Gemeinsam gegen Lebensmittelverschwendung

15. Oktober 2013

Landwirtschaftsvertreter übergeben Erntekrone an den Landrat

Vertreter der Landwirtschaft haben die Erntekrone an Landrat Konrad Püning übergeben.

Eine wieder verstärkte Wertschätzung für Lebensmittel haben Vertreter der Landwirtschaft und der Landrat unisono angemahnt. Bei der gestrigen Übergabe der Erntekrone an Konrad Püning im Kreishaus in Coesfeld bekräftigten dies die anwesenden Vertreter der landwirtschaftlichen Organisationen im Kreis. Jedes Jahr wirft jeder Bundesbürger im Schnitt 82 kg Lebensmittel weg, obwohl zwei Drittel davon noch genießbar gewesen wären, hatte eine Studie des Bundeslandwirtschaftsministeriums ergeben. Anlass und Bestärkung für die Kreislandfrauen, die Kampagne „Bis auf den letzten Krümel“ ins Leben zu rufen, wie deren Vorsitzende, Christa Ermann (Senden), ausführte: „Im Haushalt werden viele Reste nicht angemessen verwertet und landen auf dem Müll.“

Dem wollen die Landfrauen mit verschiedenen Aktionen entgegen treten, unter anderem mit einem Schaukochen im Möbelmarkt, Unterrichtseinheiten von Landfrauen an weiterführenden Schulen und Kochkursen für Landfrauen unter dem Motto „Rest(e)los glücklich“. Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, Anton Holz (Seppenrade), unterstrich die Wichtigkeit dieses Ansatzes. „In vielen Regionen der Welt leiden die Menschen immer noch Hunger und auch ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als es auch in unserer Region nicht selbstverständlich war, dass jeder satt wird“, so der 65-Jährige. Landrat Püning lobte in diesem Zusammenhang explizit die Arbeit der vier Tafeln im Kreis in Ascheberg, Coesfeld, Dülmen und Lüdinghausen: „Die dort tätigen Ehrenamtlichen sorgen dafür, dass qualitativ einwandfreie Lebensmittel, die in den Regalen der Lebensmittelmärkte liegen geblieben sind, an Bedürftige gelangen.“

Beim Ernterückblick konnte Holz in der Zusammenschau eine leicht überdurchschnittliche Ernte vermelden (siehe Zum Thema). Aber gerade beim Obst quillen die Bäume der Landwirte über. Ermann resümierte, dass mehr an den Bäumen sitze als die Landwirtefamilien in der Regel verzehren können, was sie zu einer Einladung an die Bevölkerung veranlasste: „Wenn Sie an der Straße sehen, dass die Bäume an den Höfen voll hängen, zögern Sie nicht, auf die Landwirtefamilien zuzugehen und sie danach zu fragen, ob sie Obst für den Eigenbedarf pflücken können.“

Bei der Ernährung der Weltbevölkerung komme der hiesigen Landwirtschaft eine wichtige Rolle zu, ergänzte Holz: „Ein Landwirt ernährt heute im Schnitt knapp 150 Menschen. In den letzten fünfzig Jahren hat sich die diesbezügliche Produktivität verzehnfacht.“ Gerade im Kreis Coesfeld komme den Landwirten auch in anderer Hinsicht eine wichtige Rolle zu, wie Püning weiter ausführte: „Die Agrarbranche als Ganzes ist ein ganz wichtiger Wirtschaftsfaktor im Kreis. Einer aktuellen Studie zufolge kommt ihr in NRW ein Anteil von zehn Prozent an der Bruttowertschöpfung zu.“ Auch bei der Energiewende oder der Renaturierung der Flussläufe sei die Gesellschaft auf die Mithilfe der Landwirte angewiesen.

Zum Thema Erntekrone:

Seit 2003 übergeben Vertreter der Landwirtschaft eine Erntekrone an den Landrat als sichtbares Zeichen der Verbundenheit mit der Bevölkerung des Kreises Coesfeld. In diesem Jahr zeichnet sich der Landwirtschaftliche Ortsverband Seppenrade für die Bereitstellung der Erntekrone verantwortlich. Die Krone wird in den nächsten beiden Wochen das Foyer des Kreishauses I in Coesfeld schmücken.

 

Zum Thema Ernteerträge 2013:

Winter- und Sommergetreide:
Mit leichten Abzügen bei der Gerste haben sowohl Winter- wie Sommergetreidearten in diesem Jahr im Kreis Coesfeld Spitzenerträge gebracht. Selbst auf leichten Böden, etwa in Dülmen oder Lette, haben Weizen, Roggen und Triticale gute Erträge und Qualitäten gezeigt. Förderlich waren das lange und kühle Frühjahr und der sonnenreiche Sommer mit Starkniederschlägen im Juni.

Getreidestroh:
Landwirte habenin der Regeletwas geringere Strohmengen bergen können als im letzten diesbezüglich sehr guten Jahr. Erträge und Qualitäten waren insgesamt zufriedenstellend.

Mais:
Die Maisernte ist in vollem Gange und erfordert gegenseitige Rücksichtnahme von Bauern und Bevölkerung. Der Mais erbringt in diesem Jahr je nach Standort und Wasserversorgung stark schwankende, insgesamt aber durchschnittliche Erträge.

Raps:
Die Ölfrucht hat im Kreis insgesamt zufriedenstellende Erträge von 40 bis 50 Dezitonnen pro Hektar gebracht.

Kartoffeln:
Die Kartoffel als Ackerkultur spielt im Kreis eine untergeordnete Rolle. Die in den letzten Jahren aber wieder gewachsene Zahl der Kartoffelanbauer verzeichnete 2013 leicht unterdurchschnittliche Erträge. Betriebe ohne Beregnungstechnik erzielten in der Regel 25 Prozent weniger Ertrag. Bislang arbeiten im Kreis jedoch nur wenige Kartoffelanbauer mit Beregnung. Durch die Bank fehlten in der Ernte die Übergrößen, die speziell für die Pommes-Industrie wichtig sind.

Gras:
Für den Graswuchs war das Frühjahr zu kühl und der Sommer zu trocken. Im Vergleich zu anderen Jahren hat daher in der Summe ein Grünlandschnitt gefehlt.

Presse-Kontakt

Vertreter der Landwirtschaft haben die Erntekrone an Landrat Konrad Püning (4.v.l.) übergeben (v.l.): Christa Ermann (Vorsitzende Kreislandfrauenverband), Raphael van der Poel, (Geschäftsführer Landwirtschaftlicher Kreisverband), Michael Uckelmann (Vorsitzender des Öffentlichkeitsausschusses im Landwirtschaftlichen Kreisverband), Anton Holz (Vorsitzender Landwirtschaftlicher Kreisverband und Kreislandwirt), Benedikt Sellmann (Stv. Vorsitzender Landwirtschaftlicher Kreisverband), Josef Samberg (Stv. Geschäftsführer der Kreisstelle Coesfeld/ Recklinghausen der Landwirtschaftskammer NRW). Foto: Stephan Wolfert, WLV

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