Tierschutz im Mittelpunkt beim Arbeitskreis Geflügel

03. Dezember 2018

Beim WLV-Arbeitskreis Geflügel unter Leitung von Franz-Rudolf Geisthövel ging es vorletzte Woche um zahlreiche Themen – insbesondere aber um Tierschutzbelange, wie das Puten-Schnabel-Projekt, das Puten-Fitness-Projekt NRW und die stickstoffreduzierte Fütterung bei Masthähnchen.

Franz-Rudolf Geisthövel im Amt bestätigt    
Zu Beginn der Sitzung wurde der Vorsitzende des Arbeitskreises gewählt. Im Zuge der WLV-Verbandswahlen, die im dreijährigen Rhythmus stattfinden und zuletzt im Frühjahr durchgeführt wurden, war auch der Vorsitzende des Arbeitskreises zu wählen. Der bisherige Vorsitzende, Franz-Rudolf Geisthövel aus Möhnesee, wurde einstimmig von den Mitgliedern des Arbeitskreises als Vorsitzender bestätigt.

Puten-Schnabel-Projekt 2017
Frau Dr. Alexa Vaupel vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW (MULNV) berichtete über erste Ergebnisse des Projektes. So wurden Schleifelemente in die Futtertröge installiert, die zu einem Abrieb des Oberschnabels führen. Die Zugabe von Hafer in die Futtermischung hatte keinen negativen Einfluss auf die Mastergebnisse. Die Steigerung des Rohfaseranteils in der Futterration führte zu ausgeprägteren Muskelmägen, höheren Gallensekretionen und verlängerten Futteraufnahmezeiten, welches der Beschäftigung diente. Trotz des Schnabelabriebes waren  allerdings Verletzungen zu verzeichnen. Alle Gruppen hatten Gefieder- und Hautschäden.

Puten-Fitness-Projekt 2018
Hintergrund war die Tatsache, dass 90 % aller Erkrankungen bei Puten das Verdauungssystem betreffen. Ziel war deshalb, die Stabilisierung der Darmgesundheit und damit der allgemeinen Gesundheit. Hierzu wurden der Rohfasergehalt in der Futterration erhöht und Aufbaummöglichkeiten zur Stressreduzierung angeboten. In fünf Feldbetrieben in NRW wurden die Projekte durchgeführt. Bis zu 10 % Hafer wurden der Futtermittelmischung zugeführt. Im Ergebnis konnte festgestellt werden, dass die Aufbaummöglichkeiten bis zur 11. Lebenswoche gut angenommen wurden. Die Fußballen waren teilweise besser. Ebenfalls besser waren Brust, Haut und die Verlustrate. Angegliedert wurde diesem Projekt eine weitere Studie, bei der Putenhennen mit unbehandelten Schnäbeln eine Futterration mit reduziertem Eiweiß- und Fettgehalt angeboten wird. Ergebnisse liegen hierzu noch nicht vor.

Stickstoffreduzierte Fütterung bei Masthähnchen
Geplant ist, durch eine nährstoffangepasste Fütterung bei Masthähnchen in Praxisbetrieben  die Darmgesundheit bei den Tieren zu verbessern (geringerer Eiweißgehalt). Vergleichende Darstellungen sollen danach mit anderen Haltungsvarianten durchgeführt werden (siehe auch AgrarInfo Geflügel vom 06. Juli 2018).

Geschlechtsbestimmung im Ei
Am 08. November hatten das Bundeslandwirtschaftsministerium und die REWE Gruppe gemeinsam ein dem Vernehmen nach marktreifes Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Brut-Ei vorgestellt. In REWE- und PENNY-Märkten in Berlin sollen die ersten Konsumeier angeboten werden, deren Legehennen als Brut-Ei das neue Verfahren durchlaufen haben. Bei dem Verfahren handelt es sich um eine Hormonbestimmung. Im Arbeitskreis wurden  auch die anderen Verfahren erörtert, die sich derzeit im Versuchsstadium befinden. So gäbe es ein Verfahren, bei dem Blutgefäße Licht unterschiedlich reflektieren. Darüber hinaus sei aktuell ein Verfahren auf Basis der Kernspintomographie an der TU München entwickelt worden. Weiterhin würden in Israel Versuche mit gentechnischveränderten Tieren durchgeführt. Kernfrage im Arbeitskreis war der Zeitpunkt der Serienreife unter Praxisbedingungen. Immerhin müssten ca. 90 Millionen Eier pro Jahr einem der Verfahren unterzogen werden.

Landwirt schafft Leben GmbH
Herr Geisthövel wies auf die neue Gesellschaft in Westfalen-Lippe hin, mit der durch Werbung und Marketing für und von Bauern für eine bessere Wahrnehmung in der Öffentlichkeit und ein positives Image geworben und Einsatz gezeigt werden soll. Diese werde ausschließlich durch die Landwirtschaft finanziert. Hier seien zu Beginn die Tierhalter gefragt, die Mischfuttermittel erwerben und bereit sind, einen Beitrag abzuführen. Herr Geisthövel appellierte, diese gute Idee intensiv zu unterstützen.

PCB in Mischfuttermitteln
Vor dem Hintergrund, dass aktuell einige Chargen von Mischfuttermitteln mit PCB belastet sind, stellte sich der Arbeitskreis die Frage, was mit gegebenenfalls positiv getesteten Tieren passieren soll. Ein Töten ohne vernünftigen Grund sei nach Tierschutzrecht nicht zulässig. Eine amtliche Tötungsanordnung könne somit nicht ausgesprochen werden. Hier müssten Lösungen gefunden werden, insbesondere schon aus Tierschutzgründen, da sowohl Masthähnchen als auch Schweine durch ihre Gewichtszunahmen nach einiger Zeit Platzprobleme bekämen. Der jeweilige Untersuchungsstand auf PCB kann auf der Internetseite des LANUV abgerufen werden:

https://www.lanuv.nrw.de/verbraucherschutz/lebensmittelsicherheit/meldungen-zu-gesundheitlich-nicht-erwuenschten-stoffen/


 

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