Landwirtschaft, Jagd und Naturschutz im Schulterschluss gegen Artenverlust

19. Juni 2020

Projektstart "LEPUS NRW - Lebensräume erhalten, planen und schützen

Rebhuhn, Braunkehlchen, Feldlerche & Co. geht es seit Jahren an den Kragen. Europaweit. Um alarmierende 94 Prozent ist die Rebhuhn-Population eingebrochen, bei den Staren ist es die Hälfte. Anderen Offenlandarten geht es nicht viel besser. Noch nicht. Das soll sich jetzt ändern: Am Freitag ist im Kreis Warendorf auf dem Betrieb von Hubert Anxel in Beckum das landesweite Projekt „LEPUS NRW – Lebensräume erhalten, planen und schützen“ an den Start gegangen. „Wir gehen jetzt mit Landwirten, Grundbesitzern, Jägern und Naturschutz neue Wege, um dem Artenverlust entgegen zu wirken, die Lebensraumbedingungen für Meister Lampe & Co. zu optimieren und die Biodiversität in der Kulturlandschaft zu erhalten.  Das ist eine große Aufgabe, die vor uns liegt und wir beteiligen uns sehr gerne an diesem Projekt“, so Eckhard Uhlenberg, Präsident der NRW-Stiftung, die das Projekt exklusiv mit 703.000 EUR fördert.

"Der Zuspruch aus der Bevölkerung ist enorm!

Der Ort des Projektstartes war nicht zufällig gewählt: Ein unermüdliches Summen und Brummen in einem riesigen Blumenmeer empfing die Projektteilnehmer auf den Feldern von Hubert Anxel in Beckum: Der Landwirt hat bereits rund 40 Maßnahmen zum Artenschutz umgesetzt: „Ob Blühstreifen, die Anlage neuer Teiche oder die Pflanzung der Obstbäume: Der Zuspruch aus der Bevölkerung ist enorm und auch Landwirte und Jäger kommen oft hierher und lassen sich beraten“, so Anxel, der auf 14 ha Wildblumen für die Biogasanlage gesät hat.    

Umfangreicher Maßnahmenkatalog reicht von Waldrantaufwertung über Gewässergestaltung bis zur Anlage von Blühstreifen und Obstbaumpflanzung

Der Maßnahmenkatalog, den die Projektmitarbeiter interessierten Landwirten oder Revierinhabern anbieten können, ist umfangreich und reicht von der Aufwertung von Waldrändern und Heckenkomplexen über die Gestaltung und Pflege von Kleingewässern und Gräben bis hin zur Anlage von Blühflächen, quasi dem „gedeckten Tisch“ im Offenland. Wenn alles gut läuft, schließt sich der Nahrungskreislauf von Insekten, Bodenbrütern und Niederwild und alle finden genug Unterschlupf und gute Lebensbedingungen für wachsende Populationen. Die Ziele sind hoch gesteckt. „Aber wir schaffen das!“, ist Hubertus Beringmeier, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft, überzeugt.
Drei Jahre haben die LEPUS-Mitarbeiter nun Zeit, gemeinsam mit Landwirten, Revierpächtern und ehrenamtlichen Naturschützern den Lebensbedingungen unsere heimischen Tierarten eine neue Richtung zu geben, die Landschaft aufzuwerten und mehr Struktur- und Artenvielfalt zu schaffen. Und sie verlieren keine Minute:  Akribisch haben sie in den zurückliegenden Wochen das Verbreitungsgebiet des Rebhuhns in NRW unter die Lupe genommen und suchen nun nach geeigneten Flächen in Ostwestfalen, dem Münsterland und Gebieten zwischen Wesel und Bonn im Rheinland, wo interessierte Landwirte und Grundeigentümer Ihre Flächen im Verbund eines Jagdrevieres in das Projekt einbringen möchten. Als erstes wird dann mit Grundeigentümern und Landwirten gesprochen, die auf ihren Flächen Agrarumweltmaßnahmen oder Vertragsnaturschutz umsetzen wollen, mit Jägern und Revierpächtern, die über tatsächliche Bestandszahlen verfügen und praktische Hilfe bei der Umsetzung

Für jeden Betrieb die geeignetste Maßnahme

der Maßnahmen leisten können. Je nach Revier werden passende Maßnahmen umgesetzt. So können auf Ackerflächen Blühstreifen als Futterquelle angelegt, Getreideflächen bei der Ernte als Rückzugsgebiet stehen gelassen oder an Gewässern Uferrandstreifen als zusätzliche Nahrung und Deckung zur Brutzeit angelegt werden. Im Grünland bieten Weiden vielen Tier- und Insektenarten Rückzugsräume, Wegsäume sind Lebensadern in der freien Feldflur. Und auch mit Heckenpflege, Waldrandgestaltung oder Durchforstung lassen sich neue Lebensräume schaffen und vorhandene aufwerten. An und in Gewässern geben Gräben, Blänke und Uferrandstreifen ein enormes Potenzial zur Lebensraumverbesserung sämtlicher Tierarten.
„Das Interesse an dem Projekt LEPUS NRW ist groß und weitere Beteiligungen sind ab jetzt möglich. Wir erarbeiten für jedes Revier und jede Fläche die bestmögliche Maßnahme, von der Landwirte, Revierpächter und Tiere gleichermaßen profitieren werden“, so Projektleiter Hendrik Specht, der bereits seit einigen Jahren Projekte zu diesem Thema mit Landwirten und Jägern erfolgreich geleitet hat. Bei der Planung und Erarbeitung weiterer Maßnahmen stehen Behörden und Landwirtschaftskammer beratend zur Seite. Eine win-win-Situation für Mensch und Tier. Obwohl sich die Projektkulisse am Verbreitungsgebiet des Rebhuhns als dem größten Verlierer der letzten 30 Jahre orientiert, werden auch Feldhase, Kiebitz, Fasan, Grauammer, Goldammer und Wiesenschafstelze von den Maßnahmen profitieren.  
Getragen wird das Projekt von der Arbeitsgemeinschaft der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft sowie der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft – beides Stiftungen der heimischen Landwirtschaftsverbände in Westfalen-Lippe und dem Rheinland. Die Fördersumme stellt exklusiv die Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege (NRW-Stiftung) zur Verfügung. Projektpartner sind der Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Westfalen-Lippe e.V., der Rheinische Verband der Eigenjagdbesitzer und Jagdgenossenschaften e.V., der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen e.V.  sowie der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband e.V. und der Rheinische Landwirtschaftsverband e.V.
„Die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft widmet sich intensiv der Bewahrung und Entwicklung unserer Kulturlandschaft, die vielen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bietet. Ich freue mich, dass die langjährige und gute Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Jägern immer wieder in wegweisenden Projekten ihren Ausdruck findet. Unser neues Projekt zeigt einmal mehr, wie wichtig allen Beteiligten die Fürsorge und der Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenarten sind. Ich bin überzeugt, dass wir mit LEPUS NRW einen wichtigen Beitrag leisten, damit bald wieder mehr Rebhühner, Feldhasen & Co. bald bei uns heimisch sind“, so der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft, Hubertus Beringmeier.

Foto: Fanden im Wildblumenfeld von Landwirt Hubert Anxel (re.) einen würdigen Ort zum Projektstart „LEPUS NRW – Lebensräume erhalten, planen und schützen“ (v.li.): Hendrik Specht (Projektleiter Region Münsterland und OWL, Stiftung Westf. Kulturlandschaft), Eckhard Uhlenberg (Präsident der NRW-Stiftung) und Hubertus Beringmeier ( Vorstandsvors. Stiftung Westfälische Kulturlandschaft).

 

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