Aktion gegen das Verramschen von Lebensmitteln in Herford

24. März 2016

Im Rahmen der bundesweiten Aktion gegen das Verramschen von Lebensmitteln und die niedrigen Erzeugerpreise beteiligte sich am 23. März 2016 auch der Landwirtschaftliche Kreisverband Herford-Bielefeld mit 20 Personen unter Beteiligung der Landfrauen. Vor einem Lidl-Markt in Herford wurde mit Plakaten auf die niedrigen Preise, die die Bauern erhalten, hingewiesen. Weiterhin kritisiert wurde die steigende Preisspanne zum Lebensmitteleinzelhandel.

An Verbraucherinnen und Verbraucher wurden in Gesprächen über 200 Handzettel und Flugblätter verteilt.

 Die Pressemeldung des Kreisverbandes ist im Folgenden abgedruckt.

Bauern fordern bessere Erzeugerpreise

WLV (Re) Mit einer Aktion vor dem Lidl-Markt in Herford (Westring) am Mittwoch (23.3.2016) fordern Bauern bessere Erzeugerpreise. Vom Lebensmittelpreis an der Ladentheke erhalten die Bauern immer weniger. Während die Erzeugerpreise der Landwirte gesunken sind, haben sich die Preise für die Verbraucher wenig verändert. „Die Spannen verbleiben bei den Vermarktern und vor allem bei dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH)“, kritisiert der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld Hermann Dedert. „Durch die großen Spannen ist dem LEH möglich, immer wieder Tiefpreisaktionen bei Fleisch und Milch zu fahren.“ Gleichzeitig schreiben immer mehr landwirtschaftliche Betriebe rote Zahlen und geraten unter massiven wirtschaftlichen Druck. Nicht wenige fürchten um ihre Existenz.

25 Cent für 1 Liter Milch, 26 Cent von 200 Gramm Wurst, 1 Cent von einem Brötchen: Schleuderpreise für Lebensmittel gefährden eine nachhaltige Landwirtschaft und eine heimische Lebensmittelerzeugung zu hohen Standards mit Erzeugnissen „Made in Germany“ mittel- und langfristig. „Wir brauchen Preise, die allen Akteuren der Lebensmittelkette eine Perspektive und vor allem den Landwirten ein Überleben ermöglicht“, untermauert Dedert. Nur noch rund 10 Prozent gab der Verbraucher 2014 für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke aus. Der Anteil der Ausgaben für Lebensmittel an den gesamten Konsumausgaben ist im langjährigen Zeitvergleich deutlich zurückgegangen. Der Grund für diesen Langfristtrend liegt in den Einkommenssteigerungen und in dem unterdurchschnittlichen Anstieg der Nahrungsmittelpreise.

Die Situation der Bauernfamilien ist seit über einem Jahr äußerst angespannt. Die Erzeugerpreise für Milch und Fleisch sind drastisch gefallen und befinden sich auf einem historischen Tiefstand. „Mit Erzeugerpreisen von 0,25 Euro für ein Liter Milch und 1,30 Euro für ein Kilogramm Schweinefleisch können die Bauern nicht leben“, unterstreicht der Vorsitzende. Auch mit Blick auf das Jahr 2016 sei keinerlei Trendwende in Sicht. Die derzeitige wirtschaftliche Situation auf den Höfen ist besorgniserregend. Einkommens- und Liquiditätsprobleme haben dramatisch zugenommen. Viele Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand.

Der Lebensmitteleinzelhandel übt dagegen großen Preisdruck aus. Vier Unternehmen (EDEKA, REWE, ALDI und die Schwarz-Gruppe, also Lidl und Kaufland) teilen sich 85 Prozent des Marktes auf. Landwirte, die Urerzeuger der Lebensmittel, erhalten heute im Durchschnitt allerdings nur noch 22 Prozent von dem, was Verbraucher an der Ladenkasse ausgeben. Bei Brot & Co sind es sogar nur noch 5 Prozent. Dabei stiegen die Lebensmittelpreise im Laden in den Jahren 2014 und 2015 sogar leicht an, obwohl die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise stark zurückgegangen sind (2014: - 7,4 Prozent, 2015: - 6 Prozent). „Niedrigere Agrarpreise schlagen damit kaum auf die Lebensmittelpreise durch“, bemerkt Dedert.

Die heimischen Bauern wollen nachhaltig erzeugen, 77 % der Verbraucher geben an, großes Vertrauen in deutsche Lebensmittel zu haben. Aber ohne wirtschaftlichen Erfolg lässt sich das auf Dauer nicht machen. Bauern erzeugen nicht nur heimische Lebensmittel, sie erhalten die Kulturlandschaft, produzieren erneuerbare Energie und halten das Dorfleben zusammen. Deshalb fordert der Vorsitzende: „Lebensmittel sind mehr wert und haben ihren Preis!“

 

Auf dem Foto zu sehen sind (von links):

Wilhelm Brüggemeier, Vizepräsident, Karl-Heinz Uthoff, Ortsverbandsvorsitzender Bünde, Gert Hartke, Ortsverband Enger/Spenge, Hermann Dedert, Kreisverbandsvorsitzender, Hermann Bartelheimer, Ortsverband Kirchlengern, Dr. Herbert Quakernack, Geschäftsführer Kreisverband Herford-Bielefeld, Achim Dingerdissen, Ortsverband Enger/Spenge, Stephan Sauer, Geschäftsführer Kreisverband Herford-Bielefeld, Jürgen Hüffemann, Ortsverband Bünde.

 

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