Unseriöse Feinstaubfakten in ARD-Sendung Monitor

23. Januar 2019

Erboste Mitgliederreaktionen / Kommentar von Jörg Sümpelmann

In der ARD-Sendung „Monitor“ vom 17. Januar 2019 stellten die Autoren in einem Bericht die Behauptung auf, die Landwirtschaft in Deutschland sei zu 46 % an 120.000 durch Feinstaub verursachten Todesfällen verantwortlich. Der Bericht bezieht sich auf eine bisher unveröffentlichte Studie des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie. Hierzu erreichten den WLV-Kreisverband in den letzten Tagen dutzende häufig erboste Reaktionen von Mitgliedern.
Hierzu erklärt Jörg Sümpelmann als Geschäftsführer des Kreisverbandes Borken im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband:

„Dass dieser Monitor-Bericht am Abend der Eröffnung der Internationalen Grünen Woche im öffentlich-rechtlichen Fernsehen der ARD gesendet wurde, ist sicher kein Zufall und überrascht dennoch: Die Studie hat noch nicht das wissenschaftliche Review-Verfahren durchlaufen und zitiert im Wesentlichen eigene Hochrechnungen und Schätzungen der Autoren.
In der Sache beruht der dargestellte Zusammenhang zwischen Feinstaub und vorzeitigen Todesfällen auf Modellrechnungen, die in der Fachwelt auf erhebliche Zweifel stoßen, wobei vor allem der Eindruck monokausaler Zusammenhänge beanstandet wird. Rückschlüsse auf konkrete Todesfälle sind nicht möglich und deren Behauptung daher zweifelhaft.

Problematisch in diesem Zusammenhang ist auch, dass es keine gesicherten wissenschaftlichen Aussagen gibt zum Umfang, in dem Ammoniak ( aus der Tierhaltung )zur sogenannten sekundären Feinstaubbildung beiträgt, zumal diese immer von regionalen Bedingungen und Bindungspartnern in der Luft abhängig ist.

Und dennoch: Wie viele andere Wirtschaftsbereiche auch arbeiten auch die Bauern seit Jahren am Thema Luftreinhaltung und Emissionsminderung. Nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) ist die Landwirtschaft für rund 12% der direkten Feinstaubemissionen (PM2,5 und PM10), beispielsweise durch Bodenbearbeitung und Ernte, verantwortlich. Die Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft, aus denen sich indirekt Feinstaub bilden kann, konnten seit 1990 bereits um 11% reduziert werden. Nach Prognosen wird das auf europäischer Ebene für das Jahr 2020 für Deutschland vorgesehene Reduktionsziel für Ammoniak in Höhe von 5 % gegenüber 2005 mit den bereits verabschiedeten Regelungen des neuen Düngerechts erreicht.

Gerade auch die Bauern im Kreis Borken haben erkannt, dass sie in diesem Bereich Verbesserungen erreichen können. In vielen Betrieben hat man auch ohne gesetzlich hierzu verpflichtet zu sein, die Ammoniakverluste bei der  Ausbringung von Gülle durch die Nutzung neuer Ausbringungstechnik ( Schleppschlauch, Injektionsverfahren u.v.a. )minimiert. In den letzten zwei Jahren haben viele Betriebe zudem ihre Güllesilos abgedeckt, ebenfalls ohne, dass es hierzu schon eine gesetzliche Verpflichtung gibt.

Wir halten daher den Eindruck, den der Bericht der Monitor-Verantwortlichen vermittelt hat, für nicht seriös.“

Artikel im AgrarInfoPolitik vom 18.01.2019

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