Getreide: Miese Erträge, Qualitäten und Preise

19. August 2016

Bauern im Kreis schließen am Wochenende die Sommerernte ab

Aller Voraussicht nach können an diesem Wochenende Landwirte und Lohnunternehmen die letzten Weizen- und Triticale-Felder im Kreis Borken dreschen. Damit endet eine Getreidesaison, die die hiesigen Bauern in schlechter Erinnerung behalten werden.
Der Sommer, der gefühlt bis letzte Woche keiner war, hat nicht nur die Freibad- und Grillsaison getrübt. Auch die Ernte fiel buchstäblich ins Wasser und hat nach Angaben der Kreisstelle Borken der Landwirtschaftskammer NRW zehn bis 14 Tage länger gedauert als normal. Und wenn das Korn dann einmal in der Scheune angelangt war, musste es häufig teuer nachgetrocknet werden, um es lagerfähig zu machen, beschreibt Landwirt Ludger Schulze Beiering aus Weseke einen weiteren Negativpunkt. Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes musste genau wie seine Berufskollegen ein Nervenspiel durchstehen: „Viele Flächen mussten mehrmals angefahren werden, weil es überhaupt nicht ging.“ Auch die Hektoliter- und Tausendkorngewichte, die über die Qualität Auskunft geben, seien unterdurchschnittlich: „Die Körner waren einfach zu klein.“ An einigen Stellen sei das Erntegut qualitativ als Futter nicht mehr geeignet gewesen: „Durch die vielen Biogasanlagen in der Region konnten diese Mengen immerhin noch als Biomasse zur Strom- und Wärmegewinnung genutzt werden.“

Unwetterschäden 2016 immens

Kammer-Pflanzenbauberaterin Yvonne Katemann beschreibt auch den Weg zur Ernte als große Herausforderung: „Die wiederkehrenden Regenfälle haben die Kulturen unter erhöhten Erkrankungsdruck gesetzt. Das war harte Arbeit für die Landwirte. Ohne optimierte Pflanzenschutzmaßnahmen hätten wir an noch mehr Stellen im Kreis Totalausfälle verzeichnen müssen.“ Und die waren schon durch die Unwetter im Juni in einigen Regionen katastrophal: Starkregen und Hochwasser – allen voran im Raum Mussum/ Isselburg sowie Stadtlohn/ Gemen – hatten vielerorts die Ackerflächen unter Wasser gesetzt. Eine Abfrage der Landwirtschaftskammer bei den Landwirtschaftlichen Ortsverbänden hat ergeben, dass sich die Schäden auf mehr als 23 Millionen Euro aufaddieren – allein im Kreis Borken.
Auch der Ausblick auf die im September beginnende Maisernte ist wenig verheißungsvoll, so Katemann: „Die Pflanzen haben häufig recht kleine Kolben ausgebildet, der Regen kam zu ungünstigen Zeitpunkten. Und auch hier müssen einige Landwirte Totalausfälle verzeichnen.“

Preise im Keller

Als wäre das noch nicht genug, trifft eine hierzulande schlechte Ernte 2016 auch auf schlechte Preise. Hintergrund: Weltweit betrachtet sind aktuell nach mehreren aufeinanderfolgenden hohen Weizen- und Maisernten hohe Lagerbestände vorhanden. Schulze Beiering: „Der Weizenpreis wird nicht in Borken, sondern in Paris und Chicago gemacht.“

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Ernte abgesoffen

Die Getreideernte ist an vielen Stellen im Kreis Borken 2016 buchstäblich ins Wasser gefallen. Die Verluste durch Überschwemmungen, Staunässe und verspätete Ernte summieren sich einer Berechnung der Landwirtschaftskammer zufolge auf mehr als 23 Millionen Euro.

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