
Sie sind hier: » Pressemeldungen » Kreisverband Herford
22 Dezember 2009 | Kreisverband Herford
Jahresrückblick des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford
Herford /WLV (Re) Die Landwirte im Kreis Herford blicken auf ein schwieriges Jahr zurück. Die Wirtschaftskrise hat den grünen Berufszweig zeitversetzt, aber mit voller Wucht getroffen. „Die Lage ist mehr als ernst, die Stimmung auf den Nullpunkt“, erklärt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford Wilhelm Brüggemeier. Historisch niedrige Milchpreise, Einbrüche in der Veredlung und ins bodenlose gefallene Getreidepreise gingen vielen Bauern an die Substanz.
Die Lage ist in allen Bereichen angespannt. Die Milcherzeuger stecken in einer schlimmen Situation. „Auch die derzeit leicht verbesserten Milchpreise reichen nicht aus, die finanziellen Nöte auszugleichen“, erläutert der Vorsitzende. Für ihn steht außer Frage, dass der Milchpreis flächendeckend immer noch zu niedrig ist. Doch geht der Berufsstand von einer weiterhin positiven Entwicklung auf dem Milchmarkt aus. Allerdings ist das Nach-Weihnachtsgeschäft oft kritisch. Brüggemeier: „Jetzt muss es darum gehen, die positive Marktentwicklung nachhaltig und stabil zu halten.“ Weiter sei es für die Milchbauern wichtig, zu klären, wie sie sich auf die Zeit nach dem Auslaufen der Milchquote im Jahr 2015 einstellen können.
Ebenso setzte sich die Schweinemisere fort. Ferkel und Schweine lassen keine ausreichende Rendite zu. Die wirtschaftliche Situation insbesondere der Sauenhalter ist mehr als besorgniserregend. Schon in den vergangenen Jahren haben sie tiefe Preistäler durchlebt. Nach einer kleinen „Verschnaufpause“ im letzten Winter und Frühjahr, hat im Mai wieder der Abwärtstrend eingesetzt. „Bei dem augenblicklichen Preisniveau machen die Landwirte nur Minus“, bekräftigt Brüggemeier. Die Zeitspanne der Preiserholung sei für die Ferkelerzeuger einfach zu kurz gewesen.
Die Getreideernte fiel in diesem Jahr zufriedenstellend bis gut aus. Wenig erfreulich ist jedoch die Erlössituation. Brüggemeier: „Sie ist ebenso desaströs.“ Die Preise sind bei weiten nicht kostendeckend, zumal die Ackerkulturen durch hohe Diesel-, Saatgut- und Düngerpreise mit deutlich höheren Kosten als in der Vergangenheit produziert worden sind. Zur wirtschaftlichen Situation bewertet der Vorsitzende, dass das Sonderprogramm Landwirtschaft der Bundesregierung der richtige Weg sei, um in der Wirtschaftskrise zeitlich befristet zu helfen. Um sich langfristig auf die stark schwankenden Agrarmärkte einstellen und besser mit den „Tiefen“ der Märkte zurecht kommen zu können, fordert der Berufsstand eine Risikoausgleichsrücklage. Das Parken von Gewinnen aus guten Jahren dient der Rücklagenbildung, die in Krisenjahren genutzt werden kann. Ebenso drängt der Berufsverband auf ein deutliches Abzusenken des Steuersatzes für Agrardiesel. „Wir deutschen Landwirte zahlen immer noch den höchsten Steuersatz in der EU“, untermauert der Vorsitzende. Darüber hinaus müsse der Lebensmitteleinzelhandel den zerstörerischen Preisdruck beenden. In Verantwortung für die gesamte Lebensmittelkette sei endlich den realen Produktionskosten Rechnung zu tragen.
Hinsichtlich der EU-Agrarpolitik berichtet der Vorsitzende, dass Brüssel jetzt vor der Planung des EU-Haushalts von 2014 bis 2020 stehe. Er bringt klar auf den Punkt: „Wir brauchen die Sicherung der EU-Direktzahlungen und einen entsprechenden Finanzrahmen auch nach 2013.“ Jede Weiterentwicklung der EU-Agrarpolitik nach 2013 müsse auf dem Leitbild einer multifunktionalen Landwirtschaft fußen, die marktorientiert wirtschaftet und zugleich gesellschaftlichen Belangen diene.
Fakt ist, die heimische Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. In diesem Jahr zeigte sich wieder, dass die Schwankungen der Agrarpreise jetzt harte Realität sind. „Entscheidend wird sein, auch in schlechten Zeiten Oberwasser zu behalten“, betont Brüggemeier. Der Berufsstand appelliert deshalb an die Politik, den grünen Berufszweig wettbewerbsfähig zu halten. Aussichten sieht der Vorsitzende in der Sicherstellung der zunehmenden Zahl der Menschen mit Nahrung und der Versorgung mit Bioenergie: „Weltweit wächst die Bevölkerung und damit die Nachfrage nach Lebensmitteln.“ Weiter müssten für die fossilen Energien Alternativen gefunden werden, dabei spiele die Bioenergie – und damit die Landwirtschaft - eine zentrale Rolle. Bezüglich des Themas Weltklimas weißt er darauf hin, dass die Land- und Forstwirtschaft der einzige Wirtschaftssektor sei, der durch seine Produktion Kohlendioxid (CO2) bindet und Sauerstoff erzeugt. Nach seiner Ansicht ständen die Methanemissionen der Wiederkäuer in keiner Relation mit dem Schadstoffausstoß der Autos. „Unsere Kühe ‚tanken’ Gras, die Autos Treibstoff. Gras aber wächst und wandelt CO2 in Sauerstoff um“, erklärt Brüggemeier. Bei der Verbrennung von Treibstoff würden dagegen CO2 und viele weitere Schadstoffe ausgestoßen. Außerdem würden die Wiederkäuer den Menschen helfen, aus dem Grasland, dass 82 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche ausmacht, Lebensmittel zu erzeugen.
Der Vorsitzende erinnert abschließend: „Die Zeiten sind montan nicht rosig, doch die heimische Landwirtschaft hat gesellschaftliche Relevanz. Sie erzeugt hervorragende Nahrungsmittel, pflegt unsere Kulturlandschaft, schafft Ausgleichsräume und liefert Bioenergie.“
Pressekontakt
Rita Rehring
Ravensberger Str. 6
32051 Herford
Tel.: 05221/180-250
Fax: 05221/180-262
Mail-Kontakt


