Folgen eines Seuchenzuges für den Kreis Borken

20. Juli 2017

Was passiert, wenn uns die Afrikanische Schweinepest tatsächlich erreicht?

Müssen wir uns hier im Kreis Borken Sorgen vor der Afrikanischen Schweinepest machen? Diese Frage drängt sich jemandem vielleicht in den letzten Tagen auf, der die verschiedentlichen Warnungen in den Medien verfolgt hat. Ja, was passiert eigentlich, wenn die Afrikanische Schweinepest deutsche Wild- und / oder Hausschweinbestände erreicht?
In Tschechien sind aktuell mehrere Wildschweine an der hochansteckenden afrikanischen Schweinepest gestorben. Im Südosten Tschechiens, der Region um Zlin,  wurde bei 25 toten Wildschweinen die afrikanische Schweinepest nachgewiesen. Verdachtsfälle gab es schon früher. Zlin liegt rund 400 Kilometer vom Landkreis Görlitz entfernt. 
Nun warnen erste Landkreise in Sachsen Reisende dringend davor, Fleisch- und Wurstwaren aus den betroffenen Gebieten mitzubringen. Auch Jäger und Landwirte sind zu erhöhter Vorsicht angehalten.
Auch hier in NRW warnen Landwirtschaftsministerium und WLV-Landesverband in aktuellen Pressemitteilungen unisono, die Westfälischen Nachrichten titeln in Ihrer heutigen Ausgabe: „Seuchengefahr aus dem Osten“.
Worüber sorgen sich die Bauern eigentlich?
Für die Tiere sind die Folgen eines Seuchenzuges leider so klar wie hart: Die Afrikanische Schweinepest führt bei erkrankten Schweinen in fast allen Fällen zum Tod, meistens in einem sehr kurzen und heftigen Krankheitsverlauf.
WLV-Kreisgeschäftsführer Jörg Sümpelmann umreißt in anderem Sinne existenzbedrohenden Folgen für die hiesige Fleischbranche: „Auch wenn die Hausschweinehaltungen der Bauern verschont blieben und die Erkrankung lediglich bei den Wildschweinen amtlich festgestellt würde, hätte dies fatale Konsequenzen für die Erzeugung und die Vermarktung von Schweinefleisch generell. Hierauf weist der WLV unter Verweis auf entsprechende Gespräche mit der EU-Agrarkommissar Hogan schon jetzt hin. Denn, wenn die Schlachthöfe wie auch der Lebensmitteleinzelhandel wohlmöglich  bis zu 3 Jahre lang Schweine und deren Erzeugnisse, die aus einem Gebiet mit amtlicher Seuchenfeststellung stammen nicht mehr abnehmen, dann bricht hierunter eine ganze Branche zusammen. Unsere heutigen Verzehr- und Einkaufsgewohnheiten können dann nicht mehr auf heimisches oder gar in Deutschland erzeugtes Schweinefleisch zurückgreifen. Denn die Bauern können in solchen Zeiten keine Schweine bzw.  so viel weniger erzeugen, dass wir auf Drittmärkte angewiesen sind.“
Die aktuellen Warnungen folgen der Risikoeinschätzung des Friedrich-Löffler-Institutes, Deutschlands erste Adresse, wenn es um Tiererkrankungen geht. Danach gibt es ein zunehmend hohes Risiko, dass die Afrikanische Schweinepest durch illegale Entsorgung oder Einfuhr von verseuchtem Material auch nach Deutschland eingeschleppt wird. Allerdings seien aus jetziger Sicht Wildschweinpopulationen gefährdeter als Hausschweine. Problematisch ist die außerordentlich lange Ansteckungsfähigkeit des Virus, warnt das auch Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Selbst gefrorenes, gepökeltes oder geräuchertes Fleisch kann für Haus- und Wildschweine über lange Zeit infektiös sein. Aber: Für Menschen sei die Afrikanische Schweinepest ungefährlich.
Die für Haus- und Wildschweine hochgefährliche Erkrankung, die ursprünglich aus Afrika und Sardinien stammt,  war über Russland kommend 2014 erstmals in den baltischen Staaten und im Osten Polens ausgebrochen, konnte dort aber eingedämmt werden. Die Tatsache, dass das Virus aktuell den Sprung nach Tschechien gemacht hat zeigt, dass die Ausbreitung schneller erfolgt, als man bislang glaubte.

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