Besuch vom Schwarzen Meer

08. September 2014

Ukrainische Praktikanten zu Gast auf fünf Höfen im Kreis Borken

Ein Praktikum auf einem typischen deutschen Bauernhof kann jungen ukrainischen Studenten der Landwirtschaft Türen in die Berufswelt öffnen. 23 junge Ukrainer wagten diesen Schritt: Rund dreieinhalb Monate sammelten die Frauen und Männer im Alter zwischen 19 und 23 Jahren Erfahrungen auf ihren landwirtschaftlichen Gastbetrieben, fünf davon im Kreis Borken.

Die Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbandes organisiert seit vielen Jahren Austauschprogramme speziell für junge Agrarfachkräfte aus der Republik Belarus, der Russischen Föderation und der Ukraine. Mit dem Programm soll der Aufbau und die Umstrukturierung der Landwirtschaft in Osteuropa vorangebracht werden. Außerdem wird auf diese Weise die Zusammenarbeit der Länder positiv gestärkt – gerade inmitten der Krise zwischen Ukraine und Russland ein deutliches Zeichen.

Für die jungen Studenten aus der Ukraine startete das Abenteuer bereits Anfang Juni. Für ein gutes Vierteljahr halten sie sich in einem fremden Land auf und dürfen ihr Gelerntes auf einem echten deutschen Bauernhof unter Beweis stellen. Nach einem Vorbereitungskurs fand Ende Juni dann die Verteilung aller Praktikanten auf 23 Bauernhöfe in ganz Nordrhein-Westfalen statt. Die Studienrichtungen der Studenten reichen von Veterinärmedizin und Tierproduktion über Agrarökonomie und Maschinentechniker. Entsprechend der Studienausrichtung erfolgte entsprechend die Zuweisung zu den Betrieben. Dabei begleiten die jungen Besucher den Landwirt bei der täglichen Arbeit im Stall, auf dem Hof und mit den Maschinen. Da die Ukrainer während des Praktikums auch in den Gastfamilien wohnen,  bekommen sie neben Einblicken in das Familienleben auch kulturelle Eindrücke und können ihre in der Schule gelernten Deutschkenntnisse weiter vertiefen.

„Ich darf hier bei allen anfallenden Arbeiten mitmachen – Tiere füttern, Trecker fahren, auf dem Hof mitarbeiten. Das ist eine ganz besondere Erfahrung, insbesondere die moderne

Technik beeindruckt mich sehr. Nach diesem Praktikum in Deutschland werde ich meine Pläne für die Zukunft noch einmal überdenken", sagte Daria Litvinchuk, Studentin an der Fakultät für Tierproduktion, Agraruniversität Lugansk. Sie war Praktikantin auf dem Milchviehbetrieb von Hubert und Christian Hüls in Dorsten-Lembeck. Die teilnehmenden Betriebe decken die gesamte Bandbreite der Landwirtschaft ab: Schweine- und Rinderhaltende Betriebe sind ebenso unter ihnen wie solche mit Ackerbau und Obst- und Gemüseanbau.

Neben der Arbeit auf dem Hof, im Feld und im Stall müssen alle Praktikanten auch Berichtshefte führen. Dieses können sich die Studenten in ihrer Heimat anerkennen lassen und so ihre Berufschancen erheblich verbessern. Auch für die Bauern ist der Austausch eine einzigartige Erfahrung. „Wir machen bei dem Programm schon im vierten Jahr mit. Es ist interessant, eine ganz fremde Kultur kennenzulernen. Die Zeit mit den Praktikanten ist auch für uns eine ganz Besondere“, erzählt Hofbesitzer Christian Hüls aus Dorsten-Lembeck, der sich auf Milchwirtschaft spezialisiert hat. Auch die Landwirte Georg Schulte-Althoff und Ludger Winkelkotte hatten für dreieinhalb Monate Praktikanten auf dem Hof und teilen die positiven und unvergesslichen Erfahrungen im Rahmen des Austausches.

Darüber hinaus fanden während des Praktikums zwei Wochenendseminare statt, bei denen die jungen Gäste landwirtschaftliche Betriebe sowie Betriebe des vor- und nachgelagerten Bereichs besuchten. Anfang Juli besichtigten die Ukrainer den Landmaschinenhersteller Claas in Harsewinkel und das Schlachtunternehmen Westfleisch in Hamm. Anfang September machten sich die Praktikanten zunächst auf den Weg zur Landgard Obst- und Gemüse GmbH & Co. KG im niederrheinischen Straelen-Herongen, um dort mehr über Obst- und Gemüsehandel zu erfahren. Die Besichtigung der Kornbrennerei Johannes Böckenhoff in Raesfeld-Erle stand ebenfalls auf dem Programm. Zum Abschluss des dreieinhalbmonatigen Praktikums trafen sich schließlich am vergangenen Freitag alle Praktikanten mit ihren Gastfamilien im Vennekenhof, um die gemeinsame Zeit, Erfahrungen und Eindrücke Revue passieren zu lassen.

 

Zum Praktikantenprogramm

Das Fortbildungsprogramm für junge Agrarfachkräfte aus der Ukraine, der Russischen Föderation und der Republik Belarus wird alljährlich von der Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbandes e.V. organisiert. Ziel ist es, einen Beitrag zur Umstrukturierung der Landwirtschaft in Osteuropa zu leisten und die agrarwirtschaftliche Zusammenarbeit zu fördern. Die Finanzierung erfolgt durch das Bundeslandwirtschaftsministerium. Während die Praktikanten für rund 3,5 Monate auf den Betrieben sind, um die praktische Arbeit, aber auch die deutsche Kultur und Sprache zu erleben, stellen die Gastfamilien ihnen freie Kost und Unterkunft sowie ein monatliches Taschengeld von 250 Euro zur Verfügung. Eine intensive Integration ins Familienleben sowie ein umfangreicher Einblick in die deutsche Landwirtschaft werden von den Gastfamilien ebenfalls erwartet. Aufgrund der positiven Erfahrungen sowohl auf Seiten der Gastfamilien als auch auf Seiten der Praktikanten erfährt das Programm eine sehr gute Resonanz und soll daher auch in Zukunft weiter angeboten werden.

 

Ausbildung in der Landwirtschaft

Das breite Aufgabenspektrum der Landwirtschaft hält für Absolventen aller Schulformen interessante Berufs- und  Weiterbildungsmöglichkeiten bereit. Neben einem vielfältigen Tätigkeitsbereich und der Arbeit mit Tieren und in der Natur bieten sich viele Möglichkeiten der Entfaltung für den Nachwuchs. Ob Landwirtschaftsmeister oder staatlich geprüfter Agrarbetriebswirt – in der Landwirtschaft gibt es für jeden einen Platz. Dabei ist ein landwirtschaftlicher Betrieb keine Voraussetzung zur Ausübung des Berufes, viele landwirtschaftliche Betriebe suchen gut ausgebildete Mitarbeiter zur Unterstützung auf ihren Höfen. Westfalen-Lippe bietet für junge Auszubildende in der Landwirtschaft einen deutlichen Vorteil: Zahlreiche Berufskollegs und Fachschulen sind in unmittelbarer Nähe.

Der Berufsstand ist im Gespräch mit dem Nachwuchs erprobt. Ein Großteil der landwirtschaftlichen Betriebe in Münster sind geprüfte Ausbildungsbetriebe. Gerne nehmen sich die Landwirtinnen und Landwirte aber auch Zeit, um ganze Schulklassen auf ihren Höfen zu empfangen und auf diese Weise Landwirtschaft hautnah erlebbar zu machen. Im Rahmen des Projektes „Lernort Bauernhof“ öffneten sich die Hoftore allein im vergangenen Jahr in Westfalen-Lippe für mehrere Tausend Schüler.

Presse-Kontakt

Praktikanten besuchen Claas

Anfang Juli besichtigten die Ukrainer den Landmaschinenhersteller Claas in Harsewinkel. Foto: Michael Claushallmann.

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