Fristverlängerung bei der Ferkelkastration beschlossen - jetzt die gewonnene Zeit nutzen

17. Dezember 2018

Der WLV ist erleichtert über den Beschluss des Bundesrats, die Frist für das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration zu verlängern. „Gleichwohl liegt noch viel Arbeit vor uns, die Zeit bis 2021 zu nutzen um praktikable Wege für den Ausstieg zu finden“, betont Präsident Johannes Röring. 

Eine ursprünglich vom Agrarausschuss des Bundesrates ausgesprochene Empfehlung das Gesetz in den Vermittlungsausschuss zu überweisen fand keine Mehrheit im Plenum des Bundesrats. Damit kann das Gesetz zum 1. Januar 2019 in Kraft treten. „Die Fristverlängerung war zwingend erforderlich, da die Alternativen den Anforderungen der Praxis und des Marktes nicht gerecht werden“, betont Röring. Der Markt wolle überwiegend kastrierte Schweine.

Die westfälisch-lippischen Ferkelerzeuger wollen die betäubungslose Ferkelkastration beenden. „Wir Schweinehalter sind bereit, uns zu verändern, aber wir schaffen uns nicht ab“. Damit tritt Röring der Auffassung bestimmter NGOs und Politikern entgegen, die der Landwirtschaft unterstellen, nur auf Zeit zu spielen doch tatsächlich nichts verändern zu wollen.

Seit fast 10 Jahren sucht die gesamte Branche intensiv nach einer flächendeckenden Lösung. Trotz intensiver Anstrengungen konnte bisher nur die Jungebermast mit einem Anteil von knapp 15 Prozent der deutschen männlichen Mastschweine in der Wertschöpfungskette etabliert werden. Die übrigen Verfahren verbleiben mangels Marktakzeptanz in einer Nische, haben keine anerkannte Zulassung oder die Zulassung erst seit wenigen Wochen und scheitern bisher an den nicht zur Verfügung stehenden Geräten.

Als Antwort auf die Frage, auf welchem Wege künftig eine Betäubung der Ferkel erfolgen sollte, wird seit langem fast ausschließlich die Inhalationsnarkose mit Isofluran diskutiert. Das Mittel Isofluran birgt Risiken hinsichtlich des Tierschutzes, der Wirkungsweise und für den Anwender - Isofluran ist ein geruchsloses lebertoxisches Gas - und es verursacht erhebliche zusätzliche Kosten. Die Investition für die Narkoseapparatur beläuft sich auf ca. 10.000 Euro plus Kosten für den laufenden Betrieb. „Das belastet insbesondere kleinere und mittlere Betriebe“, so der WLV-Präsident. „Wir wollen Verfahren an die Hand bekommen, die unsere Wettbewerbsfähigkeit nicht gefährden. Die Lokalanästhesie ist dafür geeignet.“

Bei den Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration gebe es keinen Königsweg. Deshalb sei man gut beraten, noch mehr Zeit und Energie zu investieren, bevor sich Branche und Politik auf einen gemeinsamen Weg verständige. Nun gelte es, die Fristverlängerung von zwei Jahren zielorientiert zu nutzen, um den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration erfolgreich für alle Betriebe zu schaffen. Ziel sei die wirksame Schmerzausschaltung oder der Verzicht auf die chirurgische Kastration.

Der WLV setzt sich dafür ein, dass auf allen Ebenen noch stärker an Lösungen für ein praktikables Lokalanästhesieverfahren gearbeitet wird, welches den Betrieben bis zum Ende der Fristverlängerung zur Verfügung steht. Dennoch ist nach aktueller Lage davon auszugehen, dass es in den kommenden beiden Jahren keine Lokalanästhesie geben wird. Deshalb müssen nun verstärkt Gespräche zwischen Deutschland, Dänemark und den Niederlanden geführt werden, um in diesen Ländern im Sinne des Tierschutzgesetzes einheitliche Verfahren zu etablieren.

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