Bio-Hof mit Hightech und Handarbeit

12. Juli 2019

Lehrerfortbildung auf dem Betrieb Overkämping in Rhede

Blick ins Hühnermobil auf dem Betrieb Overkämping

Bio-Landwirtschaft hat wenig mit Acker-Romantik zu tun. Da gehören sowohl Hightech mit Precision-Farming als auch knallharte körperliche Arbeit zum normalen Alltag – manchmal finden Sie sogar parallel bei ein- und demselben Arbeitsgang statt. Das durften jetzt zwölf Lehrkräfte von Grundschulen und weiterführenden Schulen in der Region bei einer Fortbildung auf dem Hof Overkämping in Rhede erfahren.

Das Thermometer zeigt 38 °C, als Betriebsleiter Rainer Overkämping den Lehrkräften in seiner Scheune vor seinem Maschinenpark erzählt, wie er ansonsten sommertags bei solchen Temperaturen mit einem seiner Mitarbeiter auf seinen Gemüsefeldern unterwegs ist. Dann steht „Unkraut hacken“ auf dem Plan. Sein – wie er selbst sagt –  „sündhaft teurer“ Trecker fährt GPS-gesteuert autonom an die Kartoffelreihen heran – bis auf zwei cm genau. Overkämpings Mitarbeiter sitzt am Steuer und dient hier eher als Aufpasser, der auf unvorhergesehene Hindernisse achtet, denn als Fahrer. Hinten am Schlepper hängt eine Hacke: „Auf der sitze ich dann in Sonne und Staub und lenke das Gerät so, dass wir möglichst alles rausgerupft bekommen.“

Spätestens in diesem Moment wird den Teilnehmern klar, warum die Überschrift über der Fortbildung „Landwirtschaft hat viele Facetten“ lautet. Auf Einladung des Vereins „Stadt & Land in NRW“, der „Natur- und Umweltschutzakademie NRW“ (NUA) und des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) gehen die Lehrer auf Entdeckungsreise durch die biologische aber auch die konventionelle Landwirtschaft – beides findet auf dem Hof Overkämping statt, allerdings in komplett getrennten Betriebszweigen.

Beim Betriebsrundgang an Hühnermobil, Scheune, Acker und Gewächshaus vorbei, kommen der Agrarbetriebswirt und seine Besucher über Unterschiede zwischen bio und konventionell, über die Macht des Handels, zunehmenden Kostendruck, die schwierige Mitarbeitersuche und immer mehr Auflagen ins Gespräch. Hubert Koll von „Stadt und Land“ und Stephan Wolfert vom WLV zeigen verschiedene Möglichkeiten auf, wie interessierte Lehrer und Erzieher den Kontakt zu Bauernhöfen suchen und finden können, wenn man keinen Landwirten in der Nähe mehr persönlich kennt: Zum Beispiel über die Orts- und Kreisverbände des WLV oder online über das Portal www.bauernhof.net mit der dortigen Umkreis-Suchfunktion. Zudem weisen sie auf weitere Akteure hin, die Angebote für Schulen machen, wie die Landfrauen oder die Landesvereinigung Milch mit Unterrichtseinheiten zum Thema Ernährung, Iglo mit Werksbesichtigungen in Reken oder die Dorstener Landwirte mit ihrer „Tour de buur“ per Rad.

Bei einem leckeren Bauernhof-Eis aus Overkämpings Hofladen klingt der Nachmittag aus. Auf die Frage aus der Runde, ob er trotz der ganzen Plackerei und dem wirtschaftlichen Druck weiterhin gerne Landwirt ist, muss der 29-Jährige nicht lange nach einer Antwort suchen: „Die Arbeit in der Natur, mit den Tieren und Menschen gefällt mir gut. Kein Tag ist wie der andere. Und es macht einfach Spaß, etwas heranwachsen zu sehen und nachher ernten zu können, was man gesät hat.

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