Gülle - ein wertvoller Naturdünger

06. April 2016

Sie ist wieder allerorts zu riechen: die Gülle. Dem einen stinkt sie gewaltig – dem anderen ist sie wertvoller Dünger, ohne den auf unseren Feldern wenig gedeihen würde. In diesen Tagen sind die Bauern wieder mit ihren Traktoren und Güllefässern auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen zu sehen. „Wirtschaftsdünger ist für das Wachstum der Getreidepflanzen unverzichtbar. Der Landwirt muss dabei genau Vorgaben einhalten, damit nicht zu wenig und nicht zu viel Nährstoffe ausgebracht werden. Das ist eine Wissenschaft für sich. Die Kontrollen sind streng“, weiß Hermann Serries, Wasserschutzberater bei der Landwirtschaftskammer.
Gülle besteht zu rund 90 Prozent aus Wasser mit darin gelösten Nährstoffen, organischen Substanzen und Mineralstoffen. Die wichtigsten Nährstoffe für ein gesundes Pflanzenwachstum sind Stickstoff, Phosphat und Kalium. Die organischen Bestandteile regulieren den Humusgehalt des Bodens. „Wenn ich meine Böden düngen möchte, darf ich bestimmte Grenzwerte nicht überschreiten“, erklärt Landwirt Burkhard Schulze Dernebockholt, der in Albersloh Schweinemast und Ackerbau betreibt. So müssen sich die Landwirte an die Düngeverordnung halten: Mehr als 170 Kg Stickstoff pro Hektar dürfen nicht überschritten werden. Außerdem darf der Boden nicht zu nass und nicht tiefer als 10 cm durchgefroren sein. Sperrfristen sind einzuhalten: Vor dem 1. Februar und nach dem 1. November darf gar nicht gedüngt werden.
Für die exakte Berechnung sorgt das Düngeplanungsprogramm, das die Landwirtschaftskammer jedes Jahr erstellt. Der Landwirt muss außerdem eine Nährstoffbilanz erstellen: Denn die Anzahl der Tiere, die die Gülle produzieren, muss mit der Ackerfläche übereinstimmen, auf die der Nährstoff ausgebracht wird. Sind die eigenen Flächen zu klein, muss der Landwirt nachweisen, wohin er seine überschüssige Gülle bringt.
Damit nicht nur die Pflanzen gut versorgt sind, sondern auch der Boden durch die großen Gülletransporter geschont werden, ist moderne Technik gefragt: „Früher haben wir Gülletanks mit 5.000 Litern Fassungsvermögen hergestellt. Heute bieten wir den Landwirten 30.000-Liter-Fässer an. Die müssen natürlich sehr leicht sein und sind aus Kunststoff“, so Bernd Stapel, der in Albersloh entsprechende Landmaschinen herstellt. Der Vorteil liegt im Detail: Wurde früher die Gülle schleudernd auf die Felder geworfen, laufen die Nährstoffe heute aus Schleppschläuchen direkt an der Bodenoberfläche an die Pflanze. Das vermindert den Geruch: Denn insbesondere Ammoniak, der als unangenehmer Geruch wahrgenommen wird, landet dank moderner Technik direkt am Boden und verbreitet sich somit deutlich weniger.
„Auch wenn die Bürger im Moment wieder die Nase rümpfen: Die Gülleausbringung ist ein wichtiger Teil eines Nährstoffkreislaufes. Mit dem Mist der Stalltiere düngen wir die Pflanzen, die wir den Tieren anschließend wieder zu fressen geben“, so Dr. Matthias Quas, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes.

Das Foto zeigt (v.li.): Dr. Matthias Quas (Geschäftsführer Landw. Kreisverband), Bernd Stapel (Geschäftsführer Stapel GmbH Albersloh), Landwirt Burkhard Schulze Dernebockholt und Hermann Serries (LWK-Wasserschutzberater). Foto: Monzlinger

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