Wetterextreme kosten Geld und Nerven

06. Oktober 2016

Landwirte ziehen Erntebilanz und laden Bevölkerung ein

Pressetermin Erntebilanz im Kreis Borken

Rückblickend wenig gute Nachrichten beinhaltet die Bilanz der Landwirtschaft im Kreis Borken. Zunächst hatte ihnen der Wettergott die Ernte verregnet und in den letzten Wochen auch noch vertrocknet. Als sei das nicht genug, wurde das Ganze noch flankiert durch schlechte Preise für die agrarischen Erzeugnisse. Kreislandwirt Heinrich Emming (Südlohn) bringt es auf den Punkt: „Ackerbau im Kreis Borken hat 2016 keinen Spaß gemacht.“

Dass Bauern unter freiem Himmel wirtschaften und die Früchte ihrer Arbeit auch von der Witterung abhängen, wurde selten offenbarer als 2016. Die normalerweise hierzulande für das ganze Jahr übliche Niederschlags-Gesamtmenge von 740 mm wurde bereits Mitte Juli erreicht. Dem folgte dann das andere Extrem mit wochenlanger Trockenheit, welche der im Jahresernteverlauf letzten großen Ackerkultur, dem Mais, zusätzlich zugesetzt habe, wie der Kreisverbandsvorsitzende Ludger Schulze Beiering (Weseke) beim gestrigen Erntebilanz-Pressegespräch auf dem Hof Bröker in Heek festhalten muss. Den zunächst einmal ernüchternden Erntezahlen konnte Emming eine andere Wahrnehmung entgegensetzen: „Tatsächlich sind wir noch glimpflich davongekommen. Vor 100 Jahren hätten derartige Wetterextreme eine riesige Hungersnot nach sich gezogen.“ Insbesondere der – bedingt durch Staunässe während der Aufwuchsphase – hohe Krankheits- und Schädlingsdruck konnte durch wohldosierte und zur passenden Zeit vorgenommene Pflanzenschutzmaßnahmen in den Griff bekommen werden: „Der moderne Pflanzenschutz steht immer wieder in der Kritik. Wir Landwirte setzen ihn gesetzlich reglementiert und behördlich kontrolliert mit der Devise ein: ‚So viel wie nötig und so wenig wie möglich“, so Schulze Beiering. Zur Debatte über die Verlängerung der Glyphosat-Zulassung merkt er an: „Wenn es fachlich korrekt angewendet wird, bescheinigen verschiedene unabhängige Institute dem Mittel, gesundheitlich unbedenklich zu sein. Wenn dem so ist, würde ich mir für unsere hiesige Landwirtschaft wünschen, dass Glyphosat die Zulassung behält – zumindest für die Stoppelbehandlung nach der Ernte und wie in diesem Jahr zur Akut-Behandlung bei erhöhtem Krankheitsdruck.“

Unter dem aktuellen Eindruck der miserablen Erzeugerpreise für Milchvieh- und Schweinehalter habe sich der Strukturwandel im Kreis im vergangenen Jahr beschleunigt, muss Emming konstatieren. Noch stärker als bei den Milchviehbetrieben müsse man bei den Sauenhaltern angesichts einer Aufgabequote von bundesweit 10 Prozent binnen Jahresfrist sogar von einem Strukturbruch sprechen: „Gott sei Dank weist die Preiskurve aktuell wieder nach oben.“ Neben dem wirtschaftlichen Druck spielen zunehmend andere Faktoren bei dieser Entscheidung eine wichtige Rolle, so Emming: „Immer häufiger scheiden auch Betriebe aus, die eigentlich gesund und zukunftsfähig aufgestellt sind. Wenn wir dort nachfassen, spüren wir auch, dass eine gewisse Resignation angesichts immer neuer Auflagen und der ständigen öffentlichen Kritik um sich greift.“

Schweinehalter Ludger Schulze Beiering nennt vor diesem und auch dem Hintergrund der jüngsten Einbrüche in Ställen führender Bauernfunktionäre „größtmögliche Transparenz“ als Schlüssel für mehr Akzeptanz: „Ihr braucht nicht bei uns einzubrechen. Kommt vorbei und guckt!“ Mit demselben Grundgedanken ist seit einigen Monaten eine Gruppe von Landwirten im Kreis dabei, die Fenster an ihren Ställen zu Einsichten-Fenstern umzurüsten – verbunden mit der Einladung, jederzeit vorbeizukommen und sich selber einen Eindruck zu verschaffen. Die Initiative soll in Kürze öffentlich vorgestellt werden.

Eine Übersicht zu den Ergebnissen der Einzelkulturen finden Sie in der Rubrik "Kreisverband Aktuell".

 

Presse-Kontakt

Akteure des Erntebilanz-Pressegesprächs

Wir machen Lockerungsübungen- mit richtig viel Herz: Das Motto der neuen Kampagne des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes nahmen die Vertreter beim Erntebilanz-Pressegespräch in Heek wörtlich (v.l.): WLV-Kreisverbandsvorsitzender Ludger Schulze Beiering, Kreislandwirt Anton Holz sowie die Gastgeber Heinz-Josef und Annette Bröker. Foto: Stephan Wolfert, WLV

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