Zusammen für den Wildtierschutz

20. April 2020

Erster Grasschnitt bedeutet Lebensgefahr für Rehe & Co.

Landwirte haben bei der jetzt startenden Grasernte eine besondere Verantwortung für den Artenschutz. Unter anderem ist auf den meisten Flähen das Mähen von innen nach außen ein wirksamer Schutz für Wildtiere, so wie hier auf einer Fläche in Raesfeld. Aber auch weitere Maßnahmen können helfen. Foto: Stephan Wolfert, WLV

In Kürze steht der erste Grasschnitt an. Was für landwirtschaftliche Betriebe mit Wiederkäuern eine wichtige Futtergrundlage darstellt, ist für viele Wildtiere lebensgefährlich. Denn ungünstigerweise fällt diese Erntephase in die Brut- und Setzzeit vieler heimischer Wildarten, die in Wiesen und auf Grünroggenfeldern ihren Nachwuchs sicher wähnen. Doch die Instinktreaktion „Ducken und Tarnen“ schützt zwar vor dem Fuchs, nicht aber vor dem Kreiselmäher oder dem Mähbalken.

Hieraus folgt eine besondere Verantwortung für den Menschen. Darauf machen der Kreisverband Borken im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV), die Regionalgruppe der Basisbewegung „Land schafft Verbindung Deutschland“ (LsV) und die Naturfördergesellschaft für den Kreis Borken (NFG) aufmerksam: „Wir setzen hier auf die bewährte Zusammenarbeit von Landwirten, Lohnunternehmern und Jägern, um die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu schützen und Rücksicht zu nehmen.“

Im Kreis Borken tauschen sich Jagdpächter und Landwirte vor Ort häufig im Vorfeld kurz dazu aus, wann die Mahd startet. Kurz vor dem Termin werden dann präventive Maßnahmen vor Ort vorgenommen, berichtet der Stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes Borken im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV), Heinz-Josef Elpers: „Die Jäger wissen von ihren regelmäßigen Rundgängen recht genau, wo die Tiere sich in der Regel aufhalten. Sie gehen dann mit Jagdhunden die betroffenen Flächen gezielt ab, um Wildtiere zu verscheuchen.“

Eine weitere Maßnahme ist das Aufstellen von Stangen mit flatternden Tüchern oder auch Blinklampen, Luftballons und Windrädern. Das alles müsse unmittelbar vor der Mahd passieren, empfiehlt der Vorsitzende der Naturfördergesellschaft für den Kreis Borken (NFG), Martin Hillenbrand: „Die Muttertiere müssen dies als Störung empfinden, um samt Jungtieren verscheucht zu werden. Wenn das zu langfristig im Vorfeld passiert, gewöhnen sich die Tiere an den Effekt und man hat sie wieder dort liegen.“ Im Kreis Borken halte auch zunehmend eine andere technische Maßnahme Einzug, nämlich die Überfliegung mit Drohnen samt Wärmebildkamera, wie es aktuell zum Beispiel in Reken in Vorbereitung sei. „Das ist aber sehr teuer und daher noch die Ausnahme“, so Elpers.

Längst Stand der Technik und noch zudem günstig sei hingegen der Einsatz sogenannter akustischer Wildretter. Diese werden beim Mähvorgang an den landwirtschaftlichen Maschinen angebraucht und erzeugen einen hochfrequenten Signalton, der das Wild rechtzeitig aufscheucht. Ganz wichtig ist, dass die Landwirte ihre Flächen ab einer gewissen Größe (ab 1 Hektar) von innen nach außen/ von einer Seite zur anderen mähen (vor allem an viel befahrenen Straßen). So haben Wildtiere die bessere Chance, während des eigentlichen Mahdvorgangs vor den Maschinen zu flüchten.

„Der Artenschutz ist ohnehin im Sinne aller, aber in diesem Fall auch ganz konkret für Landwirte und Nutztiere wichtig“, betont Elpers:  „Durch unentdeckt getötete Tiere und damit Kadaver besteht in der Silage- und Heuproduktion die Gefahr von Botulismus in der weiteren Fütterungskette.“

Neben der Landwirtschaft sei auch jeder Einzelne jetzt im Frühling in der Pflicht, bei den gerade in Corona-Zeiten wertgeschätzten Spaziergängen an Wiesen und Weiden etwas für den Artenschutz zu tun, bittet Hillenbrand um Rücksichtnahme: „Abseits von Waldwegen, auf Wiesen und Brachflächen kann es schnell passieren, dass Tiere nachhaltig gestört werden.“ Es bestehe die Gefahr, dass Bodenbrüter wie Rebhühner, Fasane oder Kiebitze aufgescheucht werden, wenn beispielsweise Hunde über die Äcker laufen. Gerade der Schutz des Kiebitzes genieße hohe Priorität.

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Mähen von innen nach außen

Landwirte haben bei der jetzt startenden Grasernte eine besondere Verantwortung für den Artenschutz. Unter anderem ist auf den meisten Flähen das Mähen von innen nach außen ein wirksamer Schutz für Wildtiere, so wie hier auf einer Fläche in Raesfeld. Aber auch weitere Maßnahmen können helfen. Foto: Stephan Wolfert, WLV

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