Erträge unterdurchschnittlich – Qualitäten mäßig - Preise unbefriedigend

28. September 2017

WLV-Präsident Röring zieht Fazit der Ernte 2017

Münster <wlv> Die Bauern in Westfalen-Lippe blicken zurück auf eine Getreide- und Rapsernte, die vielerorts die Erwartungen bei Erträgen und Qualitäten, aber auch im Blick auf die Erzeugerpreise nicht erfüllt hat. Wind- und Wetterverhältnisse haben einzelnen Kulturen bis in den September hinein zugesetzt, sodass die Erntebilanz 2017 im Landesdurchschnitt eher  durchwachsen ausfällt. Dieses Fazit zog der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV), Johannes Röring, anlässlich der zentralen Erntepressekonferenz des Verbands heute in Bergkamen.

„Die Bedingungen bei der Aussaat des Getreides im letzten Herbst waren gut und der weitgehend milde Winter ließ landesweit auf eine gute Ernte hoffen. Das trockene Frühjahr hat sich dann jedoch vor allem auf sandigen Böden negativ auf die Kornausbildung ausgewirkt. In Erinnerung bleibt vielen Bauernfamilien sicherlich der sehr regenreiche Juli, der die Erntearbeiten erheblich erschwerte. Nicht zuletzt die Schäden durch den Spätfrost im April und die jüngsten Stürme erinnern uns daran: Wir bleiben in der Landwirtschaft abhängig von den Unwägbarkeiten der Natur, und so mussten wir uns in diesem Jahr mit Einbußen sowohl bei den Mengen wie den Qualitäten abfinden“, so Röring.

Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband schätzt den durchschnittlichen Ertrag 2017 bei Getreide (ohne Körnermais) in Westfalen-Lippe auf ca. 74 dt/ha. Die Ernte liegt damit etwa 1 Prozent unter dem Ergebnis von 2016 und ca. 4 Prozent unter dem Mittelwert der Jahre 2011 bis 2016. Die Erträge bei Winterraps lagen bei 35 dt/ha, was im Vergleich zu 2016 wie auch zum langjährigen Durchschnitt einem Minus von 9 bis 10 Prozent entspricht. Spürbare Rückgänge zeichnen sich ab beim Körnermais. Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2016 werden hier Ertragseinbußen in einer Größenordnung von 10 Prozent erwartet.

Die eher mäßige Getreideernte in Westfalen-Lippe wie auch in ganz Deutschland wird allerdings überlagert durch erneut sehr gute Ernten in Nordamerika, der Ukraine und der Russischen Föderation. Nach nunmehr fünf Jahren mit guten Getreideernten auf der Nord- wie auch der Südhalbkugel der Erde sind die Vorratsspeicher weiter gut gefüllt, die Erzeugerpreise für die Getreidebauern allerdings dadurch entsprechend niedrig. 

Insgesamt hat sich die Stimmung in der Landwirtschaft aus Sicht des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands seit 2016 deutlich gebessert. Dank spürbar höherer Erzeugerpreise vor allem bei Milch und auf den Fleischmärkten investieren die Bauern wieder verstärkt in Wirtschaftsgebäude und Maschinen, Hof- und Stalltechnik sowie erneuerbare Energien.

Die anhaltenden gesellschaftlichen Debatten über die Ausrichtung der heimischen Landwirtschaft führen jedoch dazu, dass gleichwohl bei vielen Betrieben eine abwartende Haltung überwiegt. 

„Nachdem wir das Krisenjahr 2016 mit desaströsen Erzeugerpreisen vor allem bei der Milch hinter uns gelassen haben, erlauben uns die aktuellen Preise, die entstandenen Löcher langsam wieder zu füllen. Auch in der Landwirtschaft sind extrem schwankende Erlöse und Weltmarktpreise heute Realität. Hierauf stellen sich unsere Betriebe ein. Wir können als Landwirtschaft in Westfalen-Lippe auf den internationalen Agrarmärkten mithalten, wenn man uns ausreichend Freiraum lässt und bei den Auflagen nicht überzieht“, so WLV-Präsident Röring.

Presse-Kontakt

Daten werden geladen …