Blick über den Hofzaun

25. September 2014

Heinrich Große Liesner erster Ökoprofit-Landwirt im Kreis

Vor einem Jahr hat er einen Pfad betreten, den vor ihm noch kein Berufskollege im Kreis Borken betreten hat. Jetzt ist er am Ziel und wünscht sich, dass einige ihm nachfolgen: Heinrich Große Liesner bekommt als erster Landwirt das Zertifikat „Ökoprofit-Betrieb im Kreis Borken“ verliehen. Damit befindet sich der Stadtlohner Familienbetrieb bei der morgigen Verleihung der Umwelt-Zertifikate in guter Gesellschaft mit weltweit tätigen Unternehmen aus Maschinenbau oder Software-Entwicklung.

Ulrike Lücke-Bauer von der WLV-Service GmbH hat Große Liesner während des gesamten Prozesses begleitet: „Vielen Bauern erscheint das Konzept womöglich erst mal befremdlich“, hat die studierte Energiemanagerin beobachtet, „Schließlich hat man es dabei ja zu großen Teilen mit Leuten ohne Stallgeruch zu tun.“ Aber gerade das habe er als Bereicherung empfunden, fügt Große Liesner hinzu. Im Austausch und auf Augenhöhe haben die Teilnehmer der Zertifizierungsrunde seit September 2013 nach Lösungen gesucht, um den eigenen Betrieb sowohl ökologisch wie ökonomisch voranzubringen. In acht gemeinsamen Workshops mit allen Teilnehmern, bei individuellen Vor-Ort-Terminen mit der WLV-Service GmbH – sowie im Vorfeld von Ökoprofit bereits mit der Landwirtschaftskammer NRW – wurde der Hof Große Liesner auf Sparpotenziale hin analysiert, wurden Maßnahmen vorbereitet und umgesetzt.

Der Blick von Ökoprofit insgesamt richtet sich auf die betrieblichen Stoffströme, etwa auf Verbräuche von Abfall und Wasser, aber auch auf Emissionen. Das Hauptaugenmerk in der Landwirtschaft liegt aber vor allem auf dem Aspekt Energie: „Ich bin in vielen Ecken meiner Scheunen und Ställe herumgekrochen, habe meine Stromverbraucher erfasst und in ein Profil eingeordnet.“

Im Zuge eines für die Zertifizierung aufzustellenden Umweltprogramms haben Große Liesner und Lücke-Bauer am Ende sechs Maßnahmen aufgelistet, die der Betrieb noch in diesem Jahr umsetzen will oder sogar schon umgesetzt hat. Darunter sind der Bau eines Zentralsilos als Getreidelager, die energetische Optimierung der Lüfter im Stall oder der Einbau einer neuen Steuerung für die Futtermischung. Dabei ging es nicht darum, auf Gedeih und Verderb auf möglichst hohe Energieeinsparzahlen zu kommen. „Auch Betriebs- und Arbeitswirtschaft müssen passen“, sagt Lücke-Bauer und berichtet: „Wir haben auch die Möglichkeit einer Hackschnitzelheizung analysiert. Ergebnis: Sie lohnt sich hier nicht.“ Tatsächlich heraus gekommen sind unter dem Strich eine jährliche Einsparung von 14.000 Kilowattstunden, also rund 3.000 Euro. Allein diese Zahl überzeugt Große Liesner aber nicht: „Ich kenne jetzt Methoden, meinen Energieverbrauch auch künftig zu analysieren.“

Der landwirtschaftliche Betrieb Große Liesner liegt in der Stadtlohner Bauerschaft Almsick. Mit 1700 Schweinemastplätzen, 82 Hektar Acker unter dem Pflug und 73 Hektar Forst ist der seit dem achten Jahrhundert von der Familie bewirtschaftete Hof gewiss kein kleiner. Große Liesner hat sich aber vor Jahren bewusst gegen ein verstärktes Wachstum in der Quantität entschieden. Der Diplom-Agraringenieur setzt auf ein Wachstum an Qualität und in diesem Zuge auf Vereinbarkeit von Betrieb, Familie und Ehrenamt. Große Liesner stellt für seinen Berufsstand selbstkritisch fest: „Wir Landwirte schmoren viel zu häufig im eigenen Saft.“ Er hat den Blick über den Hofzaun gewagt und gewonnen.

Zum Thema: Ökoprofit
Das Konzept für Ökoprofit wurde vor 20 Jahren in Graz (Schweiz) entwickelt und wenige Jahre später auch in Deutschland umgesetzt. Seit 2010 durchlaufen im Kreis Borken Unternehmen unterschiedlichster Branchen regelmäßig den ein Jahr dauernden Zertifizierungsprozess. Ökoprofit ist hier ein Kooperationsprojekt, in dem der Kreis Borken und seine Wirtschaftsförderungsgesellschaft, die Kreishandwerkerschaft, die IHK Nord-Westfalen und die Effizienzagentur NRW mit Unternehmen eng zusammenarbeiten: Gemeinsam für das Zielmotto „Geld sparen – Umwelt entlasten“.

Presse-Kontakt

Blick über den Zaun

Heinrich Große Liesner hat in den letzten Monaten den Zertifizierungsprozess zum Ökoprofit-Betrieb durchlaufen und dabei manch sprichwörtlichen Blick über den Zaun seines Hofes in Stadtlohn-Almsick geworfen. Eng begleitet wurde er dabei durch Energiemanagement-Beraterin Ulrike Lücke-Bauer von der WLV-Service GmbH. Foto: Stephan Wolfert, WLV

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