26. Februar 2018

Jahresmitgliederversammlung Lipp. Landw. Hauptverein

Zukunft der Agrarpolitik

Über ein volles Haus konnte sich der Kreisverbandsvorsitzende Dieter Hagedorn am Mittwoch (21.02.2018) freuen. Im mit 200 Teilnehmern vollbesetzten Saal der Gaststätte Marpetal in Blomberg-Großenmarpe führte der Lippische Landwirtschaftliche Hauptverein seine Jahresmitgliederversammlung (Kreisverbandstag) durch. In seinen einleitenden Worten konnte er sehr viele Ehrengäste begrüßen, so auch den Landrat des Kreises Lippe, Dr. Axel Lehmann und den neuen Präsidenten der Landwirtschaftskammer NRW, Karl Werring.


In seinen Ausführungen gab er einen Abriss über die Herausforderungen in der Landwirtschaft. Die Afrikanische Schweinepest sei eine große Bedrohung. Dauerstreitpunkt sei die Ausbringung von organischem Dünger in Wasserschutzgebieten der Zone 2. Weiterhin sei die Düngebedarfsberechnung ein kaum noch zu beherrschendes Rechenmonster. Das Kontrollnetz würde dagegen immer engmaschiger. Wichtig sei es, sich darauf zu besinnen, dass hier eine Gunstregion der Erde vorhanden sei mit der Verpflichtung, möglichst viele landwirtschaftliche Produkte zu erzeugen. Selbstverständlich würde die Landwirtschaft durch das aktuelle Thema Biodiversität berührt. Auch über das Thema Klimaschutz würde diskutiert, konkret mit dem Kreis Lippe

Nach den Grußworten der stellvertretenden Bürgermeisterin von Blomberg, Ulla Hahne-Eichhorn und dem Landrat des Kreises Lippe, Dr. Axel Lehmann, gab es mit dem  Jahresbericht einen kleinen Rückblick über das Jahr 2017 durch die beiden Geschäftsführer Stephan Sauer und Dr. Herbert Quakernack. Im Zuge dieser Präsentation wurde Benjamin Röttges für seinen zweiten Platz beim Fotowettbewerb der Höheren Landbauschule geehrt. Sein Plakatmotiv, die Herausstellung der Ähre in einem Getreidefeld, hatte die Jury mit Blick auf die Symbolkraft des Bildes überzeugt.



(von links: Geschäftsführer Stephan Sauer, Kreisverbandsvorsitzender Dieter Hagedorn und  Benjamin Röttges)

Gedankt wurde auch Beke Hameier und Sebastian Horn, die zur Zeit die Landwirtschaftsschule in Herford besuchen, für ihr Engagement zur Einrichtung einer Arbeitsgruppe Landwirtschaft bei der Grundschule in Lage-Hörste. Dort sollen im 2. Halbschuljahr 2017/18 Obst und Gemüse angebaut werden. Besichtigungen von Feldern und Höfen seien in der Nachbarschaft ebenfalls vorgesehen.

Im nachfolgenden Referat gab Elmar Brok, Mitglied des Europäischen Parlaments, einen umfassenden Überblick über gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhänge mit Bezug zur Landwirtschaft und der damit verbundenen gemeinsamen Agrarpolitik in der Europäischen Union. Kritisch sah er die Konzentration des Lebensmitteleinzelhandels. Dort seien mittlerweile Oligopole vorhanden. Ein fairer Wettbewerb sei nicht mehr gewährleistet. Für die Landwirtschaft seien auf Grund ihrer Leistungen die Direktzahlungen und Flächenprämien wichtig. Planungssicherheit sei erforderlich. Kritisch wertete er Agrarexporte in die Dritte Welt. Diese Länder müssten die Möglichkeit erhalten, selbst ihre Ernährung zu sichern. Er sprach sich gegen eine Renationalisierung der Europäischen Politik aus. Weniger Bürokratie sei zu begrüßen. Die kommenden Generationen sollten die Chance erhalten, leichter mit der Bürokratie fertig zu werden. Weiterhin sprach er sich für Kappungen und Degressionen bei landwirtschaftlichen Förderungen aus.

Dr. Heinrich Bottermann, neuer Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW, verwies auf eine gute Arbeitsebene der Agrarminister der Bundesländer zum EU-Agrarkommissar Phil Hogan. Eine Hauptaufgabe sei die finanzielle Ausstattung vor dem Hintergrund des Brexits. Das Geld sei erforderlich und notwendig für Klimaschutz, aber auch als Daseinsfürsorge, damit die Ernährung gesichert bliebe. Die erste Säule sei sehr wichtig. Der derzeitige Rahmen dürfe nicht unterschritten werden. Jedoch sei die Kopplung mit Umweltmaßnahmen richtig. Die Gesellschaft werde kritischer. Die Themen Klima und Umwelt müssten ernstgenommen werden. Umweltleistungen müssten aber auch weiterhin prämienfähig sein.

Mit Blick auf die Landespolitik hob er die Selbstverantwortung der Landwirtschaft hervor. Ein großes Thema sei die landwirtschaftliche Nutztierhaltung. Die Anforderungen der Gesellschaft würden steigen. Die Tierhaltung würde kritischer gesehen. Hier äußerte er den Vergleich in der Legehennenhaltung von vor 20 Jahren, als noch die konventionelle, alte Käfighaltung erlaubt gewesen sei, mit den heutigen Standards.  Selbstverständlich müsse es die Tierhaltung auch ermöglichen, Geld zu verdienen. Maß und Mitte seien die Parameter. Die Umweltpolitik sei für die Landwirtschaft sehr wichtig. Technische Möglichkeiten zur boden- und wasserschonenden Ausbringung seien zu entwickeln. Gülle müsse aufbereitet und somit umweltschonender transportiert und ausgebracht werden.

Auf die Gefahren der Afrikanischen Schweinepest ging er ein.

(von links: Elmar Brok, Jobst Lüdeking und Dr. Heinrich Bottermann)

In der anschließenden Diskussion, die von Jobst Lüdeking, Redakteur bei der Neuen Westfälischen, moderiert wurde, kamen Fragen zur neuen Bundesregierung auf, insbesondere wurde über den Ministerposten im Bundeslandwirtschaftsministerium debattiert. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Die Fragen beschäftigten sich auch mit der Definition des landwirtschaftlichen Familienbetriebes, die Anforderungen in der Sauenhaltung und dem tierschutzgerechten Töten von Schweinen im Betrieb.

In seinem Schlusswort zitierte Reinhard Petig, stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Lippe und Kreislandwirt, aus Texten, die die Heimtierhaltung (Hund und Katze) mit Blick auf Ressourcen der Erde unter die Lupe nahmen. In dieser leicht satirischen Betrachtung wurde deutlich, dass auch die Heimtiere Ressourcen verbrauchen in einem nicht unerheblichen Maß, was es zu bedenken gelte.
Er dankte den Aktiven, aber auch allen Teilnehmer dieser Veranstaltung für das Mitwirken  und schloss die Versammlung.

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