Zunehmende Regelungswut erzürnt Bauern

12. Dezember 2014

Kreisverbandstag: Landwirte beklagen bauernkritischen Mainstream

Ludger Schulze Beiering beim Kreisverbandstag in seinem Bericht zur Lage der Landwirtschaft im Kreis Borken

Die Bauern im Kreis Borken fühlen sich einer zunehmenden Regelungsflut ausgesetzt. Beim Kreisverbandstag des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) am Freitag in Stadtlohn finden Vertreter des Berufsstandes hierzu deutliche Worte. Kreisverbandsvorsitzender Ludger Schulze Beiering stellt vor den 350 Besuchern in der Stadthalle fest, dass Anstrengungen der Landwirte konterkariert werden durch immer neue Auflagen.

Im Fokus der Kritik: NRW-Landwirtschaftsminister Johannes Remmel. Als Beispiel nennt WLV-Präsident Johannes Röring in seinem Grußwort Remmels Auslegung des Ende November veröffentlichten Nährstoffberichtes. Laut Landwirtschaftskammer NRW werden demnach im Kreis Borken trotz intensiver Tierhaltung die gesetzlichen Stickstoff-Grenzwerte eingehalten und die Überschüsse in Ackerbauregionen exportiert: „Der Bericht hat gezeigt, dass unsere Landwirte mit dem Nährstoffanfall im Kreis Borken verantwortungsvoll umgehen. Wenn man uns dann in dieser Situation so vorführt, finde ich das nicht in Ordnung.“ Die Politik will die zu Grunde liegende Düngeverordnung reformieren. Europaabgeordneter Dr. Markus Pieper, der das Hauptreferat hält (siehe weitere Meldung), berichtet, wie Remmels Agrarpolitik auf EU-Ebene wahrgenommen wird: „NRW ist Spitzenreiter im Draufsatteln.“

Im Raum steht aktuell unter anderem eine drastische Reduzierung der Ausbringungsmengen von Wirtschaftsdüngern (vor allem Gülle) , wodurch die Pflanze am Ende nicht mehr genug Nährstoffe bekommt, um wachsen zu können, wie Schulze Beiering anmerkt: „Wir können bei der Düngung sicher noch besser werden, etwa durch den stärkeren Einsatz neuer Ausbringungsverfahren. Hierbei brauchen wir auch die Hilfe der Wissenschaft. Dennoch: Nitrat ist und bleibt der Baustein des Lebens.“ In seinem Grußwort erkennt auch Landrat Dr. Kai Zwicker die diesbezüglichen Anstrengungen der Landwirtschaft zum Schutz des Trinkwassers an: „Sie tun in Ihren Kooperation mit der Wasserwirtschaft bereits sehr viel für eine Verbesserung. Viele Ergebnisse zeigen sich aber erst mit einer zeitlichen Verzögerung.“ Zwicker bezeichnet auch das Konzept der in Nordvelen geplanten Gülleveredlungsanlage der „Naturdünger Münsterland GmbH“ als „vorbildlich“. Dass man in der Sache zu guten Ergebnissen in Kooperation mit den Landwirten kommen kann, bestätigen in ihren Grußworten sowohl Stadtlohns Bürgermeister Helmut Könning (Beispiel: Förderung des Hochwasserschutzkonzeptes für die Berkel über die Regionale 2016) als auch Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke (Beispiel: viele Einwendungen von Landwirten in den verabschiedeten Regionalplan eingeflossen).

Klenke nennt auch die jetzt startenden Ausgleichsmaßnahmen für den Ausbau der B67n einen guten Konsens. Hierin widerspricht ihm allerdings Schulze Beiering entschieden: „Das Ausmaß des Flächenverbrauchs ist immer noch haarsträubend. Wir müssen da zu anderen Lösungen kommen.“ Gerade beim Punkt „Verlust ihrer Ackerflächen“ gehen die Landwirtschaftsvertreter auch mit den Folgen der Energiewende hart ins Gericht. Für die Errichtung von Windkraft- und Freiflächen-Photovoltaikanlagen oder die damit zusammenhängende Errichtung von Stromleitungen wird nach wie vor landwirtschaftliche Fläche in Anspruch genommen, so WLV-Kreisgeschäftsführer Jörg Sümpelmann in seinem Tätigkeitsbericht: „Trotz aller Lippenbekenntnisse: All diese Maßnahmen, vor allem beim Erdkabel, werden nach wie vor als Eingriff in Natur und Umwelt bewertet und sollen in landwirtschaftlicher Fläche ausgeglichen werden – das ist falsch und unerträglich.“

Probleme beim Ausgleich anderer Art sehen mehrere Redner auch zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft. Zwicker stellt fest, dass die Bevölkerung die Nutztierhaltung immer kritischer sieht, wofür er auch die zunehmende Distanz verantwortlich macht: „Transparenz und Öffentlichkeitsarbeit werden für Sie immer wichtiger. Erklären Sie Ihre Arbeit und bleiben Sie dabei ruhig!“ Der Landwirtschaftliche Kreisverband will auch vor diesem Hintergrund seine Dialogoffensive fortführen, wobei Schulze Beiering Gegenseitigkeit einfordert: „Wir müssen zuhören, aber man muss auch uns zuhören.“

Im Eindruck all dieser und weiteren Erschwernissen sorgen die jüngsten Redner des Tages für die hellsten Zukunftsaussichten: Die landwirtschaftlichen Fachschüler Kai Heesen (Hamminkeln), Markus Jäger (Wuppertal), Patrick Vornholt (Südlohn) und Julius Wülfing (Stadtlohn) geben mit erfrischenden Vorträgen Antworten auf die gemeinsame Frage nach den weiterhin existierenden Visionen als ausgebildeter Landwirt: Von der hofeigenen Molkerei (Betrieb Heesen), über das Auslandsjahr (Vornholt und Wülfing), bis hin zur Umsetzung neuer überregionaler Nährstoffkonzepte (Jäger) reichen die Pläne des Nachwuchses. Hierfür ernten die Junglandwirte großen Applaus und ein Versprechen ihres Präsidenten Johannes Röring: „Wir werden weiter für eure Zukunft kämpfen, für unseren tollen Beruf!“

Einen weiteren Bericht zum Hauptreferat von Dr. Markus Pieper sowie Bilder vom Kreisverbandstag finden Sie hier.

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