Bauern beklagen Millionenschäden

01. August 2016

Massive Auswirkungen durch Starkregen und Überschwemmungen im Kreis Borken

Überschwemmung einer Gemüsefläche in Heiden Anfang Juni.

Eine aktuelle Abfrage der Landwirtschaftskammer NRW bei den Landwirtschaftlichen Ortsverbänden im Kreis Borken lässt greifbar werden, welches Ausmaß die Unwetter der vergangenen Wochen für die hiesige Landwirtschaft hatten. In Summe lassen sich deren Schäden auf mehr als 23 Millíonen Euro aufaddieren.

Der Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Borken, Jörg Sümpelmann, gibt hierzu folgende Erklärung ab:

Normalerweise sind die Bauern um diese Zeit in der Getreideernte oder sind Gras und schneiden das Futter für die Kühe. Das ist in diesem Frühsommer anders: Auf vielen Grasflächen im Kreis stand und steht das Wasser. Das Gras ist an vielen Stellen mehr als knietief überflutet und damit unbrauchbar. Seit Jahresbeginn sind fast 700 mm Regen gefallen, fast die ganze Jahresmenge, seit Ende Mai allein 350mm. Deswegen ist der Boden an vielen Stellen so gesättigt und nass, dass die Abtrocknung Wochen brauchen wird, wenn es nicht noch weiteren Regen gibt. So sind mehrere tausend Hektar Getreide- Mais-, Kartoffel- und Gemüseflächen sind geschädigt oder zerstört.Kartoffeln, Möhren, Gewürzkulturen, Gerste wie Weizen liegen am Boden und verrotten nun in der feuchten Wärme.
Das alles ist eine ziemliche Katastrophe und es zeichnet sich ab, dass auf vielen Höfen im Kreis das Futter fürs Vieh knapp und teuer wird. Aber auch der Verbraucher wird, vor allem bei Kartoffeln und Gemüse feststellen, dass in diesem Jahr die Ernte knapper wird.
Es zeigt sich wieder einmal: Landwirtschaft findet nicht im Labor oder in geschützten Hallen statt. Bauern wirtschaften in und mit der Natur. Da kann man nicht alles bis ins letzte steuern und planen, schon gar nicht draußen auf den Feldern. Trotz alle Schelte und Beschimpfungen, denen die Bauern mittlerweile fast täglich ausgesetzt sind, sie würden alles falschmachen und die Umwelt zerstören: Bauern packen an, wenn’s drauf ankommt. Ob beim Schneechaos vor einigen Jahren oder nun beim Hochwasser: es wird sofort geholfen, Ortschaften oder Straßen und Wege vor dem Waser zu schützen. Da werden, egal zu welcher Zeit, Maschinen bereitgestellt oder man packt selber mit an. Es werden Deiche von Regenrückhaltebecken oder Schieberanlagen repariert. Viele Flächen der Bauern dienen unentgeltlich als Überschwemmungsgebiete einer natürlichen Regenwasserrückhaltung und Retention, auch damit es in der Stadt trocken bleibt. In Isselburg und Rhede hat es geklappt, der Stadtteil Gemen in Borken konnte leider nicht ausreichend gegen so viel Wasser geschützt werden. Deshalb denken die Bauern nun einen Schritt weiter. Vielleicht müssen oberhalb von Ortschaften draußen auf den Weiden Überflutungsräume aufgewallt werden, in denen solch unüblich große Regenwassermengen zurückgehalten werden können. Die Bauern im Kreis werden hierzu Vorschläge machen.
Für den Sommer wünschen sich die Bauern im Kreis eins: Sonne und trockeneres Wetter. Und da sind wir uns sicher, dass wünschen sich auch alle, die nun in den Sommerurlaub gehen. Und wenn die Bauern dann noch genug Grillfleisch, Gemüse und Milch für Eis oder Joghurt bereithalten, wird‘s vielleicht doch noch ein schöner Sommer.

Presse-Kontakt

Daten werden geladen …