Landwirtschaft hofft auf wirtschaftliche Erholung im neuen Jahr

13. Januar 2017

WLV-Präsident Röring: „Ich warne vor Wahlkampf auf dem Rücken der Bauernfamilien!“

Münster <wlv> Nach zwei Krisenjahren mit drastisch zurückgehenden Einkommen sehen die Bauern in Westfalen-Lippe 2017 wieder einen Silberstreif am Horizont. Nach Einschätzung des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) werden sich im neuen Jahr die Erzeugerpreise vor allem bei Milch, aber auch bei Fleisch spürbar erholen. Auslöser dieses Wandels sind in beiden Segmenten eine anziehende Nachfrage und deutliche Produktionsrückgänge. Dagegen lässt beim Getreide aufgrund weltweit gut gefüllter Lager und positiver Ernteprognosen eine durchgreifende Erholung der Erzeugerpreise weiter auf sich warten. Dieses Fazit zog WLV-Präsident Johannes Röring heute während des traditionellen Havichhorster Presseabends des Verbandes auf Gut Havichhorst bei Münster.

„Die Stimmung auf den landwirtschaftlichen Betrieben ist nach zwei schlechten Wirtschaftsjahren in Folge sehr gedämpft. Zum Glück gibt es erste Anzeichen für eine Verbesserung der Situation. Diese ist auch bitter nötig, denn die Krise hat tiefe Löcher in den Kassen der Bauern hinterlassen und es wird Zeit brauchen, bis diese wieder gestopft sind“, so Röring.

Nach vorläufigen Zahlen der landwirtschaftlichen Buchstellen verringerte sich der durchschnittliche Gewinn der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe in Westfalen-Lippe im Wirtschaftsjahr 2015/16 (01.07.2015 – 30.06.2016) von einem ohnehin niedrigen Ausgangsniveau um rund 16 Prozent auf ca. 33.000 Euro. Dabei mussten alle Produktionsrichtungen Rückgänge verkraften. Während die Ackerbauern einen Rückgang von 24 Prozent verzeichneten, belief sich das Minus bei den Milchviehbetrieben und Schweinehaltern auf 19 Prozent bzw. 17 Prozent. Besonders stark betroffen waren erneut die Sauenhalter und die Milch-bauern, von denen innerhalb des letzten Jahres fast 10 Prozent die Produktion einstellten. Aufgrund der schlechten Markterlöse betrug der Anteil der öffentlichen Transfers am Unternehmensergebnis bei allen Betriebsformen durchschnittlich 52 Prozent. 

Die größte Herausforderung für die Branche sieht der WLV aktuell darin, die Akzeptanz der modernen Landwirtschaft in der Gesellschaft zu sichern und dabei in den laufenden gesellschaftlichen Debatten über Themen der Landwirtschaft Fakten statt „gefühlte Risiken“ zum Maßstab politischer Entscheidungen zu machen.

In diesem Zusammenhang verweist der Verband auf aktuelle Gesetzgebungsvorhaben: Sowohl bei anstehenden (Neu-) Zulassung von vielen Wirkstoffen und Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft wie auch bei der dringend erforderlichen Verabschiedung der Novelle zur Düngeverordnung gehe es um Themen, die für die heimische Landwirtschaft von existenzieller Bedeutung seien und wo von der Politik verantwortliches Handeln auf der Basis von Fakten gefordert sei.

Großes Gewicht legt der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband weiterhin auf die wirtschaftlich verträgliche Integration gesellschaftlicher Anliegen in die heimische Nutztierhaltung. Der Verband sieht sich dabei nach der jüngst beschlossenen Verlängerung der Initiative Tierwohl (ITW) bis 2020 auf einem guten Weg, steht aber auch der Diskussion eines staatlichen Tierwohllabels, wie von Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt angeregt, offen gegenüber. 

Die Verhinderung überzogenen Ordnungsrechts bildet den ersten Schwerpunkt der Verbandsarbeit im neuen Jahr. Daneben und genauso intensiv will sich der Verband aber auch mit eigenen Vorschlägen in die gesellschaftliche Debatte über Landwirtschaft einbringen und vor dem Hintergrund eines tiefgreifenden Wertewandels offensiv Verbesserungen angehen.

Dazu WLV-Präsident Röring: „Im November haben wir der Öffentlichkeit unsere „Offensive Nachhaltigkeit“ vorgestellt und gezeigt, wie wir durch eine ganze Reihe von Projekten Schwachstellen in der landwirtschaftlichen Produktion abstellen und dadurch neues Vertrauen in unsere Branche gewinnen wollen. Nun gilt es, konkret zu werden und die Offensive breit nach innen wie außen zu diskutieren und die identifizierten Projekte voranzutreiben.

Dies alles zeigt, dass wir es ehrlich meinen. Ich warne daher im Wahljahr 2017 alle Parteien davor, Wahlkampf auf dem Rücken der Bauernfamilien zu machen.“

Presse-Kontakt

Unternehmensergebnisse 2015/16 der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe in NRW

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