Mehr Marktverantwortung auf dem Milchmarkt

Bei der Analyse der aktuellen Situation auf dem Milchmarkt herrscht Einigkeit: Ein zu großes Angebot trifft auf zu wenig Nachfrage. Weniger Einigkeit herrscht jedoch über den richtigen Weg aus dieser Milchkrise.

Die Bandbreite der Lösungsvorschläge ist groß. Sie reicht von der Rückkehr zur staatliche gelenkten Milchmenge bis hin zur Forderung, die Marktkräfte walten zu lassen.

Für den westfälisch-lippischen Landwirtschafsverband ist klar, dass eine wie immer geartete staatliche Mengensteuerung nicht funktioniert hat. Zugleich ist aber auch ein Hände-in-den-Schoß-legen kein Rezept zur Lösung der Milchkrise.

Milchpreis auf
Talfahrt

Erzeugnispreis für konventionelle Kuhmilch in NRW mit 4,0% Fett und 3,4% Eiweiß, ab Hof, Durchschnitt pro Quartal, Erzeugnisstandort, in Ct/kg, ohne MwSt. 4QT 2016 = Schätzung
Quelle: AM

Hier klicken für den aktuellen Milchpreisvergleich des WLV.

Mitglieder diskutieren Milchpolitik

Am 3., 6. und 9. Juni hat der WLV die verbandliche Haltung zur Milchpolitik mit seinen Milchbauern in Senden, Olsberg und Paderborn diskutiert. Am Ende standen diese Ergebnisse:

  • Die weit überwiegende Mehrheit der Milchbauern in Westfalen-Lippe lehnt eine politisch beeinflusste Steuerung der Milchmenge ab.

  • Die Verantwortung für das Management der Anlieferungsmengen wird in den Händen von Milchbauern und ihren Molkereien gesehen.

Die Milchausschüsse der Kreisverbände, des Landesverbandes sowie der WLV-Vorstand hatten schon zuvor regelmäßig über die Situation des Milchmarktes beraten. Die aktuelle Krise könne nur durch ein Bündel von Maßnahmen getragen von der gemeinsamen Verantwortung von Milcherzeugern, Molkereien, Lebensmitteleinzelhandel und Politik beendet werden, so der Tenor der Diskussionen.

 

Die milchpolitischen Positionen des WLV

  • Der WLV steht hinter den EU-Beschlüssen zur Milchpolitik.

    Jegliche Art von staatlicher Marktsteuerung/Marktregulierung hat in der Vergangenheit nicht funktioniert und ist auch bei offeneren und globaleren Märkten kein Instrument für die Zukunft. Jede Art von staatlich vorgegebener Mengenregulierung wirft neue Ungerechtigkeiten und Härtefälle auf.

  • Der Wegfall der Milchquote bietet den Milcherzeugern die Chance zur Weiterentwicklung ihre Betriebe.

    Er führt zu größerer persönlicher Entscheidungsfreiheit, insbesondere über die individuelle Produktionsmenge, wie es in anderen Agrarsektoren bereits üblich ist.

  • Für den WLV steht fest, dass jeder Milcherzeuger als Unternehmer frei über seine Produktionsmenge entscheidet.

    Deshalb spricht sich der WLV gegen eine staatlich gesteuerte Bonus-Malus-Regelung zur Mengensteuerung bzw. Einführung einer neuerlichen Mengenregulierung aus.

  • Unternehmerisches Handeln heißt aber auch, verantwortungsvoll mit den jeweiligen Marktsituationen umzugehen.

    Landwirte und ihre Molkereien haben über die Satzungen, Milchlieferordnungen oder Milchlieferverträge Instrumente in der Hand, auch kurzfristig auf veränderte Marktsituationen reagieren zu können. Jedes Molkereiunternehmen steht dementsprechend in der Verantwortung, zusammen mit seinen Milcherzeugern Modelle zur Krisenbewältigung zu prüfen und gegebenenfalls umzusetzen.

Das Wichtigste aus den Milchgesprächen

  • Wilhelm Brüggemeier, Vizepräsident und Vorsitzender des WLV-Milchausschusses,  nannte die wirtschaftliche Situation der Milchviehhalter "existenzbedrohend". Eine staatliche Mengenregulierung sei jedoch nicht die Lösung.

  • Diese Auffassung wurde fast ausnahmslos von den Besuchern der Bezirkskonferenzen geteilt. Viele Milchbauern kritisierten die Absicht der Agrarministerkonferenz, eine Mengenbegrenzung politisch zu verordnen.

  • Auch die Wissenschaft (Prof. Thiele, Prof Brümmer und Erhard Richarts) machte deutlich, dass positive Preiseffekte einer Mengenreduzierung nur gering seien. Langfristig schade eine verordnete Mengenregulierung dem Sektor.

  • Intensiv diskutiert wurde die gestiegene Marktverantwortung von Milcherzeugern und Molkereien nach Auslaufen der Milchquote. Die Verantwortung für das Management der Anlieferungsmengen liegt in den Händen der Marktakteure, also den Milchbauern und ihren Molkereien.

  • Vor diesem Hintergrund müssen auch Lieferbeziehungen zwischen Erzeugern und Molkereien überdacht und möglicherwiese neu gestaltet werden.

Zum Lesen des ausführlichen Berichts im AgrarInfo Milch bitte hier klicken.

4 Ansätze zur Lösung

Strukturbruch durch Soforthilfen verhindern

Der WLV fordert ein Unterstützungsprogramm für die landwirtschaftlichen Betriebe zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen.

Das heißt konkret:

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Marktdominanz des LEH im Kartellrecht korrigieren

Die strukturell bedingt schwache Verhandlungsmacht der Molkereien und Milchbauern gegenüber dem LEH muss endlich gestärkt werden.

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Lieferbeziehung zwischen Molkerei und Milcherzeuger überdenken

Der WLV ruft die Milcherzeuger und ihre Molkereien dazu auf, die Diskussion über die bisherigen Liefer- und Vertragsbeziehungen aufzunehmen.

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Billigpreisstrategie des Handels beenden

Die Billigpreisstrategie des deutschen LEH steht im Widerspruch zu dessen vollmundigen Bekenntnissen zu mehr Nachhaltigkeit und Regionalität.

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Marktbericht

In den vergangnen Jahren wurde die globale Milcherzeugung deutlich ausgedehnt, insbesondere innerhalb der EU. Insbesondere in Irland (+ 19% gegenüber Vorjahr), Niederlande (+ 15 %) und Deutschland (+ 3,5 %) wurde die Milcherzeugung gesteigert. Die Nachfrage nach Milch und Milchprodukten ist dagegen aus bekannten Gründen (Importrückgang China, Russland-Embargo, Ölpreiskrise) ins Stocken geraten.

Die Erzeugerpreise sind seit Mitte 2014 von rund 38 Cent/kg (Basispreis) auf heute etwa 23 Cent/kg gefallen. Eine zeitnahe Erholung der Erzeugerpreise ist nicht in Sicht. Vor diesem Hintergrund ist die wirtschaftliche Existenz viele Milchviehbetriebe gefährdet.

Nach Einschätzung von Marktexperten kann das für die Markterholung notwendige Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage derzeit nur durch ein deutlich verringertes Milchangebot erreicht werden. Bedeutsame Impulse auf Nachfrageseite sind derzeit nicht zu erkennen.

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