Leitlinie für Mastrinder bereitet Sorge

05. Februar 2019

80 Bauern in Stadtlohn: „Politik, Behörden und LEH dürfen nicht überziehen!“

Kommt die niedersächsische Leitlinie Mastrinderhaltung auch in NRW? Zu dieser Frage sind am letzten Donnerstag rund 80 Bullenmäster aus den Kreisen Borken und Recklinghausen sowie Steinfurt und Coesfeld nach Stadtlohn gekommen. Der Vorsitzende im „Arbeitskreis Rindfleischerzeugung“ des WLV, Johannes Peter (Coesfeld), legt in der Gaststätte „Zum Breul“ zusammen mit Dr. Bernhard Schlindwein, dem Referenten für Vieh und Fleisch im WLV, dar, welche Neuerungen in NRW demnächst auf die Bullenhaltung zukommen könnten.

Neben tierbezogenen Parametern wie Kondition, Verhalten, Sauberkeit der Tiere, Klauenzustand, Schwanzspitzen, Liegeschwielen oder Gelenkveränderungen geht es vor allem um stallbezogene Parameter wie das Platzangebot je Tier, die Gestaltung der Liegeflächen, die Art der Wasserversorgung sowie um Übergangsfristen. Und die machen den Bullenhaltern Sorgen. Das Problem ist, dass es zu einer Regelung kommen könnte, bei der es um 2,5 m² Liegefläche mit weicher Auflage geht. Für viele Betriebe ist das in den heutigen Ställen ohne Bestandsabstockung oder teure Umbauten, wenn sie denn überhaupt genehmigt werden, gar nicht umsetzbar. Die Anwesenden sind sich einig: Die Alternative dazu, nicht nur die Hälfte der Stallfläche als Liegefläche mit einem Gummiboden auszugestalten, sondern die ganze Stallfläche, würde erhebliche Abstriche bei der Klauengesundheit bewirken, was dem Tierschutz abträglich wäre.

„Da wird man über einen Kompromiss reden müssen, der vor allem differenziert zwischen Neubauten und älteren Stallungen“, so Johannes Peter und ergänzt: „Gerade auch bei jüngeren Ställen, die noch nicht einmal abgeschrieben sind, wird es Übergangsfristen geben müssen.“ Als realistisch sahen die Anwesenden diesbezüglich mehrheitlich eine Übergangsfrist hinsichtlich Platzangebot von mind. 15 Jahre, bei den Liegeflächen eine Übergangsfrist von 20 Jahren.

Bei der intensiven offenen Diskussion an diesem Morgen wird klar: Bei allen Wünschen nach einem verbesserten Tierschutz betonen die Bullenmäster im WLV: Am Ende muss es sich auch für uns rechnen, sonst können wir das nicht mehr machen. Auch wenn es an der einen oder anderen Stelle zu Veränderungen der Haltung kommen wird: Der Landwirtschaftsbetrieb ist auch ein Wirtschaftsbetrieb, der neben der Sicherung des Existenzaufkommens der Familie auch Rücklagen bilden und Investitionen tätigen können muss. Hier dürfen Politik und Verwaltung nicht überziehen, sonst werden gerade die kleineren und mittleren Betriebe ihre Bullenhaltung aufgeben müssen, allen sonstigen Lippenbekenntnissen zum Trotz, gerade solche Betriebe erführen gesellschaftliche Akzeptanz.

Allen Anwesenden in Stadtlohn ist klar, dass es im Politikbetrieb notwendig ist, gesellschaftlichen Entwicklungen folgend die Rahmenbedingungen auch in der Tierhaltung weiter zu entwickeln. Genauso aber fordern sie ein, diese Politik müsse auch den LEH in diesen Prozess mitverpflichten, über eine entsprechende Angebots- und Preisstruktur die Verbraucher mitzunehmen. Unsere niederländischen Nachbarn haben das im Geflügelbereich hinbekommen! Nur so können die Mehrkosten bei den Bauern letztlich an denjenigen weitergegeben werden, der diese gesellschaftlichen Entwicklungen eingefordert hat und von ihnen auch profitiert. Johannes Peter dazu: „Wenn man wie bislang nur auf der Seite der Erzeuger Regeln verschärft und so letztlich über erzwungene Kostensteigerungen die Wettbewerbsfähigkeit und zuletzt die Existenz der Bullenmäster gefährdet, ist nichts gewonnen.“

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