Positionspapier zur Artenvielfalt unterzeichnet

13. April 2016

Vertreter aus Landwirtschaft, Naturschutz und Kommunen vereinbaren Maßnahmen zur Förderung und zum Erhalt der Biodiversität

 Vertreter aus Landwirtschaft, Naturschutz und Kommunen vereinbaren Maßnahmen zur Förderung und zum Erhalt der Biodiversität

Zum „Runden Tisch Artenvielfalt“ haben sich lokale Akteure im vergangenen August und Dezember im Borkener Kreishaus getroffen. Zentrales Ergebnis dieser Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Landwirtschaft, Naturschutz und den zuständigen Behörden ist das Positionspapier „Region in der Balance – Biodiversität“. In dieser Vereinbarung sind Maßnahmen zum Erhalt und zur Förderung der Artenvielfalt aufgeführt, die künftig von den verschiedenen Akteuren des Runden Tisches umgesetzt werden sollen. Bei der Vorstellung des Papiers im Kreishaus haben nun alle Beteiligten die Vereinbarung unterzeichnet.

Landrat Dr. Kai Zwicker betonte dabei, dass es darum gehe, Handlungsvorschläge zu machen, mit denen die Vielfalt der Arten erhalten werden kann. „Wir haben alle ein Interesse daran, dass unsere Landschaft erhalten bleibt – das ist unser gemeinsames Ziel“, sagte Dr. Zwicker. Sicher sei es bei so vielen und verschiedenen Beteiligten immer auch ein Kompromiss. Letztlich jedoch „ziehen wir alle an einem Strang“, so der Landrat. Er freute sich, dass mit dem Positionspapier nun geeignete Maßnahmen benannt sind, um das Artensterben in unserer Region nicht nur zu stoppen, sondern möglichst eine Trendwende einzuleiten. Ausdrücklich dankte er allen Akteuren für ihr Engagement und die weitere Begleitung.

Als Vertreter des ehrenamtlichen Naturschutzes stellte Rudolf Souilljéé vom NABU-Kreisverband Borken heraus, dass mit diesem „Basispapier“ nun weitergearbeitet werden könne. „Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung“, sagte Souilljéé, der ankündigte, auch weiterhin „konstruktiv mitzuarbeiten“. Alle Akteure hätten die Möglichkeit, sich einzubringen. Für die Landwirtschaft im Kreis betonte Ludger Schulze Beiering, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, dass das Thema Biodiversität durchaus präsent sei: „Die Landwirte nehmen den Artenrückgang wahr, haben die Aufgabe erkannt und wollen aktiv werden.“ Er sagte, dass die Landwirtschaft oft pauschal als das Problem gesehen werde – wehrte sich aber ausdrücklich gegen solche Verallgemeinerungen: Es gebe bereits viele ökologisch ausgerichtete Initiativen im Kreisverband.

Positionspapier enthält konkrete Maßnahmen

In dem nun vereinbarten Positionspapier sind konkret folgende Maßnahmen benannt:

  • Die Parklandschaft des Westmünsterland soll erhalten werden: Wallhecken, Baumreihen, Feldhecken, kleine Fließgewässer und Tümpel sollen gepflegt und – wo notwendig – neu angelegt werden.
  • Durch die Neuanlage und Pflege von möglichst mehrjährigen Blühstreifen und Säumen in der Feldflur sollen Rückzugsräume für verschiedenste Tierarten geschaffen werden.• Maßnahmen zur Rettung von Wildtieren bei der Mahd sollen den „Mähtod“ verhindern.
  • Ein faires Gleichgewicht zwischen Beutetieren und Beutegreifern soll durch ein geeignetes Prädatorenmanagement wieder hergestellt werden.
  • Mit Nisthilfen sollen die heimischen Vögel, Fledermäuse und Insekten unterstützt werden.
  • Durch eine extensive Grünlandnutzung, insbesondere in den Naturschutzgebieten, sollen Lebensraum und Nahrung für bedrohte Wiesenvögel, Wildtiere und Insekten geschaffen werden. • Der Anbau von Zwischenfrüchten wie Senf oder Ölrettich soll zur Vermeidung des sogenannten Ernteschocks beitragen und die Deckungsmöglichkeiten für Tiere in den Wintermonaten verbessern.
  • Wegeseitenränder und Gewässerrandstreifen, die im Laufe der Jahre zurückgedrängt worden sind, sollen wieder hergestellt und dauerhaft gesichert werden.
  • Es sollen Maßnahmen zur Reduzierung von Wildunfällen, etwa durch Warnreflekoren, Hinweisschilder, Grünbrücken oder Amphibientunnel eingerichtet und unterhalten werden.

Unterzeichnet haben das Positionspapier neben Landrat Dr. Kai Zwicker, Ludger Schulze Beiering und Rudolf Souilljéé auch Andreas Grotendorst (stellv. Sprecher der Bürgermeister im Kreis Borken), Kreislandwirt Heinrich Emming, Dr. Dietmar Ikemeyer (Biologische Station Zwillbrock), Josef Levering (Förderverein Kulturlandschaft Vreden), Roland Schulte (Biotopfonds der Kreisjägerschaft), Franz-Josef Löchteken (Kreisimkerverein), Heinrich Lefert (Kreisjägerschaft), Martin Hillenbrand (Naturfördergesellschaft Kreis Borken), Hubert Grothues (Stiftung Kulturlandschaft Kreis Borken) und Franz-Josef Lappe (Kreisfischereiberater).

Auch soll der Runde Tisch durch regelmäßige Gesprächsforen, initiiert durch den Kreis Borken und die Stiftung Kulturlandschaft Kreis Borken, fortgeführt werden. Das erste Forum soll am 24. Mai in Ramsdorf stattfinden.

Hintergrund: Erhalt und Förderung der Biodiversität

Zum Hintergrund: Der Erhalt und die Förderung der Biodiversität ist eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte. In Nordrhein-Westfalen weisen die Kulturlandschaften aufgrund der vielfältigen natürlichen Gegebenheiten und ihrer Nutzung eine hohe Arten- und Lebensraumvielfalt auf. Trotz verschiedener Angebote im Bereich der Agrarumweltförderung und des Vertragsnaturschutzes in den vergangenen Jahren hat die Biodiversität abgenommen. Die nordrhein-westfälische Landesregierung, die Landwirtschaftsverbände Westfalen-Lippe und Rheinland sowie die Landwirtschaftskammer NRW wollen gemeinsam die Biodiversität auf landwirtschaftlichen Flächen stärken und haben dazu Ende 2014 eine „Rahmenvereinbarung zur Förderung der Biodiversität in Agrarlandschaften“ unterzeichnet.

Diese Rahmenvereinbarung beschreibt den Weg, wie die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft und die Lebensbedingungen für gefährdete Tiere und Pflanzen auf kooperativem Wege gefördert werden soll. Dazu sollen auf lokaler Ebene „Runde Tische“ eingerichtet werden, an denen die relevanten Akteure unter Leitung der Unteren Landschaftsbehörden Maßnahmenvorschläge erarbeiten. Im Kreis Borken hat der Runde Tisch zur Förderung der Biodiversität in Agrarlandschaften erstmals am 20. August 2015 im Kreishaus stattgefunden. Beim 2. Runden Tisch am 3. Dezember wurde das Positionspapier erarbeitet, das nun unterzeichnet wurde.

Originalpressemitteilung des Landkreises Borken

Presse-Kontakt

Positionspapier zur Artenvielfalt unterzeichnet

Vertreter aus Landwirtschaft, Naturschutz und Kommunen vereinbaren Maßnahmen zur Förderung und zum Erhalt der Biodiversität. Foto: Kreis Borken

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