Am Sonntag ist Erntedank

29. September 2017

Ein Jahr mit ungewöhnlicher Witterung

Ennepe-Ruhr-Kreis/Hagen (wlv). Am kommenden Sonntag feiern wir das Erntedankfest. „Erntedank, das heißt Dank zu sagen für die Früchte des Feldes, innezuhalten und zurückzublicken auf die Zeit von der Aussaat bis zur Ernte“, sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ennepe-Ruhr/Hagen Dirk Kalthaus. „Es war ein Jahr mit vielen und lokal sehr unterschiedlichen Witterungsextremen“, so der Landwirt und deshalb würden auch die Ernteergebnisse im Ennepe-Ruhr-Kreis und Hagen eine große Bandbreite aufweisen, je nach Bodenqualität und lokaler Witterung.


Ungewöhnliche Witterungsbedingungen prägten Vegetationsverlauf: Die Wintermonate und das beginnende Frühjahr waren extrem trocken, dann folgte der wärmste März seit Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen. Dafür kam der Kälteeinbruch im April, der zur Monatsmitte besonders die Obstbaumblüte mit Nachtfrösten traf. Der Hochsommer war schon im Juni mit Hitze und Trockenheit da. Er wurde abgelöst von immer wiederkehrenden Regenfällen zur Erntezeit im Juli und August, die den Bauern zu schaffen machten. „Das Wetter hat uns wieder einmal gezeigt, wie sehr wir Bauern in und mit der Natur leben und arbeiten“, schildert Landwirt Kalthaus. „Im Großen und Ganzen können wir im Ennepe-Ruhr-Kreis und Hagen trotzdem eine durchschnittliche Ernte verbuchen, die je nach Fruchtart, aber auch regional, sehr schwankt“, sagt der Landwirtevorsitzende.


Im Einzelnen: Nachdem die Gerste Anfang Juli größtenteils bei noch schönem Wetter geerntet werden konnte, setzten während der anschließenden Rapsernte die Regenfälle ein und brachten den heimischen Landwirten unfreiwillige Zwangspausen. So habe die Gerste insgesamt am stabilsten abgeschnitten, sagt Kalthaus. Die Landwirte hätten Durchschnittserträge mit zufriedenstellenden Qualitäten einfahren können. Der Raps habe hingegen flächendeckend geringe Ölgehalte aufgewiesen.


Die Regenfälle im Juli und August hätten dann ihre Spuren in Weizen, Hafer, Roggen und Triticale hinterlassen. „Den Weizen traf die Hitze zunächst im Juni in der Kornfüllungsphase, was zu kleineren Körnern führte, während danach zur Ernte die unbeständige Witterung mit teils ergiebigen Niederschlägen die Arbeiten immer wieder unterbrach“, schildert der Landwirtevorsitzende. So hätten die Backqualitäten im Ernteverlauf deutlich gelitten. „Verbleibt das reife Korn zu lange bei feuchter Witterung auf dem Halm, setzen enzymatische Keimungsprozesse ein, was die Backeigenschaften reduziert“, erklärt Kalthaus. So gebe es in diesem Jahr deutlich weniger Backweizen.


Für die Bauern im Südkreis sei besonders die Grasernte wichtig. Der zweite Grasschnitt habe unter der Junitrockenheit gelitten und deshalb einen deutlich geringeren Ertrag gebracht, sagt Kalthaus. Die anderen Schnitte hätten einen mittleren Aufwuchs geliefert. Die Erntebedingungen seien in diesem Jahr aufgrund der unbeständigen Witterung nicht einfach gewesen. „Für die Silageherstellung haben die Trockenphasen in den meisten Fällen noch gereicht, beim Heu, das eine längere Trocknungszeit braucht, war das häufig nicht der Fall“, sagt der Landwirt. Die Grasernte sei für die rinderhaltenden Betriebe die wichtigste Ernte, da sie die Futtersicherung für den nächsten Winter darstelle, erklärt Kalthaus.  


Noch ist alles nicht vollständig eingebracht: Der Mais sehe gut aus. „Er hatte bei einem guten Mix aus Sonne, Wärme und ausreichendem Regen gute Wachstumsbedingungen“, so Kalthaus. Die Kartoffelbauern würden ebenfalls eine gute Ernte erwarten. Die Rodebedingungen seien allerdings aufgrund der Nässe bis jetzt schwierig gewesen, so Kalthaus. Dem Obst habe der starke Frost vom 19. auf den 20. April während der Blüte teils großen Schäden zugeführt.


 „Trotz aller Witterungsextreme sind wir hier im Ennepe-Ruhr-Kreis und Hagen von den größten Extremen, von wirklichen Unwettern, wie sie in anderen Gebieten Deutschlands getobt haben, verschont geblieben“, sagt Kalthaus. „Wir können dankbar sein für eine Ernte, die in unseren Regionen alle satt macht.“


 
Wann feiern wir das Erntedankfest?


Die Tradition Erntedank zu feiern ist schon sehr alt, einen einheitlichen Termin gab es aber über Jahrhunderte nicht. Erst der Preußenkönig Friedrich II., der „Alte Fritz“, legte 1773 fest, dass alljährlich am Sonntag nach dem Michaelistag (29. September) Erntedank gefeiert werden solle. Das ist meistens der erste Sonntag im Oktober, in einigen Jahren  aber auch der letzte Septembersonntag. In den Dörfern bei den Bauern selber hielt man sich aber lange nicht an diesen Termin, dort wurde zu früheren Zeiten eher das Einbringen des letzten Erntewagens gefeiert.
Die Deutsche Bischofskonferenz legte 1972 den ersten Sonntag im Oktober als Festtermin fest, ohne diese Festlegung für alle Gemeinden verbindlich auszusprechen. 
So gibt es in den meisten Jahren, wie auch in diesem, den einheitlichen Erntedanktermin am ersten Oktobersonntag. In den Jahren, in denen der Sonntag nach dem Michaelistag noch in den September fällt, gibt es zwei Termine.
 
 

Presse-Kontakt

Wir sind dankbar für die Ernte, sagt Landwirtevorsitzender Dirk Kalthaus.

Daten werden geladen …