„Nachhaltigkeit braucht Unterstützung“

28. Juni 2019

Velener Landwirt beim Bauerntag über Düngung und Wasserschutz

Thomas Schulze Hilbt beim Deutschen Bauerntag. Foto: Tanja Schnitzler/DBV

Im Rahmen des gestern zu Ende gegangenen Deutschen Bauerntags durfte Thomas Schulze Hilbt aus Velen einen Vortrag zu den Anstrengungen der westmünsterländischen Landwirtschaft in Sachen Wasserschutz halten. Seine Besonderheit: Er ist auf der einen Seite selber Landwirt und auf der anderen zudem Wasserkooperationsberater bei der Landwirtschaftskammer NRW.

Der Bauerntag bei Schkeuditz nahe Leipzig stand insbesondere im Zeichen der Nachhaltigkeitsanstrengungen der Landwirtschaft für Tier-, Arten- und Klimaschutz. Eines der Fachforen hierzu stand unter der Überschrift „Klima, Luft, Wasser und Insekten – mit Kooperation zu mehr Nachhaltigkeit“. Hierzu hatte der Deutsche Bauernverband (DBV) als Beispiel aus der Praxis für einen Impulsvortrag Thomas Schulze Hilbt eingeladen.
Der 25-Jährige staatlich geprüfte Agrarbetriebswirt beschrieb die Arbeit in den Kooperationsgebieten (siehe „Zum Thema“) und stellte aus seiner Doppelsicht als Praktiker und Berater heraus, dass diese trotz großer Herausforderungen einige Erfolge vorzuweisen habe: „Es gibt keine Blaupause für Gewässerschutz. Man muss sich jeden Betrieb und jede Region mit ihren landwirtschaftlichen und tektonisch-geologischen Voraussetzungen genau anschauen. Es braucht die richtige Maßnahme an der richtigen Stelle. Aus guter Beratung zieht der Landwirt Erkenntnisgewinne, die gleichzeitig seine Bereitschaft zur Kooperation massiv erhöhen.“ Schulze Hilbt nannte auch unabhängig von der Kooperationsarbeit laufende Ansätze als Teil der Lösung, zum Beispiel das mit Leader-Mitteln geförderte Projekt zur Minderung der Nitratauswaschung im Spinatanbau in der Region der Bocholter Aa oder das Konzept der Gülle-Vollaufbereitung und -hygienisierung der NDM Naturwertstoffanlage in Velen, an der der Betrieb Schulze Hilbt als Kommanditist beteiligt ist. Zusammenfassend führte er aus, dass man sicherlich noch nicht überall da sei, wo man in der Zielerreichung letztlich hinmüsse: „Wir sind als Landwirtschaft aber auf dem richtigen Weg. Um nachhaltige Verbesserungen zu erreichen, braucht es da weiterhin Unterstützung.“

In der Podiumsdiskussion unterstrichen die Forumsteilnehmer insgesamt diese Ansicht. Auf dem Podium vertreten waren DBV-Umweltbeauftragter Eberhard Hartelt, Mecklenburg-Vorpommerns Umweltstaatssekretär Dr. Jürgen Buchwald, Professor Dr. Theo Fock von der Hochschule Neubrandenburg und Abteilungsleiterin Dr. Christiane Paulus vom Bundesumweltministerium. Speziell letztere vertrat die Ansicht, dass das Prinzip der Freiwilligkeit nicht ausreiche und striktere ordnungsrechtliche Reglementierungen mit der anstehenden Novellierung der Düngeverordnung kommen müssten. In der regen Diskussion hierzu äußerten mehrere Landwirte aus dem Plenum die Ansicht, dass eine pauschale Verringerung der aufgebrachten Düngemengen nicht generell und überall zum Erfolg führen. „Eine Reduzierung allein schafft keine Nachhaltigkeit“, so ein Teilnehmer.

Zum Thema: Kooperativer Wasserschutz

Der Kreis Borken ist eine Schlüsselregion für Erfolg oder Misserfolg des Konzepts des kooperativen Wasserschutzes in NRW. Unter dem Motto „Kooperation statt Konfrontation“ arbeiten Landwirtschaft und Wasserwirtschaft seit 30 Jahren gemeinsam daran, sowohl die Qualität der Trinkwasserversorgung als auch die Existenzfähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe (und somit die Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln aus der Region) zu sichern.

In diesem Geist entstanden in ganz NRW sogenannte Wasserkooperationen, im Kreis Borken bis heute insgesamt neun. Deren Hauptziel ist, die Nitratbelastung für das Grundwasser zu verringern. Durch eine effiziente, dem tatsächlichen Bedarf der Pflanzen angepasste Düngung und weitere Maßnahmen sollen dabei die Interessen von Landwirtschaft und Wasserwirtschaft in Einklang gebracht werden. Konkret wird eine wachsende Zahl von Landwirten im Kreis, derzeit sind es rund 600, von Gewässerschutzberatern der Kreisstelle Borken der Landwirtschaftskammer NRW unterstützt. Die für alle Seiten derzeit noch freiwillige Kooperation wird von den acht hier tätigen Wasserversorgungsunternehmen mitgetragen und in der Hauptsache durch das Wasserentnahme-Entgelt finanziert.

Jüngst veröffentlichte Monitoring-Ergebnisse zur Bewertung der Wirksamkeit der freiwilligen Kooperationsarbeit zeigen eine Trendumkehr hinsichtlich der Nitratkonzentrationen im Sickerwasser wie auch den oberflächennahen Grundwasserkörpern.

Presse-Kontakt

Thomas Schulze Hilbt beim Bauerntag

Thomas Schulze Hilbt beim Deutschen Bauerntag im Rahmen seines Vortrags zum Thema "Kooperativer Wasserschutz"

Foto: Tanja Schnitzler/DBV

 

Thomas Schulze Hilbt beim Bauerntag

Thomas Schulze Hilbt beim Deutschen Bauerntag im Rahmen seines Vortrags zum Thema "Kooperativer Wasserschutz"

Foto: Tanja Schnitzler/DBV

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