Kreisverband Aktuell Nr. 08/2019

10. Oktober 2019


Landwirt schafft Leben – Diskussionsrunde im Kreisverband
Am 16. September diskutierten 40 Landwirtinnen und Landwirte auf der Deele vom Vorsit-zenden Hermann Dedert über die Strategie zur Öffentlichkeitsarbeit des WLV mit Blick auf unsere Gesellschaft. Die neugegründete Landwirt schafft Leben GmbH hat den Auftrag, die bäuerliche Imagewerbung umzusetzen. Hierzu wurden Strukturen geschaffen, die professionell die Landwirtschaft in „Szene“ setzen soll. Das ganze Konzept basiert auf einer Finanzierung durch die Landwirtschaft. Der Geschäftsführer von Landwirt schafft Leben und Pressesprecher des WLV, Hans Heinrich Berghorn, berichtete an dem Abend,dass leider bisher nur wenig Bereitschaft bestehe, diese Struktur auch tatsächlich zu finanzieren. Der Aufbau einer eigenständigen Imagewerbung sei allerdings als Einzelprojekt sehr wichtig und gleichzeitig auch Teil einer viel größeren Herausforderung, der sich der Berufsstand zu stellen habe. Hermann Dedert stellte heraus, dass sich die Parteienlandschaft geändert habe und die gesellschaftlichen Wünsche an die Landwirtschaft  eher zu- als abnehmen, ohne das klar sei, wie all dies finanziert werden kann. An die Mitglieder wurde nochmals appelliert, teilzunehmen und sich selbst mit Blick auf die Unterstützungsfähigkeit einzuordnen. Wichtig sei, dass eine breite Basis teilnehme und damit die finanzielle Basis für eine ausgiebige Imagearbeit geschaffen werden kann. Die seinerzeit sehr stark kritisierte CMA gäbe es nicht mehr, so Wilhelm Brüggemeier. Das Finanzierungsniveau läge mit diesem Modell deutlich niedriger. Informationen zur Landwirt schafft Leben GmbH sind auch im Internet unter www.landwirt-schafft-leben.de zu bekommen.

Übergabe der Erntekrone an Pit Clausen
Traditionell erhält der Oberbürgermeister der Stadt Bielefeld die Erntekrone gemeinsam durch den Kreislandfrauenverband Bielefeld und den Landwirtschaftlichen Kreisverband Herford-Bielefeld. Am 26. September war die symbolische Übergabe im Rathaus der Stadt Bielefeld. Erstmals eingeladen und anwesend waren Vertreterinnen des Ernährungsrats der Stadt Bielefeld. Anne-Kathrin Nolting-Obermann vom Kreislandfrauenverband äußerte, dass regional erzeugte Nahrungsmittel weiterhin eine Chance haben müssten. Mit Blick auf die Ernährung würden sich die Landfrauen intensiv für eine gesunde und ausgewogene Ernährung unter anderem in den Schulen einsetzen. Darüber hinaus würde der Plastikmüll in den Focus genommen.

Kreisverbandsvorsitzender Hermann Dedert ging auf das besondere Jahr 2019 ein. Zwei Jahre infolge seien Hitze und Dürre Herausforderungen für die Landwirtschaft gewesen. Das Thema Klima sei nicht mehr weg zu diskutieren. Auch die Landwirtschaft habe Verantwortung. Jedoch leiste die Landwirtschaft auch ein Beitrag zur CO2-Reduzierung durch den Anbau der Ackerfrüchte. Speziell mit Blick auf Bielefeld sei die starke Flächeninanspruchnahme zu erwähnen. Hier appellierte Hermann Dedert an den Oberbürgermeister, mit Augenmaß vorzugehen. Sonst sei die von der Gesellschaft gewünschte heimische Landwirtschaft nicht mehr aufrechtzuerhalten.

Oberbürgermeister Pit Clausen dankte für die Präsentation der vielfältigen Lebensmittel. Der Erntedank sei aktueller denn je. Landwirtschaft und Landfrauen würden einen enormen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Die moderne Aussage zum Erntedank laute, pfleglich mit der Umwelt umzugehen. Viele Probleme seien von Menschen gemacht. Deshalb sei es gut, dass sich die Landwirtschaft auch an dem Erhalt der Biodiversität beteilige. Das Problem der Flä-chenknappheit in Bielefeld sei ihm bewusst. Jedoch sei ein überwiegender Teil des Flächen-verbrauchs durch Straßen und Verkehr entstanden. Es müsse zur Kenntnis genommen wer-den, dass die Stadt wachse und dafür Flächen für die Menschen benötige.

Landwirtschaftliche Diskussionsrunde beim Kreis Herford und Übergabe der Erntekrone an Landrat Jürgen Müller

Nach dem im vergangenen Jahr erstmals die Erntekrone symbolisch durch den Kreislandfrauenverband Herford und den Landwirtschaftlichen Kreisverband Herford-Bielefeld an den Landrat des Kreises Herford Jürgen Müller übergeben wurde, folgte in diesem Jahr eine größere Veranstaltung im Kreishaus mit einer Podiumsdiskussion zum Thema Landwirtschaft und Natur-/Klimaschutz im Kreis Herford – Wie geht’s weiter?

Nach der Begrüßung durch den Landrat Jürgen Müller berichtete Hermann Dedert in seinen einleitenden Worten über die schwierige Situation der Landwirte. Die stetig wachsende Reglementierung und Bürokratisierung hat zu Mehrkosten geführt, die nicht mehr gedeckt werden können. Als Folge müssen weitere (insbesondere kleinere) Betriebe aufgeben, so dass die Anzahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe im Kreis Herford weiter sinkt. Auch der Flächenverbrauch durch Gewerbe- und Wohnsiedlungen übt Druck auf die Landwirte aus.

Zwei junge HöLa-Schüler, Malte Becker und Jonas Wortmann, schilderten dann ihre Erwartungen an die Zukunft. So wurde insbesondere herausgestellt, dass es verlässliche politische Regelungen mit Bestand geben müsse, um langfristige Investitionen in die Landwirtschaft zu ermöglichen; nicht nur zur Quantitäts-, sondern zuerst zur Qualitäts- und Tierwohlsteigerung.

Die Podiumsteilnehmer Wilhelm Brüggemeier (WLV), Dr. Ulrich Schumacher (Bioland), Tobias Schuhmacher (AG Getreideforschung), Ulrich Richter (Naturschutzbeirat) und Klaus-Herbert Rolf (365 farmnet GmbH) diskutierten dann kontrovers über „In Zukunft alles nur BIO?“. Es zeigte sich, dass es falsch ist, die konventionelle und die ökologische Landwirtschaft gegeneinander zu stellen. Die Landwirtschaft insgesamt steht vor großen Herausforderungen. Es gilt auch zu bedenken, dass der Verbraucher für aufwendigere Produktionsweisen tiefer in die Tasche greifen muss und dazu nicht wirklich bereit ist. Selbst umstellungswillige Landwirte z. B. bei BIO-Milch, müssen feststellen, dass der Markt einfach nicht da ist. Einig waren sich alle, dass das Insektensterben eine große Herausforderung nicht nur für die Landwirtschaft ist und zentral die zu schützenden Bienen als wichtigste Bestäuberinnen eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Landwirtschaft sind.

Im Anschluss wiesen die Landfrauen mit ihrer Vorsitzenden Heidrun Diekmann anschaulich mittels zweier Körbe mit Vergleichsprodukten, auf den Verpackungs- und Plastikwahn hin. Schließlich wurde die Erntekrone im Foyer des Kreishauses an den Landrat übergeben. Der Kreislandfrauenverband hatte wieder die Präsentation des Erntegutes übernommen. Bei einem Imbiss und einem Austausch der Besucher untereinander klang die Veranstaltung aus.

Erntedankgottesdienst mit Präses Dr. Annette Kurschus
Die traditionelle Erntedankveranstaltung des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes gemeinsam mit der Evangelischen Kirche von Westfalen fand in diesem Jahr vor 250 Gästen am 04. Oktober in der Friedenskirche in Herford-Elverdissen statt. Zu den Inhalten verweisen wir auf die angefügte Pressemeldung des WLV.

Kreisverbandsausschuss tagte
In der Sitzung des Kreisverbandsausschusses des Kreisverbandes Herford-Bielefeld am 08. Oktober 2019 berichtete die Sozialrechtsberaterin des Kreisverbandes Christina Titgemeyer über Erfahrungen aus der Rentenberatung der letzten 12 Monate. Im August des letzten

Jahres hatte das Bundesverfassungsgericht das Urteil zur Verfassungswidrigkeit der Hofabgabeklausel veröffentlicht. Demnach ist festzustellen, dass unter Umständen Fallstricke vorhanden sind, so dass Teile der Rente oder die ganze Rente gefährdet sind. Deshalb kann nur empfohlen werden, Frau Titgemeyer zwecks Beratung anzufragen.  Ein ausführlicher Bericht mit Beispielen befindet sich auf der Internetseite des Kreisverbandes. Mit E-Mail vom 22. August hatten Sie diesen Bericht auch erhalten.

Dr. Jörn Krämer, Umweltreferent des WLV, berichtete über die von der Bundesregierung vorgesehenen Änderungen zum Klimaschutzgesetz und zur Düngeverordnung. Darüber hinaus wurde intensiv über das Agrarpaket gesprochen. Beim Klimaschutz sei die Landwirtschaft als einer von vielen Sektoren betroffen. Die Treibhausgasminderung in der Landwirtschaft soll 2030 um 31% bis 34 % unter dem Wert von 1990 liegen. 2014 lag der Wert bereits 18 % unter dem Wert von 1990. Auch wenn das Bundeslandwirtschaftsministerium anstrebt, dass keine Einschränkungen in der Erzeugung und dem Wettbewerb kommen sollen, so werden die Maßnahmen Einschnitte bedeuten. Fragen bleiben offen, so die Anrechnung von Klimaschutzleistungen. Natürlich stellt sich auch die Frage, ob die Maßnahmen ausreichend sind. Die generelle Frage lautet auch, ob sich das Aufkommen von Treibhausgasen aus der Landwirtschaft über Preis oder Menge steuern lässt.

Zur Düngeverordnung führt Dr. Krämer aus, dass aktuell weitere Vorschläge von der Bundesregierung eingebracht worden seien. Jetzt käme es auf die Position des Bundesrates an. Ein wichtiger Punkt sei die Binnendifferenzierung bei den sogenannten roten Gebieten. Dieses sei Ländersache. Hierzu seien Projekte vorgesehen.

Das zum Agrarpaket gehörende Aktionsprogramm habe gravierende Einschnitte für die Landwirtschaft. In bestimmten Gebieten soll der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln erheblich eingeschränkt werden (z.B. Vogelschutzgebiete). Es soll einen Mindestanteil nicht-produktiver Flächen in der gemeinsamen Agrarpolitik ab 2020 geben. Der Ökolandbau soll weiter ausgebaut werden. Darüber hinaus gäbe es einen Gesetzentwurf zum staatlichen Tierwohlkennzeichen. Auch soll das Direktzahlungen-Durchführungsgesetz mit Stärkung der zweiten Säule geändert werden. In der Diskussion wurde insbesondere über die sehr einseitige Betrachtung des Problems CO2 kritisiert. Die Landwirtschaft würde auch erheblich zum Abbau von CO2 beitragen, insbesondere durch Humusbildung in den Böden. Die öffentliche Diskussion sei teilweise sehr schräg.

Vor dem Hintergrund der aufgezählten Maßnahmen plane der WLV gemeinsam mit dem RLV am 14. Oktober 2019 eine Veranstaltung vor dem Bundeslandwirtschaftsministerium in Bonn, so Wilhelm Brüggemeier und Hermann Dedert. Der RLV habe bereits die Kundgebung angemeldet. Der WLV sei Mitveranstalter. Insbesondere sollen die räumlich nahe liegenden Kreisverbände des WLV Personen zur Kundgebung entsenden. Auch der Kreisverband Herford-Bielefeld werde in Bonn am kommenden Montag vertreten sein.  



Termine/Veranstaltungen:

11. Oktober 2019
Sitzung geschäftsführender Vorstand Kreisverband Herford-Bielefeld

11. November 2019
Gespräch mit dem Herforder Bürgermeister Tim Kähler

15. November 2019
Sitzung der geschäftsführenden Vorstände Kreisverbände Herford-Bielefeld und Lippe

03. Dezember 2019
Gespräch mit den Veterinärämtern der Stadt Bielefeld und des Kreises            Herford

05. Dezember 2019
Gespräch mit den Landtagsabgeordneten der SPD aus Bielefeld und             Herford

11. Januar 2020
Winterfest des Kreisverbandes Herford-Bielefeld auf der Feierdeele
von Bernd Upmeier zu Belzen

 Pressemeldung des WLV ( Dateigröße: 117 KB)

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