Regen unterbricht Getreideernte

31. Juli 2014

Bauern ersehnen Sonne / Endspurt erfordert Verständnis

Wer bis vor kurzem noch dachte, dass die Getreideernte nach dem milden Frühjahr 2014 früh abgeschlossen sein würde, hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Und der heißt in diesem Fall Petrus, ist von Beruf Wettergott und aktuell höchst wechselhaft gestimmt. Wenn in den nächsten Tagen die Sonne länger am Stück ihr Gesicht zeigt, ist daher mit erhöhtem Aufkommen von Erntemaschinen zu rechnen.

Immerhin: In den vergangenen Wochen haben die Bauern im Kreis Borken ihre Wintergerstenbestände abernten und in ihre Scheunen und Silos einfahren können. Mit recht gutem Erfolg, wie der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, Ludger Schulze Beiering (Weseke), zu berichten weiß: „Wir können hier mittlere bis gute Erträge verzeichnen.“ Die weiteren Getreidekulturen sowie die Rapsbestände sind nun ebenfalls vielerorts druschreif. Die Ernte könnte folglich in vollem Gange sein. Allerdings führen die stark wechselnden Wetterlagen aktuell zu wiederholten Ernteunterbrechungen.

Wie die Kreisstelle der Landwirtschaftskammer Borken in ihrer Erntemeldung berichtet, haben die Landwirte ihre mit Triticale (Kreuzung aus Roggen und Weizen) gesäten Ackerflächen zu 60 Prozent abgeerntet. Desweiteren steht der Roggen noch zu zwei Dritteln auf dem Halm. Beim Winterweizen sind gerade mal zehn Prozent eingefahren. Gerade der letztgenannten Kultur haben die zurückliegenden Starkregenereignisse der letzten Tage an einigen Orten stark zu schaffen gemacht. Bei einer Rundfahrt durch den Kreis Borken kann man vielerorts platt geregnete und verstürmte Weizenfelder finden. Nicht von ungefähr: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) verzeichnete am vergangenen Montag für seine Wetterstation in Ahaus eine Regenmenge von 20 Litern pro Quadratmeter – innerhalb eines Zeitraums von 24 Stunden. „Die vom Starkregen betroffenen Berufskollegen, vor allem rund um Vreden, haben Ernteverluste zu verzeichnen“, weiß Schulze Beiering.

Der wiederkehrende Regen führt dazu, dass die Restfeuchte der reifen Körner aktuell noch zu hoch ist, um sie langfristig einlagern zu können. Optimal sind 16 Prozent oder darunter. Ansonsten müssen die Korntrocknungsmaschinen angeschmissen werden, was Zeit und vor allem Geld kostet. Zudem seien einige Flächen nässebedingt schlicht noch nicht befahrbar, erzählt Schulze Beiering und ergänzt: „Insbesondere bei der Triticale droht jetzt das Problem, dass sie bei zu viel Feuchtigkeit anfängt zu keimen. Das würde zu erheblichen Qualitätseinbußen und auch Mengenverlusten führen.“ Aktuell seien die meisten Berufskollegen aber noch optimistisch, vor allem wenn die erhoffte Schön-Wetter-Periode sich kommende Woche einstellt.

Schon im Vorfeld bittet der Vorsitzende daher um besonderes Verständnis: „Es wird für uns langsam Zeit, also wird es jetzt bei passender Witterung Schlag auf Schlag gehen.“ Autofahrer könnten sich schnell gestört fühlen, wenn ein Mähdrescher oder Schlepper mit Strohwagen ihre Weiterfahrt verlangsamt. „Wir möchten unser reifes Getreide sicher und ohne Unfälle einfahren“, betont der vierfache Familienvater und bittet daher seine Berufskollegen wie alle anderen Verkehrsteilnehmer um gegenseitige Rücksichtnahme.

Ein Saisonfazit möchte Schulze Beiering noch nicht ziehen. Man dürfe aber zuversichtlich sein: „Die laufende Ernte beim Sommer- und Wintergetreide fällt durch die wechselnde Witterung unterschiedlich, aber insgesamt gut durchschnittlich aus. Von der guten Wasserversorgung profitiert haben bis jetzt Mais, Zuckerrüben und Zwischenfrüchte.“ Diese werden im Herbst eingefahren.

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Lagergetreide

Die Sturm- und Starkregenwetterlagen der vergangenen Tage haben auf vielen Getreidefeldern im Kreis, hier im Bild mit Weizen, zu umgeknickten und platt gedrückten Pflanzen (sogenanntes Lagergetreide) geführt. Die betroffenen Landwirte müssen mit Ertrags- und Qualitätseinbußen rechnen. Foto: Stephan Wolfert, WLV

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