Gemeinsam mehr Tierwohl schaffen!

16. Juni 2015

Bauern laden McDonald‘s und K+K zur Brancheninitiative ein

Gemeinsam verantwortlich handeln - unter diesem Motto setzt sich erstmalig in Deutschland ein branchenübergreifendes Bündnis aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel gemeinsam für mehr Tierwohl in der Fleischerzeugung ein. Die Beteiligung der heimischen Bauern ist so überwältigend, dass die bisher zugesagten Mittel nicht ausreichen, allen registrierten Bauern den Mehraufwand für die Tierwohl-Maßnahmen auszugleichen. Nur jeder zweite der teilnahmewilligen 4.700 Landwirten in Deutschland ist berücksichtigt worden. Viele der Bauern, die wegen der beschränkten Mittel derzeit nicht dabei sind, hatten zuvor mit zum Teil großem Aufwand Umbaumaßnahmen durchgeführt, um für die Teilnahme bereit zu sein.

Mit einer Plakatkampagne laden jetzt die Bauern noch abseits stehende Lebensmittelhändler und Systemgastronomen zur Teilnahme an der Initiative Tierwohl ein. Jedes Unternehmen, das mitmacht, zahlt für jedes verkaufte Kilogramm Fleischware 4 Cents in den Tierwohlfonds ein. Aus diesem Fonds erhält jeder teilnehmende Landwirt sein Tierwohl-Entgelt für Maßnahmen, die über das gesetzliche Maß hinausgehen. Finanziert wird der Tierwohl-Beitrag letztlich vom Verbraucher, der beim teilnehmenden Lebensmitteleinzelhandel Fleisch und Fleischwaren kauft.

Die Landwirte formulieren Ihre Einladung mithilfe großformatiger Banner, die im Kreis Borken zunächst in Borken und Gronau, später auch an anderen Standorten im Kreis im Umfeld einiger Filialen von Mc Donald’s und Klaas + Kock (K+K) zu finden sein werden. Zu sehen sind jeweils Bilder von Schweinehaltern aus dem Münsterland, die stellvertretend für andere die beiden Lebensmittelhändler einladen, bei der Initiative mitzumachen.

Zum gestrigen Start der Aktion erklärt der Stellvertretende Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, Markus Weiß (Borken): „Unser Ziel ist es, die Beteiligung an der Initiative Tierwohl so groß wie möglich zu machen. Unternehmen wie McDonalds oder K+K laden wir ein, sich der Initiative anzuschließen“. Hierzu fand gestern ein Pressetermin auf dem Sauenhaltungsbetrieb Terstriep in Alstätte statt. Der Hof gehört zu den rund 100 von über 200 angemeldeten Schweinehaltern im Kreis Borken, die die übergesetzlichen Tierwohl-Maßnahmen bereits umgesetzt haben. Terstriep ist überzeugt „Unseren Tieren geht es auch unter Einhaltung der hohen gesetzlichen Standards schon gut. Der Verbraucher wünscht sich aber mehr und dem wollen wir nachkommen, auch um die Akzeptanz für unser Tun zu sichern.“

In den Buchten des Ferkelaufzuchtstalls hängen unter anderem zusätzliche Scheuerwände aus geriffeltem Alublech, an denen sich die Tiere nach Herzenslust den Rücken massieren können. In speziellen Vorrichtungen hängen Holzlatten, an denen die jungen Borstenviecher ausdauernd herumkauen. Mit diesen und anderen Maßnahmen ist Terstriep mit 60.000 Euro in Vorleistung gegangen: „Wir haben sozusagen aus einem Vier-Sterne- ein Fünf-Sterne-Hotel gemacht.“ Beim bundesweiten Losverfahren zur Teilnahme an der Initiative Tierwohl hat er aber nur für ein Drittel seiner Tiere Berücksichtigung gefunden. Für die anderen Teilbetriebe bleibt er vorerst auf seinen Investitionen sitzen.

Um diesen und weiteren Betrieben und damit Tieren übergesetzliche und, wie Kreislandwirt Heinrich Emming (Südlohn) an gleicher Stelle betont, „international einzigartige“ Tierwohl-Standards möglich zu machen, sprechen die Bauern auf ihren Bannern nicht teilnehmende Unternehmen direkt an: „Hallo K+K, gibt's außer 100 Gramm extra Aufschnitt auch Tierwohl dazu ... und warum macht ihr noch nicht mit?“ Auf dem zweiten Kampagnenbanner steht: „Hi McDonalds, gibt es euren Bacon auch mit extra Tierwohl ... und warum macht ihr noch nicht mit?“ So lauten die freundlich, aber bestimmt formulierten Losungen auf den Bannern. Dies solle als Einladung zum Dialog mit den Verbrauchern wie den Unternehmen verstanden werden, so Markus Weiß: „Wir möchten das Bewusstsein schärfen, dass mehr Tierwohl nur gemeinsam zu erreichen ist und jeder seinen Anteil daran haben kann. Wir Bauern sind bereit, unseren Teil zu leisten.“

 Übersicht der Plakatmotive zur Kampagne ( Dateigröße: 749 KB)

Presse-Kontakt

Tierwohl im Ferkelaufzuchtstall

Im Ferkelaufzuchtstall in seiner Betriebsstätte in Alstätte hat Heinz Terstriep (2.v.l) mehrere Maßnahmen für mehr Tierwohl umgesetzt, ist beim Losverfahren für die Aufnahme in die Initiative Tierwohl aber leer ausgegangen. Heinrich Emming (l.) und Markus Weiß vom Landwirtschaftlichen Kreiverband fordern nun weitere Unternehmen des Lebensmittelhandels auf, sich an der Initiative zu beteiligen. Foto: Stephan Wolfert, WLV

Start Plakatkampagne

Gestern gaben die beiden Stellvertretenden Vorsitzenden des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, Heinrich Emming (2.v.r.) und Markus Weiß (r.) auf dem Betrieb von Heinz Terstriep in Alstätte den Startschuss zur Plakatkampagne des Kreisverbandes zur Initiative Tierwohl. Banner mit einer freundlichen Einladung zur Teilnahme an der Initiative, die sich unter anderem an K+K richtet, hängen unter anderem in Gronau. Foto: Stephan Wolfert, WLV

Daten werden geladen …