Kreisverbandstag rückt Wolf in den Mittelpunkt

01. Dezember 2015

"Fehler aus Niedersachsen in Nordrhein-Westfalen nicht wiederholen"

George, Schlange, Vierhaus, Schubert, Bauerdick, Asbrand, Seeker, Schreiber, Drews-Kreilman (v. links).

Fakten zusammengetragen zur erwarteten Rückkehr des Wolfes in die Region hat der Landwirtschaftliche Kreisverband Hochsauerland bei seinem Kreisverbandstag im Holzentrum Olsberg. Im mit über 220 Gästen vollbesetzten Saal zog Moderator Armin Asbrand vom Landwirtschaftlichen Wochenblatt Westfalen nach zweistündiger Diskussion folgendes Fazit: „Die Rückkehr des Wolfes auch ins Hochsauerland ist nicht mehr aufzuhalten, wir müssen also lernen, mit den artgeschützten Wildtieren zu leben. Aber wir müssen ihn in seine Schranken weisen, von den Menschen fernhalten. Schutzzäune für landwirtschaftliche Weidetiere sind nicht zu realisieren, die Viehhalter richten ihr Augenmerk darauf, dass die Entschädigung für gerissene Tiere praktikabel und sicher geregelt wird. Die Landwirtschaft sollte sich unbedingt in alle Gremien einbringen, die die gesellschaftliche Vorbereitung auf die Wolfsrudel in Nordrhein-Westfalen ausarbeiten – dabei ist das konkrete Monitoring des Auftretens von Wölfen zentrale Aufgabe.“

 

Josef Schreiber: „Entschädigung regeln“

Zuvor hatte Kreisverbandsvorsitzender Josef Schreiber in seiner Begrüßung die Sorgen der Bauernfamilien formuliert: Eventuell nötige Schutzzäune für Weidetiere wie Rinder, Schafe und Pferde müssten von der Gemeinschaft mitfinanziert werden, eine geregelte Entschädigung für gerissene Tiere muss gesichert sein und notfalls müssten Notabschüsse genehmigt werden.

 

Wildbiologe: „Ein Rudel braucht die Fläche des Hochsauerlandkreises“

Den unter Artenschutz stehenden Wolf als Rudeltier stellte Wildbiologe Dr. Henning Vierhaus vor. Deutlich wurde in seinem Vortrag, dass man bei den bisher gesichteten Einzeltieren noch nicht von der Ansiedelung ganzer Rudel sprechen könne. Auf der Fläche des Hochsauerlandkreises habe langfristig nur genau ein Rudel mit sechs Tieren Platz. Rudel seien zudem ungefährlicher als streunende Einzeltiere, die auf der Suche nach einem Revier seien.

 

Pferdehalter: „Island-Fohlen komplett aufgefressen“

An der Diskussion beteiligten sich zudem Götz George, von Wölfen geschädigter Landwirt vom Gestüt Norderheide. Er berichtete von gerissenen und komplett aufgefressenen Fohlen in seiner Islandpferde-Herde.

 

Wolfs-Experte Schlange: „Fehler aus Niedersachen in NRW nicht wiederholen“

Claus Schlange, Jäger und Hegeringsleiter, stellte seine Petition vor, in der er den Niedersächsischen Landtag darauf hinweist, dass gravierende Fehler im Umgang mit Wolfsherden speziell in Munster (Lüneburger Heide) gemacht würden: die Tiere hätten ihre Scheu vor den Menschen verloren und würden auf Spielplätzen herumstreunen. Diese Fehler sollten in Nordrhein-Westfalen nicht auch gemacht werden.

 

Biostation: „Monitoring ist wichtig“

Werner Schubert, Geschäftsführer der Biologischen Station Hochsauerlandkreis als Wolfsbeauftragter erläuterte die Maßnahmen: Besonders die gesicherte Erfassung gesichtetes Tiere sei wichtig – man sei natürlich im Gespräch mit der Landwirtschaft.

 

WLV-Wolfsbeauftragter Seeker: „Runder Tisch ist nicht effektiv genug“

WLV-Kreisverbandsvorsitzender Hermann Seeker aus Minden-Lübbecke erläuterte die bisweilen zähen „runden Tische“ beim Umweltministerium des Landes Nordrhein-etsfalen, bei denen seiner Ansicht nach das Kernproblem, das kontrollierte Ansiedeln der Tiere in bestimmten dünn besiedelten Regionen NRWs nicht ernsthaft genug vorangetrieben würde.

 

Bauerdick: „Landwirtschaft muss sich einbringen“

Klaus Bauerdick, stellvertretender Kreisverbandsvorsitzender, resümierte zum Abschluss, dass jegliche Panik unangemessen sei, aber die Landwirte als zunächst Betroffene bei allen zukünftigen Planungen und Beobachtungen massiv mit einbezogen werden müssten.

 

(Siehe auch: Bildergalerie)

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