
Sie sind hier: » Pressemeldungen » Kreisverband Borken
22 September 2009 | Kreisverband Borken
„Warum hat der Mais Haare?“
Auf dem Hof Lösing betreuen Schüler ein Feld von der Saat bis zur Ernte
„Warum hat der Mais Haare?“ Maria Lösing-Roddemann blickt herausfordernd in zehn fragende Gesichter und streckt den Kindern den von einer Blätterhülle eingeschlossenen Kolben entgegen. Aus diesem hängt oben ein dichtes Büschel brauner seidiger Fasern heraus. Die Schüler der Klasse 6b der Vredener St.-Felicitas-Schule sind an diesem Morgen zu Gast auf dem Hof der Lösings in der Bauerschaft Crosewick. Im Rahmen der gemeinsamen Hof-Partnerschaft-Initiative des Westfälisch-Lippischen-Landwirtschaftsverbandes und der Agravis Raiffeisen AG beschäftigen sie sich intensiv mit der Herkunft ihrer Lebensmittel.
Lösing-Roddemann hat gemeinsam mit Klassenlehrerin Ute Gehling das Konzept erarbeitet: Die Schüler kommen jede Woche einmal auf den Vredener Betrieb, betreuen ihr eigenes Maisfeld – von der Einsaat bis zur Ernte – und lernen gleichzeitig die Abläufe in der Viehhaltung kennen. Für ihre Arbeit bekommt die 51-jährige Landwirtin eine Förderung durch den Verband. Dass der Bauernhof gerade für Kinder mit besonderem Förderbedarf ein idealer Lernort ist, betont Gehling: „Auch Schüler, die ansonsten sehr still sind, kommen hier aus sich heraus.“
Die Schüler haben immer noch keine Antwort, was es denn nun mit den Haaren auf sich hat. Lösing-Roddemann hat die Lösung: „Die braucht die Pflanze zum Bestäuben. Die Pollenkörner wehen durch die Luft und verfangen sich in den Häärchen.“ Wieder was gelernt. So wie in jeder Schulwoche seit Mai, wo die Schüler bei der Einsaat auf der knapp 2000 Quadratmeter großen Fläche direkt am Hof mit dabei waren. Danach hieß es: Dafür sorgen, dass die Saat aufgehen kann und Unkraut den Ernteerfolg nicht zunichte macht. Vier Wochen lang haben die Schüler gehackt. „Bis denen das zum Halse raushing“, erzählt Lösing-Roddemann lachend und ergänzt, wie sie den Schülern nebenbei modernen Ackerbau nahe bringt: „Wir machen das heute mit Pflanzenschutz. Sonst geht es nicht. Aber das kommt auch nicht pur auf die Pflanze, sondern vielfach verdünnt. Auf die Fläche von einem Fußballfeld ist das ein Schnapsgläschen voll.“ Was passiert, wenn eine Pflanze diesen Schutz nicht bekommt, entdeckt der zwölfjährige Jan, als er einen verkümmerten, mit einem aufgequollenen gräulichen Pilz befallenen Kolben findet: „Der Maiskolben ist tot.“
Im Anschluss geht es noch in den Kälberstall. Ohne dass Gehling oder Lösing-Roddemann etwas sagen müssen, nehmen die Schüler Besen und Schüppe in die Hand und versorgen die Tiere mit Maissilage und frischem Heu. Anschließend dürfen sie noch in das Stallabteil hinein: Tuchfühlung mit den Kälbchen aufnehmen. „Langsam, nicht rennen. Sonst erschrecken die sich“, ermahnt Lösing-Roddemann ihre jungen Nachwuchs-Bauern. „Die Kinder sollen hier auch einen Bezug zum Tier bekommen.“
Das vor Ort Erlebte setzen die Schüler in mehreren Unterrichtsfächern um, erzählt die Klassenlehrerin: In Deutsch schreiben Sie einen Aufsatz, in Biologie machen Sie Bodenkunde, in Mathe berechnen Sie das Längenwachstum der Pflanzen. Gehling ist begeistert: „Wir haben verschiedene Aktionen bei uns an der Schule. Aber das hier ist das absolute Highlight.“ Vor den Sommerferien haben die Schüler für Lösing-Roddemann ein Buch gestaltet: Jeder Schüler ein Bild. Auf dem Einband hat jeder unterschrieben. Darüber steht in bunten Buchstaben: „Danke, dass wir bei euch sein dürfen.“
Bilder vom Maisprojekt finden Sie im Menü Interaktiv unter Bildergalerien.
Bild 1
Agrarpädagogin Maria Lösing-Roddemann
"Warum hat der Mais Haare?": Maria Lösing-Roddemann erklärt den Schülern der Klasse 6b den Aufbau des Maiskolbens.


