Flächenverbrauch: Münsteraner Landwirte fordern Schutz wertvoller Ackerflächen

15. März 2018

Neubau der JVA in Wolbeck hat Auswirkungen für Landwirtschaft über Stadtgrenze hinaus

Münster <WLV> Die neue Justizvollzugsanstalt (JVA) in Wolbeck soll in fünf bis sechs Jahren den Betrieb aufnehmen. Die Landwirte aus dem betroffenen Stadtteil fordern schon jetzt energisch, den damit einhergehenden Flächenverbrauch einzudämmen. Und es zeigt sich: Nicht nur Wolbecker Landwirte spüren die Auswirkungen des JVA-Neubaus, auch Berufskollegen im benachbarten Kreis Warendorf sind alarmiert.

„All unsere Bemühungen, die JVA nicht auf landwirtschaftlicher Fläche entstehen zu lassen haben leider nicht gefruchtet. Wir haben Verständnis für den Berufskollegen, der seine Flächen für den JVA-Neubau verkauft hat, aber es hätte ‚ackerflächenschonende‘ Möglichkeiten gegeben“, sagt Susanne Schulze Bockeloh, Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Münster. „Die Inanspruchnahme der Fläche für den Neubau ist das eine. Jetzt müssen wir aber unbedingt gemeinsam überlegen, wie damit einhergehende Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen flächenschonend umgesetzt werden können“, gibt Susanne Schulze Bockeloh zu bedenken. Mindestens elf Hektar werden für den Bau der JVA mit 640 Plätzen in Anspruch genommen. „Weitere sieben Hektar sind bereits für Ausgleich und Ersatz erworben worden, mehr dürfen es nicht werden“, fordert die Kreisverbandsvorsitzende.

„Wir haben Sorge, dass für letztere weitere landwirtschaftliche Flächen hier in Wolbeck oder hinter der Stadtgrenze in Telgte oder Everswinkel in Anspruch genommen werden. Diese Sorge treibt uns Berufskollegen aktuell um, da wertvolle Ackerflächen für die Herstellung regionaler Lebensmittel dann dauerhaft nicht mehr zur Verfügung stehen“, berichtet Martin Homann-Niehoff, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Wolbeck/Gremmen- dorf/Angelmodde. Berufskollege Bernd Hilgensloh macht deutlich: „Mindestens die Größe von 25 Fußballfeldern fällt durch den JVA-Neubau für uns Landwirte dauerhaft weg. Mit dem Banner an diesem Standort wollen wir bei den Menschen ein Bewusstsein dafür schaffen und uns für den Erhalt von wertvollen Natur- und Ackerflächen für Mensch und Tier einsetzen.“


Gemeinsam mit Berufskollegen aus Telgte und Everswinkel haben die Wolbecker Landwirte ein großes Banner am JVA-Standort aufgehängt, um für das Thema Flächenverbrauch zu sensibilisieren. „Fläche ist nicht vermehrbar – was weg ist, ist weg und steht für die Produktion regionaler Lebensmittel dauerhaft nicht mehr zur Verfügung“, betonte Susanne Schulze Bockeloh am neuen JVA-Standort. Allein in den vergangenen zehn Jahren haben die Landwirte in Münster jährlich eine Fläche von 100 Hektar verloren. Das entspricht einer Größe von rund 140 Fußballfeldern. „Wir appellieren an die Politik, zum Schutz unserer wertvollen Flächen strategische Stadtplanung zu betreiben. Sofern Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen notwendig werden, gilt es, diese gemeinsam mit Landwirten zu erörtern und beispielsweise durch die Aufwertung bestehender Naturschutzflächen landwirtschaftliche Äcker zu schützen. Hier müssen wir gemeinsam neue Wege gehen“, so Susanne Schulze Bockeloh weiter. 


 Hintergrund-Informationen zum Flächenverbrauch in Münster ( Dateigröße: 408 KB)

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