WDR-Fernsehdirektor zu Gast: Bauern erwarten ausgewogenere Berichte

07. Februar 2019

Jörg Schönenborn diskutierte beim Kreisverbandstag mit den Landwirten im Kreis Warendorf

Nein, die Bauern sind nicht immer zufrieden, wie sie in den Medien – etwa in der WDR-Fernsehberichterstattung – dargestellt werden: Immer wieder an den Pranger gestellt als Umweltsünder oder Tierquäler. Von einem öffentlich-rechtlichen Sender erwarten die Landwirte etwas anderes. Und das machten sie deutlich beim Kreisverbandstag, zu dem sie WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn in die Stadthalle Ahlen eingeladen hatten.

Bauern möchten als Fachleute gehört werden

Der Journalist war dieser Einladung gefolgt und stellte sich den kritischen Fragen aus dem rund 400-köpfigen Publikum. Jörg Schönenborn zeigte dabei viel Verständnis für die Landwirte. Ihm sei bewusst, dass sich die Landwirte in ihrer Arbeitsweise und oft auch persönlich durch die Berichterstattung angegriffen fühlten. Beschönigen wollte er dabei nichts. Aber erklären: „Das journalistische Selbstverständnis fordert, die Welt so zu beschreiben, wie sie ist. Nicht, wie wir sie uns wünschen.“ Aber auch seine Berufskollegen seien – wie alle anderen Personengruppen auch - von ihrem sozialen Umfeld geprägt. Und weil Journalisten vielfach in Ballungsräumen lebten, hätten sie oft auch andere Perspektiven auf die Landwirtschaft. An dem hohen Berufsethos seiner Branche ließ Schönenborn keinen Zweifel. Ebenso wenig wie an dem der Landwirte: Ihnen attestierte er ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit. Das sei eine große Chance: „80 Prozent der Bevölkerung würden gerne mit einem Landwirt sprechen. 40 Prozent kennen aber keinen Landwirt persönlich. Das ist ihre Chance. Zeigen Sie sich, stellen Sie sich als Gesprächspartner zur Verfügung.“

WDR-Fernsehchef: "Sie sind authentisch. Zeigen Sie sich."

Im Kreis Warendorf machen die heimischen Landwirte das bereits seit Jahren: Sie sind Ansprechpartner für Medien, öffnen ihre Höfe für Besuchergruppen und zeigen ihren Arbeitsalltag bei unterschiedlichen Veranstaltungen. Dennoch empfinden sie die Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen WDR nicht immer als ausgewogen und wünschen, in der Zukunft häufiger als Fachleute gehört zu werden. Dafür gab der WDR-Chef seine Zusage. Darüber hinaus erwarten sie vom WDR, den Verbraucher nicht immer als „Heilige Kuh“ zu behandeln, sondern stärker zur Mitverantwortung zu ziehen – etwa bei der Zahlungsmoral an der Ladentheke.

Landjugend: "Brauchen Unterstützung der Medien für Akzeptanz unserer Arbeit in der Bevölkerung"

Für die Landjugend ergriff Mareike Henkelmann das Wort: „Landwirt ist der schönste Beruf der Welt. Die Landwirtschaft ist ein Teil der Gesellschaft und ein Teil der Wirtschaft. Aber wir brauchen die Unterstützung der Medien, damit unsere Arbeit breite Akzeptanz erfährt“, so die Vorsitzende des Rings der Landjugend. Auch die Landfrauenvorsitzende Margret Möllmann gab zu bedenken, dass sich jede 3. Landfrau in ihrer Arbeit nicht ausreichend wertgeschätzt fühlt. Der LVHS-Hauptkurs brauchte nur wenig Worte: Mit einem treffenden Bühenprogramm illustrierten die jungen Menschen ihren Unmut über unpassende Medienberichte und brachten sogleich Verbesserungsvorschläge mit. Ganz direkt wandten sie sich an WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn in der ersten Reihe: "Herr Schönenborn: Sind Sie dabei?" Dieser zögerte nicht lange: "Wir sind dabei!" 
Landrat Dr. Olaf Gericke richtete den Blick auf den hohen Bevölkerungsanteil im ländlichen Raum: „Im Kern lebt die überwiegende Mehrheit in guten Lebensverhältnissen. Das sollte auch so abgebildet werden.“ Seine Bitte an den WDR-Fernsehdirektor: „Bilden Sie in Ihrer Berichterstattung den Querschnitt unserer Bevölkerung und unserer Münsterlandkreis ab.“
Welche Anstrengungen die Landwirte im Kreis Warendorf unternehmen, um die derzeitigen Herausforderungen ihres Berufsstandes zu meistern, machte Kreisverbandsvorsitzender Hermann-Josef Schulze-Zumloh in seinem Jahresrückblick deutlich. Ob Umweltfragen, drohende Schweinepest oder Dürrfolgen: Die Bauern krämpeln die Ärmel hoch und sind aktiv. Einige Aufgaben sind allerdings noch nicht gelöst, etwa das Dauerthema Ferkelkastration.
Dass mit 110 Mio. Euro Fördersumme der Breitbandausbau im gesamten Kreisgebiet gesichert ist, ist ein gemeinschaftliches Verdienst, so Landrat Dr. Olaf Gericke. Die gfw-Geschäftsführerin Petra Michalczak-Hülsmann freut sich, dass der Wirtschaftsstandort damit eine wichtige Stabilisierung im Außenbereich erfahre.

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