Ernteergebnisse 2019 im Kreis Borken

11. September 2019

Kreislandwirt Emming : "Sind mit blauem Auge davon gekommen"

Maishäckseln 2019 im Kreis Borken mit dem Lohnunternehmen Nagel aus Raesfeld

2019 war das zweite Jahr mit großen Wasserdefiziten in Folge. Bereits im April herrschten hochsommerliche Temperaturen. Der Mai war kalt und im Juli erreichte das Thermometer Rekordtemperaturen. Vor allem die Sommerungen lebten von der Hand in den Mund. So fassen die Fachleute der Pflanzenbauberatung der Kreisstelle Borken der Landwirtschaftskammer NRW die Rahmenbedingungen zusammen, unter denen die Ernte in diesem Jahr über die Bühne geht. Diese Übersicht stellte Kreislandwirt Heinrich Emming heute auf dem Hof Schulze Beiering in Borken-Weseke im Rahmen des traditionellen WLV-Erntebilanz-Pressegesprächs der Öffentlichkeit vor. Sein Fazit: "Im Schnitt sind wir mit einem blauen Auge davongekommen. Wir sind bei Erträgen und Qualitäten zwar klar unter dem langjährigem Mittel, aber besser als im sehr schlechten letzten Jahr."

Hier ein Überblick über die Ergebnisse der einzelnen Kulturen:

Wintergerste

Es galt die alte Pflanzenbauerweisheit: Wie die Saat so die Ernte. Auf unseren milden, sandigen Böden konnte das Getreide in wunderbar gare Böden gesät werden und lief dort trotz Herbsttrockenheit gut auf. Die Gerste profitierte von den Winterniederschlägen am besten und der kühle Mai kam ihr während der Blüte und Kornfüllung gelegen. Sie überraschte daher mit guten Erträgen bis über 80 dt/ha und guten Qualitäten. Im Schnitt konnten die Gerstenerträge mit deutlich über 70 dt/ha gut an die Weizenerträge heranreichen. 

Roggen und Triticale

Roggen und Triticale sind mit durchschnittlich knapp über 70 dt/ha leicht unter dem Schnitt der letzten 5 Jahre gedroschen worden. Die Qualitäten waren durchschnittlich bis gut. Roggen ist seit mehreren Jahren die ertragsstärkste und ertragsstabilste Getreidekultur auf den leichten Standorten.  

Weizen

Der Weizen hat auf den weizenfähigen Böden, entgegen der Erwartungen, doch noch recht gut gedroschen und konnte dort Erträge zwischen 70 und 80 dt/ha abliefern. Die Qualitäten waren durchschnittlich bis gut. Auf einigen Flächen sollte jedoch, bei sich häufender Frühsommer- oder Frühjahrstrockenheit, der Anbau von Weizen überdacht werden und eher auf Roggen oder Triticale gesetzt werden. 

Grünland / Ackergras

Der erste Grasschnitt war recht gut und, je nach Schnitttermin war auch noch ein durchschnittlicher zweiter Schnitt einzufahren. Der weitere Zuwachs fiel danach aber deutlich reduziert und gebietsweise ganz aus. Durch die Trockenheit sind die Grasnarben stellenweise stark geschädigt. Vielerorts sind die Reparaturarbeiten in Form von Übersaaten, Durchsaaten und Pflegeumbrüchen aus dem letzten Jahr immer noch nicht abgeschlossen und schon sind neue Maßnahmen erforderlich. Mit einem weiteren ertragsstarken Schnitt ist daher häufig nicht mehr zu rechnen. Stellenweise ist wieder von 50 % Ertragsausfall auszugehen.

Mais

Die Silomaisernte ist angelaufen. Die frühen und mittelfrühen Sorten haben die Silomaisreife häufig erreicht. Trockenschäden sind in allen Gemeinden zu finden. Dabei sind kleinräumig große Unterschiede aufgrund der Niederschlagsverteilung (Gewitterschauer) vorhanden. Schätzungsweise sind kreisweit etwa 50 % aller Maisflächen stärker von der Trockenheit betroffen. Insbesondere spät gesäter Zweitfruchtmais nach Gras oder Grünroggen zeigt starke Wuchsdepressionen und/oder Befruchtungsstörungen bis hin zu Kolbenlosigkeit. Für die Erträge auf Standorten mit normalen Saatterminen ist diesjährig entscheidend, ob zur Blüte ausreichend Wasser zur Verfügung stand oder nicht. Im Vergleich zum Dürrejahr 2018 scheinen aber viele Bestände noch recht glimpflich davonzukommen zu sein. Der kalte Mai mit zwei stärkeren Frostperioden hat die Entwicklung des Maises ausgebremst, so dass die Trockenheit für viele Bestände zwar zur Reduzierung der Kolben geführt hat, aber eine totale Kolbenlosigkeit seltener auftritt. Vereinzelt konnten Regnereinsätze die Befruchtung sichern. Einige CCM- und Körnermaisbestände werden als Silomais an Rindvieh- und Biogasbetriebe gehen.  Auf besseren Böden werden hingegen doch noch zufriedenstellende Erträge erwartet. Die Einbußen bei Erntemenge und -qualität führen in diesem Herbst/Winter wieder zu einem erhöhten Importbedarf von energiereichem Futter in den Futterbaubetrieben. 

Zuckerrübe

Die Zuckerrübe hatte in diesem Jahr einen schwierigen Start. Während die Bestellbedingungen gut waren, flogen aufgrund der warmen Temperaturen im April zügig die Blattläuse ein. Durch die fehlende insektizide Beizung waren daher 2 - 3 Überfahrten mit Insektiziden nötig. Zum einen waren durch Starkbefall die Saugschäden so hoch, dass der Verlust von Pflanzen drohte, zum anderen musste die Übertragung von Viren verhindert werden. Während beregnete Rüben gute durchschnittliche Erträge erwarten lassen, ist auf nicht beregneten Flächen, je nach Bodengüte mit kleinen Rüben und Mindererträgen zwischen 10 – 30 % zu rechnen. Dabei sind die Zuckergehalte aktuell auf einem sehr hohen Niveau. Auf leichteren Böden musste in den letzten Wochen häufig der Blattapparat neu aufgebaut werden und somit sind die Ertragsaussichten dort um bis zu 30 % reduziert.

Kartoffel

In diesem Jahr hat erneut die Verfügbarkeit von Wasser die Ertragsbildung bestimmt. Anders als im vergangenen Jahr als die Ansätze von Beginn an eher mäßig bis schlecht waren, sind die Ansätze in diesem Jahr weitestgehend zufriedenstellend, sodass zumindest die Stückzahl je Knollennest oftmals gut ist. Auf unberegneten Standorten ist auch in diesem Jahr wieder der Wassermangel deutlich zu spüren. Ungleich verteilte Gewitterschauer waren in den Sommermonaten häufig der einzig gefallene Niederschlag und sorgte so in den Regionen zusätzlich für erhebliche kleinräumige Ertragsunterschiede. Die heiße Phase im Sommer 2019 war kürzer als die in 2018, hat aber trotzdem gereicht um sich ertragswirksam negativ auszuwirken. Dennoch muss man sagen, dass sich viele Bestände ertraglich besser präsentieren als im vergangenen Jahr, sodass auch von einer besseren Ernte als in 2018 auszugehen ist. Der derzeitige Bergungsstand der Ernte ist minimal höher einzuschätzen als im vergangenen Jahr zur gleichen Zeit. 

 

Stand: 03.09.2019

Angaben der Landwirtschaftskammer NRW, Kreisstelle Borken, beruhend auf Proberodungen, Schätzungen und Erträgen, welche den Fachberatern der Landwirtschaftskammer NRW im Rahmen der täglichen Beratungsarbeit bekannt wurden. 

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