Greening-Auflagen verhindern Blühstreifen

10. April 2015

Landwirtschaftlicher Kreisverband sieht Initiative vor dem Aus

Über 500 Landwirte im ganzen Kreis Borken hatten in den vergangenen beiden Jahren Blühstreifen auf Maisäckern entlang von Straßen und Wegen eingesät. Nun steht die Initiative des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes vor dem Aus. Hintergrund sind neue Auflagen im Zuge der EU-Agrarreform, die eigentlich dafür sorgen sollen, dass Landwirte mehr Umweltleistungen auf ihren Ackerflächen erbringen.

In den vergangen beiden Jahren hatten sich über 500 Landwirte im ganzen Kreis Borken an einer Initiative beteiligt, die für eine Auflockerung und Aufwertung des Landschaftsbildes und vor allem für einen verbesserten Artenschutz im Kreis Borken sorgen sollte. Einfaches Grundprinzip: Landwirte legen am Rande von Maisackerflächen entlang öffentlicher Wege freiwillig Blühstreifen an – ohne weitere Vorgaben, aber auch ohne hierfür Fördermittel zu erhalten – anders als bei Agrarumweltmaßnahmen oder bei der Förderung über Hegeringe. Ein Ansatz, der funktioniert hat, wie sich auf lokaler Ebene etwa in Vreden gezeigt hat. Im Zuge eines Pressegesprächs bestätigt dies unter anderem der Stellvertretende Vorsitzende des örtlichen Imkervereins, Wilhelm Berends: „In den beiden letzten Jahren haben sich die Ergebnisse beim Honig verbessert. Sprich: Die Bienen haben mehr Nahrung gefunden.“ 2013 und 2014 hatten allein die Landwirtschaftlichen Ortsverbände in Vreden jeweils Blühstreifen auf einer Gesamtlänge von 50 Kilometern eingesät – mit Unterstützung der örtlichen Landhändler und Genossenschaften, die teilnehmenden Landwirten das Saatgut kostenlos zur Verfügung gestellt hatten sowie von Lohnunternehmern, die häufig die Einsaat der in der Regel drei Meter breiten Streifen übernommen haben. Imkervorstand Hubert Frenker nennt das Ende der Blühstreifen-Initiative eine Katastrophe: „Bis man das wieder angeleiert hat, was die Bürokratie jetzt kaputt schlägt, dauert es Jahre.“

Was ist passiert? Im Umweltinteresse genutzte Flächen (sogenannte „Ökologische Vorrangflächen“, siehe „Zum Thema“) müssen Landwirte seit diesem Jahr mit Art und Lage in ihrem Prämienantrag angeben. Für ökologisch genutzte Streifen entlang von Waldrändern gilt, dass deren Größe quadratmetergenau anzugeben ist. In der Praxis kaum machbar, wie der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Ellewick-Crosewick-Zwillbrock beschreibt: „Wenn man drei Vermesser auf einen Acker schickt, kommen Sie aufgrund der ungleichmäßigen Struktur der Flurstücke mit drei unterschiedlichen Ergebnissen zurück.“ Das EU-Kontrollwesen verlangt aus Gerechtigkeitsgründen allerdings Präzision, wie der stellvertretende Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, Markus Weiß (Borken) berichtet: „Kleinste Abweichungen nach oben oder unten können bei Kontrollen zu Sanktionen führen.“ Teil der Ausführungsbestimmungen zu den Streifen ist zudem eine Einsaat bis 31. März: „Auch dies ist in der ackerbaulichen Praxis unpraktikabel.“ Aufgrund der Witterungsverhältnisse in diesem Frühjahr ließe sich dieser Termin ausnahmsweise zwar auf Antrag bei der Landwirtschaftskammer und einer zusätzlichen Stellungnahme Richtung Untere Landschaftsbehörde bis zum 15. Mai hinausschieben. „Aber das ist den meisten Landwirten zu aufwändig für eine Aktion, für die sie keinen Cent bekommen“, prognostiziert der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Lünten Rudolf Willing. „Ein Unding“ nennt Weiß auch den Umstand, dass im Antragswesen viele Detailregelungen zur Anbauplanung 2014/15 bis vor Kurzem noch nicht fixiert waren. Und die subventionierten Blühstreifen-Programme? „Zu kompliziert“ winken die Landwirte-Vertreter einhellig ab.

In Summe erkennt Weiß so hohe Hürden, dass der Kreisverband seine Initiative bedroht sieht. So ganz will er die Hoffnung aber noch nicht aufgeben: „Wir fordern Politik und Verwaltung auf allen Ebenen nun auf, im Sinne des Umwelt- und Naturschutzes noch für dieses oder spätestens wieder für nächstes Jahr Regelungen zu treffen, die freiwillige ökologische Maßnahmen auf unbürokratische Weise ermöglichen.“

 

Zum Thema „Greening“ und ökologische Vorrangflächen

„Greening“ heißt das neue Zauberwort in der Reform-Agenda der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP). Die Reform haben die EU-Gremien 2013 mit Wirkung für die kommenden sieben Jahre verabschiedet. Die nationale Ausgestaltung dieser Eckpunkte greift in diesem Jahr erstmals auch für die Landwirte im Kreis Borken durch und zwar in Form geänderter Bestimmungen. Die Greening-Komponente bei den Direktzahlungen soll im Sinne seiner Erfinder zu mehr ökologischen Maßnahmen für den Ausbau- und Erhalt der Biodiversität führen. Landwirte, die Direktzahlungen beantragen, müssen stärker und genauer als in der Vergangenheit Umweltleistungen nachweisen, hierzu gehören unter anderem die Fruchtartenvielfalt der Ackerflächen, der Erhalt von Dauergrünland und eine Bewirtschaftung von mindestens fünf Prozent der Flächen mit besonderem Umweltnutzen (sogenannte „Ökologische Vorrangflächen“). Im Kreis Borken werden dies rund 3.800 Hektar sein. An die Erfüllung dieser Auflagen sind pauschal 30 Prozent der EU-Betriebsprämie gebunden.

Presse-Kontakt

Bauern bleiben auf Blühmischungen sitzen

Gefüllte Paletten mit Blühsaatmischungen, die nun aller Voraussicht nach ungenutzt zurückgehen: Vor diesem Dilemma stehen (v.l.) Sebastian Epping, Matthias Temminghoff, Rudolf Willing und (knieend in der Mitte) Thomas Siehoff von den Landwirtschaftlichen Ortsverbänden in Vreden und Markus Weiß vom Landwirtschaftlichen Kreisverband Borken (r.). Unglücklich über diesen Umstand sind auch Wilhelm Berends (4.v.r.) und Hubert Frenker (2.v.r.) von den örtlichen Imkern. Foto: Stephan Wolfert, WLV

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