finden, umgehend über die Feuerwehrleitstelle unter 112 das Veterinäramt zu verständigen

Daten werden geladen …