Girls'Day: Schülerinnen packen auf Milchviehbetrieb kräftig mit an

28. April 2016

"Nur 15 Prozent der landwirtschaftlichen Azubis sind Mädchen"

Was macht ein Landwirt eigentlich den ganzen Tag? Die Antwort fanden Kristin Böhmer und Leonie Ahlers von der Verbundschule auf dem Milchviehbetrieb von Christoph Gerd-Holling in Everswinkel. Die beiden 13jährigen nutzten den Girls’Day, um dem Landwirt einen Tag über die Schulter zu schauen und natürlich selber kräftig mit anzupacken. Im Kreisgebiet öffneten etliche landwirtschaftliche Betriebe ihre Pforten für Schülerinnen der Klassen fünf bis neun.

13jährige übernimmt problemlos das Lenkrad

„Ich habe schon oft auf dem Milchviehbetrieb meines Onkels gearbeitet und möchte später Agrarwirtschaft studieren. Am Girls’Day nutze ich die Chance, einen anderen Betrieb kennenzulernen und zu sehen, ob mir die Arbeit wirklich liegt.“ Das tut sie offenbar: Als Betriebsleiter Christoph Gerd-Holling den Trecker mit Futter für die Kühe vor den Futtertisch fährt, übernimmt die 13Jährige problemlos das Lenkrad und rangiert das Fahrzeug passend für das Pressefoto in Position. Auch beim Einstreuen, Kälberfüttern oder später beim Melken machen die Mädchen ihre Arbeit gut. Der Betriebsleiter ist zufrieden. 

"Die wenigsten Mädchen übernehmen später einen Hof"

„Dass Mädchen einen Hof übernehmen, ist eher die Ausnahme“, weiß Christoph Gerd-Holling, der auf seinem Ausbildungsbetrieb mit 100 Kühen, 700 Schweinen und 100 ha Land regelmäßig Azubis betreut: Nur rund 15 Prozent der regionalen Auszubildenden sind Mädchen. Die meisten von ihnen zieht es nach der Ausbildung in den vor- oder nachgelagerten Bereich – obwohl ihre Noten oft besser sind als die der männlichen Kollegen. „Viele kommen gar nicht mehr vom Hof, sondern aus dem Dorf. Und wenn die Eltern einen Hof bewirtschaften, wird der auch heute noch oft von den Söhnen weitergeführt“, so der Landwirt. Die erschwerte Familienplanung für Betriebsleiterinnen mag da auch eine Rolle spielen. Leonie Ahlers ist eine Ausnahme: „Ich möchte später am liebsten selbst einen Betrieb führen“.
Dass der Beruf des Landwirts so vielfältig ist wie kaum ein anderer, merkt auch Freundin Kristin: Der Bauer ist Spezialist auf dem Acker, als Fachmann im Stall versorgt er seine Tiere und kümmert sich um ihre Gesundheit. Er ist technisch versiert, bedient große Maschinen, kümmert sich um Gebäude und Geräte. Und schließlich ist er Manager, der den ganzen Betrieb kalkuliert und organisiert. Ein Allrounder mit vielfältigstem Fachwissen. Für Leonie Ahlers genau das, was sie später auch machen möchte.

Foto:
Trecker fahren? Für Leonie Ahlers kein Problem. Auf dem Milchviehbetrieb Gerd-Holling in Everswinkel übernimmt die 13jährige beim Girls’Day gekonnt das Lenkrad und steuert den Trecker vor den Futtertisch. Freundin Kristin Böhmer fühlt sich auf dem Beisitz wohler.

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