Über 200 Hektar zusätzliche Blühstreifen

18. Juli 2019

Artenschutz-Aktion des WLV-Kreisverbandes wird sichtbar

Das Bild zeigt einen im Zuge der Aktion gesäten Blühstreifen am Ortsrand von Ramsdorf mit der Kirche im Hintergrund.

Auf den Feldern im ganzen Kreis Borken brummt und summt es: Wer in diesen Tagen an Feldwegen im Kreisgebiet einen kurzen Stopp einlegt, kann eine Vielzahl an Bienen, Hummeln, Schmetterlingen und weiteren Insekten beobachten, die sich auf den Feldfrüchten tummeln und hier ihre Nahrung finden. Die Voraussetzung dafür haben die hiesigen Landwirte schon im Frühjahr geschaffen. Allein mit dem Saatgut, das sie kostenfrei über den WLV-Kreisverband erhalten haben, haben sie auf einer Fläche von zusammen über 200 Hektar bunte Blühmischungen auf ihren Feldern ausgebracht. Umgerechnet ergibt dies eine Länge von über 1400 Kilometern (bei drei Metern Breite). Inzwischen sind die Streifen zu bunten Farbtupfern in der Landschaft geworden und beinhalten  zum Beispiel Buchweizen, Phacelia, Lein, Koriander und Malve. Diese bieten auch einen Lebensraum für Rebhuhn, Kiebitz, Fasan oder Feldhase. Entlang von Getreide und vor allem Mais verzichten die Landwirte mit diesem Einsatz für den Artenschutz freiwillig und unentgeltlich auf einen Teil ihrer Ernte.
Diese zusätzlich angelegten Blühstreifen sind nicht die einzigen Anstrengungen der hiesigen Landwirte für mehr Biodiversität, betont der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, Ludger Schulze Beiering (Weseke): „Aber die Blühstreifen machen die Bemühungen der Landwirte für den Artenschutz am deutlichsten sichtbar. Bienen, Hummeln und Co. sind für uns Bauern unverzichtbar, daher haben wir sie ganz besonders im Fokus.“ Das zur Verfügung gestellte Saatgut für die Blühstreifen wurde von der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft speziell für die Bedürfnisse und Gegebenheiten der Region zusammengestellt. An einigen Feldflächen weisen Info-Schilder auf die Blühstreifen und ihren Nutzen hin.

In vielen Ortsverbänden haben sich die Landwirte zur Umsetzung der Aktion zusammengetan. So auch in Velen, wie Frank Ehling vom Ortsverbandsvorstand berichtet: „Bei uns haben sich 13 Landwirte mit insgesamt 3 Hektar beteiligt. Wir haben uns die Arbeit aufgeteilt: Ein Berufskollege hat bei uns für ganz Velen eingesät und ein anderer für Ramsdorf. Für uns ist es selbstverständlich, dass wir uns für den Artenschutz engagieren. Am wichtigsten für uns Landwirte ist dabei, dass es unbürokratisch und einfach umzusetzen ist.“ Hier wie auch an anderen Stellen ist neben dem Saatgut des WLV auch welches zum Einsatz gekommen, das der örtliche private und genossenschaftliche Landhandel gespendet hatte. Außerdem hätten einige Berufskollegen auch unabhängig von diesen Aktionen komplett in Eigenregie freiwillige Streifen gesät, so Ehling.

In den letzten Jahren gab es einen stetigen Zuwachs an Blühflächen im Kreis Borken, was auch die Landwirtschaftskammer NRW so bestätigen kann. Vor allem bei den freiwillig und unentgeltlich angelegten Blüh- und Biodiversitätsstreifen konnte die Kammer für den Kreis Borken 2019 nochmal mehr Antragsteller als im bereits erfreulichen Jahr 2018 feststellen, nämlich 503 Landwirte mit zusammen 1057 Flächen (2018: 415 Antragsteller mit 910 Flächen). Auch bei den mit Fördergeldern bezuschussten mehrjährigen Blühstreifen (etwa im Zuge von Agrarumweltmaßnahmen) gibt es erfreuliche Zuwächse auf 2018 schon über 240 Hektar (Auswertung für 2019 liegt noch nicht vor). Die stellvertretende Kreisstellen-Leiterin, Dr. Ulrike Janßen-Tapken, findet dies angesichts schwieriger Rahmenbedingungen durchaus bemerkenswert: „Daran zeigt sich, dass die Landwirte im Kreis Borken bereit sind, ihren Anteil am Schutz der Artenvielfalt und der Gewässer zu leisten. Und das trotz angespannter Verhältnisse mit hohen Pachtpreisen, niedrigen Erzeugerpreisen in den letzten Jahren und einer komplexen Antragstellung für geförderte Maßnahmen.“ Um die Landwirte bei diesen Anstrengungen zu unterstützen, ist bei der Landwirtschaftskammer eine Stelle für die einzelbetriebliche Biodiversitätsberatung eingerichtet worden, bei der sich Landwirte beraten lassen können. Seit dem Start in 2016 werde dieses gebührenfreie Angebot im Vergleich der Münsterlandkreise am stärksten von Landwirten im Kreis Borken nachgefragt, so Frau Dr. Janßen-Tapken.

Presse-Kontakt

Daten werden geladen …