Kooperation für besseren Hochwasserschutz

23. November 2016

Stadt und Landwirte ziehen Lehren aus Wetterextremen

Überflutete Keller, Häuser ohne Strom, Evakuierung der Jugendburg, Katastrophen-Alarm und Sandsäcke-Notruf: Vielen Anwesenden bei der Winterversammlung der Landwirtschaftlichen Ortsverbände Gemen, Weseke und Borkenwirthe/ Burlo war noch sehr präsent, wie der Starkregen am 23. und 24. Juni insbesondere die Gemener Bevölkerung in Atem gehalten hatte. Wie Landwirtschaft und Stadt zukünftig der Herausforderung des Hochwasserschutzes gemeinsam begegnen wollen, war Schwerpunkt-Thema am Montagabend im Gasthof Enning in Weseke.
Benedikt Hendricks begrüßte als Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Weseke neben rund 60 Mitgliedern auch den Technischen Beigeordneten der Stadt, Jürgen Kuhlmann. Dieser machte deutlich, dass die Stadt Borken auf die extremen Starkniederschläge im Juni reagieren wolle: „Wir müssen sehen, dass wir so etwas nicht noch einmal erleben müssen.“ Unter anderem wolle die Stadt im Oberlauf der Bocholter Aa, vor den Toren Gemens, gemeinsam mit den Landwirten und Anliegern nach geeigneten Flächen suchen, auf denen man extreme Niederschläge auffangen könne. Von hier aus könne das Wasser zeitlich versetzt wieder unschädlich in die Aa gelangen. Kuhlmann betonte, „es sei klar, dass es hierfür zu einer vernünftigen Vereinbarung mit den Grundeigentümern auf Augenhöhe kommen müsse, in denen auch Entschädigungsfragen sauber geregelt werden“. Beispielgebend verwies Kuhlman dabei auf funktionierende Regelungen in Rhede: „Im Vordergrund solcher Maßnahmen muss aus meiner Sicht klar der Hochwasserschutz stehen, der aber immer auch durch ökologische Verbesserungen begleitet werden muss.“ Aus der Versammlung heraus kamen zustimmende Wortmeldungen. Der Kreisgeschäftsführer des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), Jörg Sümpelmann, lobte den Antritt der Stadt als sehr konstruktiv: „Unsere Landwirte zeigen Verständnis dafür, dass die Gesamtsituation des Hochwasserschutzes entlang des Bocholter-Aa-Systems neu bewertet und neue Lösungen gefunden werden müssen.“

Ebenfalls Verbesserungen wünschen sich Stadt und WLV bei der Anlage von Blühstreifen an Wegesrändern im Außenbereich. Maria Mertens (Bauverwaltung) und Heike Kalfhues (Fachabteilung Umwelt und Planung) von der Stadt Borken stellten dar, wie hierdurch sowohl für das Erscheinungsbild der Stadt als vor allem auch für die Natur etwas Gutes getan werden könne. Dabei betonte Mertens, dass die Stadt mit den Landwirten auch hier auf Augenhöhe unterwegs sein wolle: „Wir werden im kommenden Frühjahr zu den Außenbereichswegen in einen intensiven Prozess eintreten, in den auch die Vorstellungen der Landwirte einfließen sollen.“

Im anschließenden Bericht aus dem WLV-Kreisverband betonte dessen Stellvertretender Vorsitzender, Markus Weiß, dass der Landesverband mit der jüngst vorgestellten „Offensive Nachhaltigkeit“ einen Richtungswechsel vollziehe: „Wir Bauern müssen uns stärker als bislang hinterfragen. Wenn wir Schwächen eingestehen und an ihnen arbeiten,  können wir auch der Dauerkritik an unserer Arbeitsweise anders begegnen.“ Die Diskussion mit den Mitgliedern an der Basis sei jetzt wichtig, um den notwendigen Veränderungsprozess zu erden. Weiß betonte: „Hierbei ist es aber genauso wichtig, die eigenen Stärken herauszustellen.“ Dazu würden etwa die Produktion hochwertiger Lebensmittel, das Fachwissen in Sachen Pflanzenbau und Nutztierhaltung, die Gestaltung und Pflege der Kulturlandschaft und  das Denken und Handeln in Verantwortung für Generationen gehören.

Nach den Berichten aus der WLV-Kreisgeschäftsstelle und der Kreisstelle der Landwirtschaftskammer NRW dankte der Vorsitzende des Ortsverbandes Borkenwirthe/ Burlo, Alfons Reckert, den Anwesenden für die angeregte Diskussion und beschloss die Versammlung nach dreieinhalb Stunden.

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