Agrarpaket reiner politischer Aktionismus

05. September 2019

„Damit sind wir Landwirte nicht mehr handlungsfähig“, sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Soest Josef Lehmenkühler zum Agrarpaket, das Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Landwirtschafts-ministerin Julia Klöckner (CDU) am Mittwoch vorgestellt haben. Das Paket sei reiner politscher Aktionismus.


Wir müssen in der Lage sein, weiterhin eine fach- und sachgerechte Landwirtschaft betreiben zu können und zudem müssen wir in Europa noch einen Hauch von Wettbewerbskraft besitzen“, sagt der Landwirt. Es ist eine politische Fehl-entscheidung der Bundesregierung, wenn zusätzliche massive Auflagen die heimische Landwirtschaft belasten, die für den gleichen europäischen Markt mit gleichen Preisen wie die Kollegen aus den Nachbarländern erzeugen muss.


Besonders das geplante Verbot von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten treffe die heimische Landwirtschaft mit dem Vogelschutzgebiet Hellwegbörde massiv. „Bei der Ausweisung des Gebietes gab es den Konsens aller Beteiligten, dass Pflanzenschutz auch weiterhin nach guter fachlicher Praxis ohne zusätzliche Auflagen möglich sein muss“, sagt Lehmenkühler. Die angekündigten Maßnahmen seien sogar im Vogelschutzgebiet bei aktuell steigenden Vogelzahlen kontra-produktiv. „Wir gehen sehr sparsam und sorgsam mit Pflanzenschutzmitteln um“, so Lehmenkühler, „müssen aber weiterhin die Möglichkeit haben, unsere Pflanzen gesund zu erhalten.“ Einem Arzt könnten auch nicht die Medikamente genommen werden. Schon jetzt gebe es beispiels¬weise beim Raps große Probleme. „Viele Flächen werden im kommenden Mai nicht mehr gelb blühen und den Bienen Nahrung bieten“, sagt er.

Es gebe viele Bestrebungen innerhalb der Landwirtschaft zum Insektenschutz und zum Tierwohl, die deutliche Erfolge brächten, so  beispielsweise die seit einigen Jahren existierende ‚Initiative Tierwohl‘. „Wir vermissen hier die Unterstützung der Politik“, sagt Lehmenkühler. Anstelle dessen, gebe es permanent neue Auflagen, die nicht auf fachlicher, sondern auf rein politischer Ebene entstünden. „Auflagen werden fast ausschließlich auf Kosten der Landwirtschaft gemacht, da die geringe Anzahl an Bauernfamilien, die es noch gibt, als Wählerklientel nicht mehr die Rolle spielt“, sagt Lehmenkühler.

 
„Die Politik muss sich entscheiden, ob sie in Deutschland noch Landwirtschaft haben will“, sagt der Bauernvorsitzende. „Wir müssen wissen, ob wir unsern Kindern bei aller Liebe zu den Tieren und zur Natur noch empfehlen können, Landwirtschaft zu lernen und unsere Höfe zu übernehmen.“

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