Landwirte ziehen Bilanz

01. Oktober 2019

Lage auf den Betrieben ist in vielerlei Hinsicht angespannt

Pünktlich zur Feier des Erntedankfestes am kommenden Wochenende wurde der Eingangsbereich des Kreishauses I durch Vertreter der Landwirtschaft herbstlich geschmückt. Dabei sind Mais, Getreide, Obst und Gemüse nicht nur hübsch anzusehen, sondern stehen symbolisch auch für die eingefahrene Ernte und die Verbundenheit mit der Natur. Sie laden dazu ein, inne zu halten, sich bewusst zu werden, woher die Lebensmittel stammen, insgesamt auf das vergangene Jahr zurück zu schauen und dankzusagen.

Die Landwirte im Kreis Coesfeld schauen inzwischen auf zwei durch Hitze und Trockenheit geprägte Jahre zurück. Trotzdem fiel für viele Betriebe die Getreideernte gut bis sehr gut aus und auch die Maissilageernte war im Durchschnitt besser als im vergangenen Jahr, wenn auch insgesamt mit sehr unterschiedlichen Erträgen in Abhängigkeit von Niederschlagsmenge und -zeitpunkt sowie Bodengüte (weitere Informationen am Ende des Berichts).

Auf den Milchviehbetrieben herrscht nach zwei Jahren mit ausgeprägter Trockenheit und geringen Ernten bei Mais und Gras eine angespannte Situation bei der Grundfutterversorgung. Die wirtschaftliche Situation wurde zudem von rückläufigen Erzeugerpreisen negativ beeinflusst (vom Jahresende 2018 bis August sind diese um 10 % gesunken). Gleichzeitig stiegen die Produktionskosten auf den höchsten Stand seit Anfang 2015. Aktuell liegen die Auszahlungspreise für Milch bei etwa 32 Cent/kg und sind so, bei den hohen Futterkosten, nicht kostendeckend. Die Hoffnung liegt momentan sowohl auf den kommenden Verhandlungen mit dem Einzelhandel als auch dem Exportgeschäft.

Die Erzeugerpreise für Schweinemäster und Sauenhalter sind 2019 durch den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in China und weiten Teilen von Asien stark gestiegen. Die Preise für Ferkel liegen momentan etwa 20 Euro über dem Niveau des Vorjahres, wobei im Verlauf des Jahres mit einem höheren Preisdruck gerechnet wird. Die aktuellen Herausforderungen liegen zum einen in der Umsetzung der neuen Düngeverordnung, aber auch in den weiter ungelösten Fragen der Schweinehaltung wie beispielsweise der Kastration, des Kupierens von Ferkelschwänzen und der Kastenstände für Sauen.

Insgesamt ist die Unsicherheit auf den Betrieben groß. Die Schweinehalter fürchten eine weitere Ausbreitung der ASP, über den Rinderbetrieben schwebt die Gefahr eines BHV1-Einbruches wie ein Damoklesschwert, die landwirtschaftskritische Debatte in Teilen der Öffentlichkeit ist kräftezehrend und bei anstehenden Rahmensetzungen, wie beispielsweise beim Düngerecht oder auch beim Klima- oder Tierschutz, herrscht Unklarheit. Die Planungssicherheit für die Landwirte und deren aktuelle Entscheidungen fehlt. Entscheidungen, die oft nicht nur das Hier und Jetzt, sondern auch die kommenden Generationen und deren Zukunft betreffen.

Auch jeder einzelne Verbraucher trifft an der Ladentheke Entscheidungen. Zum einen für oder gegen ein bestimmtes Produkt sowie über dessen Herkunft, zum anderen aber auch über dessen Verpackung. Letzters veranschaulichen die LandFrauen sehr einprägsam durch zwei Lebensmittelkörbe mit gleichen Lebensmitteln, aber deutlichen Unterschieden in der Darstellung. Ist dieser „Verpackungswahn“ wirklich notwendig? Gerade im Hinblick auf nachhaltiges Handeln und sinnvolle Kreislaufwirtschaft besteht noch erhebliches Verbesserungspotenzial. Jeder Einzelne sollte mit seinem Verhalten zu weniger Verpackungsmüll beitragen. Mit dieser Botschaft und dem Leitthema: „Wissen pflanzen – Werte entfalten“ ruft der Westfälisch-Lippische LandFrauenverband zum nachhaltigen und bewussten Handeln auf: “Gib Plastik einen Korb!”

 

Witterungsverlauf und Ernteergebnisse

Das Erntejahr 2018/2019 war, wie auch schon das Jahr zuvor, geprägt von sehr starken regionalen Schwankungen bei den Ernteerträgen in Abhängigkeit von Bodenverhältnissen und der wiederum stark unterschiedlichen sektoralen Betroffenheit durch die Dürre- und Hitzeperiode des Sommers.

Die Hitzewelle des Sommers 2018 und fehlende Niederschläge im gesamten letzten Jahr führten zu sehr trockenen Böden im vergangenen Herbst und zu einem zunächst schlechten Feldaufgang des Wintergetreides auf schweren Böden. Durch den vergleichsweise milden Winter kam es jedoch kaum zu Auswinterungsschäden. Insgesamt sorgte das zunächst milde Frühjahr für einen frühen Vegetationsstart und es gab wenige Schäden durch Spätfröste. Einem eher kalten Mai folgten dann extreme Hitze im Juni und Juli bei fehlenden Niederschlägen. Dies führte zu einem früheren Erntebeginn und einem zügigen Ernteverlauf.

Insgesamt kann man mit den Getreideerträgen bei dem wiederholt geringen Wasserangebot und dem heißen Sommer durchaus zufrieden sein. Gerade die Wintergerste zeigte überraschend gute Erträge. Bedingt durch deren naturgemäße frühere Abreife, im Vergleich zu anderen Getreidearten, blieb die Gerste vom Hitzestress weitestgehend verschont und so lagen die Erträge etwa 10 % über dem langjährigen Schnitt. Der Winterweizen profitierte von einem milden Frühjahr, reifte früher ab und erbrachte eine ca. fünfprozentige Ertragssteigerung im Vergleich zu den letzten Jahren. Durch den kalten Mai war der Krankheitsdruck in den Roggenbeständen gering, außerdem zeigt sich Roggen durchaus geeignet für trockenere Standorte, so dass dessen Erträge 2019 insgesamt im guten Durchschnitt lagen. 

Die Bedingungen für den Mais waren in diesem Jahr schwierig und in hohem Maße von der Bodengüte und dem Zeitpunkt des Niederschlags abhängig. Zunächst war der Mai für Wachstum und Entwicklung zu kalt, woraufhin sehr heiße und sehr trockene Wochen folgten. Gerade für die Ausbildung von Korn und Kolben ist Wasser zur Maisblüte nötig. Bestände die zu diesem Zeitpunkt Regen bekommen haben, bildeten Kolben aus, fehlte der Niederschlag, kam es zu teils kolbenlosen Beständen. Die heterogenen Bodenverhältnisse und Niederschlagsmengen erklären einen wiederum heterogenen Ertrag beim Silomais, der zwischen 15 und 55 Tonnen je Hektar schwankte.

Die Grünland- und Ackergrasflächen sind zunächst gut aus dem Winter gekommen und hatten im März und April gute Wachstumsbedingungen. So konnten die Betriebe einen sowohl quantitativ als auch qualitativ sehr guten ersten Schnitt einfahren. Aufgrund der anschließenden Hitze und Trockenheit konnten die Mengen und Qualitäten für die Folgeschnitte nicht gehalten werden, lagen insgesamt aber über dem des letzten Jahres, wenn auch unter dem Schnitt der vergangenen Jahre.

Die Rapsernte im Kreis Coesfeld war, bedingt durch einen hohen Schädlingsbefall, durchwachsen und insgesamt durch unterdurchschnittliche Erträge (teils 10-20 % geringer) gekennzeichnet.

Die Preisbildung speziell bei Futtergetreide ist stark von regionalen Entwicklungen abhängig, wobei es weltweit sehr gute Ernteergebnisse gab und auch die Läger gut gefüllt sind. Im Jahr 2019 lagen die Erzeugerpreise im Schnitt um etwa 20 Prozent niedriger als im vergangenen Jahr und belasten damit die Ackerbauern, begünstigen jedoch die viehhaltenden Betriebe.

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