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1 Februar 2010 | Kreisverband Warendorf
Großer Andrang beim Kreisverbandstag
Mit einer engagierten Rede der Landjugend vor vollen Rängen startete am 29. Januar der Kreisverbandstag in der Stadthalle Ahlen: Als Sprecherin der Katholischen Landjugendbewegung appellierte Eva-Maria Meckmann an die Geschlossenheit des Berufsstandes, ohne die eine einheitliche Interessenvertretung nach außen nicht möglich sei: So habe sich im vergangenen Jahr die Diskussion um Gentechnik beinahe zu einem Glaubenskrieg entwickelt, Nachbarn seien im Wettbewerb um Pachtflächen zu ärgsten Konkurrenten geworden und der BDM habe schließlich öffentlich gegen die Politik des WLV gekämpft. „Und das in einer Zeit, in der wir in der Politik und Gesellschaft nur noch gehört werden, wenn wir nach außen mit einer Stimme sprechen!“, kritisierte Meckmann und forderte alle Bäuerinnen und Bauern auf, „sich Zeit zu nehmen, nach Gemeinsamkeiten und Stärken zu suchen und sich an diesen zu orientieren“.
MdB Reinhold Sendker:
"Finanzkonflikt auf EU-Ebene betrifft 1. Säule"
Bundestagsabgeordneter Reinhold Sendker, der aufgrund einer Plenarsitzung des Deutschen Bundestages dem Kreisverbandstag nicht beiwohnen konnte, richtete seine Grußworte per Tonbandeinspielung an die Gäste. Als seine Hauptaufgaben in Berlin nannte er neben der Infrastrukturentwicklung des Kreises Warendorf hauptsächlich die Landwirtschaftspolitik: Angesichts des Verfalls von Erzeugerpreisen und drängender Liquiditätsprobleme habe die neue Bundesregierung ein Maßnahmenbündel geschnürt: 500 Mio. EUR für das Grünlandmilchprogramm, 200 Mio. EUR zur Aufstockung des Bundeszuschusses für die Landwirtschaftliche Unfallversicherung sowie 50 Mio. EUR für Liquiditätshilfen. Zudem würden die Mittel zur Unterstützung des Exportes deutscher Agrarprodukte um weitere 7,5 Mio. EUR aufgestockt und die sogenannten GAK-Mittel um 25 Mio. auf 725 Mio. EUR angehoben. Allerdings zeichne sich auf EU-Ebene ein Finanzkonflikt ab, weil in der neuen Förderperiode 2014 bis 2020 der ersten Säule der Agrarpolitik weniger Finanzmittel zur Verfügung gestellt und stattdessen Gelder für andere Aufgaben verwendet werden sollten. „Mit der Umleitung der Gelder zu Lasten der Landwirtschaft bin ich ganz und gar nicht einverstanden und werde mich im Deutschen Bundestag für eine zufriedenstellende Lösung einsetzen“, versprach Sendker.
Sein Amtsvorgänger Reinhard Schultz, der dem Deutschen Bundestag bis zum Herbst angehört hatte, kam in neuer Funktion als Geschäftsführer des Verbandes „Biogasrat e.V.“ und bot sich den Landwirten als Moderator in Sachen Erneuerbare Energien an.
Für seinen „Sachverstand und sein Fingerspitzengefühl, mit denen er alle Probleme angegangen ist und dabei immer einen Blick und ein offenes Ohr für die praktizierenden Landwirte hatte“, dankte Vorsitzender Hermann-Josef Schulze-Zumloh dem langjährigen Leiter des Kreisveterinäramtes, Dr. Antonius Kleickmann, der im vergangenen Jahr in den Ruhestand gegangen war.
WLV-Präsident Möllers:
Juckepunkte der EU-Politik beleuchtet
Mit Blick auf den derzeitigen Leitbildprozess des WLV legte Präsident Franz-Josef Möllers in seinem Hauptreferat zunächst die Gründe dar, warum eine einheitliche Stimme, wie sie von der Landjugend gefordert werde, so schwierig sei: „ Wir haben in der Landwirtschaft eine Spezialisierung, die sich gewaschen hat! Kaum eine andere Branche kann einen solchen Produktivitätsfortschritt vorweisen wie wir!“, so der Präsident. Natürlich berge der hohe Spezialisierungsgrad Konfliktpotenzial. Dennoch hätten sich in der Mitgliederbefragung „91 % für den Einheitsverband ausgesprochen“. Und kaum ein anderer Interessenverband habe eine Akzeptanz von fast 100 % erreicht.
Mit Blick auf die agrarpolitische Standortbestimmung bezeichnete Möllers den durchschnittlichen Jahresverdienst einer landwirtschaftlichen Arbeitskraft mit 24.000 EUR als „inakzeptabel“, verwies jedoch darauf, dass satte 50 % des Einkommens über Transferleistungen erfolgten und forderte: „Wir brauchen mehr Markt, aber wir müssen die Kirche im Dorf lassen!“
Als „Juckepunkte“ der EU-Politik nannte der Präsident die Bereiche Milch und GVO: „Die Mengensteuerung hat versagt. Sie hat den Bauern nicht das erwartete Einkommen gebracht!“. Jetzt müsse über die künftige Marschroute mit den Molkereien nachgedacht werden. Einer Molkereiquote erteilte er dabei eine klare Absage. Die GVO habe einen Glaubenskrieg entfacht zwischen den Kritikern, die Gentechnik als „Teufelszeug“ verschrien und denjenigen, die überzeugt seien, dass ohne GVO demnächst 8 Mrd. Menschen nicht mehr ernährt werden könnten. „Tatsache ist, dass der Handelsdruck beim Anbau weniger stark ist als bei den Veredlern. Es kann nicht sein, dass die Veredler zu leiden haben, aber Lebensmittel für die Verbraucher nicht gekennzeichnet werden!“, so Möllers und sprach sich unmissverständlich für eine Kennzeichnungspflicht aus.
Transparenz forderte Möllers auch von der Bundesregierung, die endlich die Lasten aus der Finanzkrise benennen sollte: „Wir können nicht auf eine Schätzung im Mai warten!“
"Wildes Wachstum bringt viele Verlierer hervor"
In der anschließenden Diskussionsrunde nahm der Präsident Stellung zu den wichtigsten Fragen der Landwirte: Zum „wilden Wachstum“ einiger Betriebe erklärte Möllers: „Wer über Gebühr und mit hohem Risiko wächst, schwächt die Akzeptanz in der Gesellschaft. Am Ende werden wir viele Verlierer haben: Denn überzählige Kapazitäten werden nicht zurückgenommen, sondern wer Pleite macht, wird von anderen geschluckt. Und dann steigen möglicherweise Leute ein, die mit Landwirtschaft nichts zu tun haben“, warnte der Präsident.
Vor dem Hintergrund, dass Schweine- und Milchpreise künftig von globalen Märkten bestimmt werden, rief Möllers zum „Klinkenputzen“ in anderen Ländern auf; insbesondere China biete die Chance auf neue Marktanteile mit Produkten, die in Deutschland vielleicht nicht so gängig seien.
Einen Strukturwandel über Preisdruck lehnt der WLV-Präsident ab: „Ich bin ein Verfechter der Vorruhestandsregelung, aber die Mittel dafür sind derzeit nicht da!“ Sinnvoll sei ein Altersgeld, das an die Hofabgabe gekoppelt ist.
In seinem Schlusswort betonte Möllers: „Wir haben einen guten Standort und gut ausgebildete junge Leute. Landwirtschaft ist eine Zukunftsbranche und erst recht im Kreis Warendorf!“
Bild 1
Volles Haus
Landrat Dr. Olaf Gericke richtete sein Grußwort an rund 300 Landwirte.


