Wiesen, Weiden und Wäldern fehlte Wasser

27. Dezember 2018

2018: Landwirte ziehen Jahresbilanz

Ennepe-Ruhr-Kreis /Hagen (WLV). „Ein Sommer ohne Ende“, so wird  das Jahr 2018 vermutlich vielen Menschen in Erinnerung bleiben. Auch Dirk Kalthaus, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ennepe-Ruhr/Hagen sagt: „Wir Bauern und Bäuerinnen sind es gewohnt, mit dem Wetter zu leben und zu arbeiten, aber dieses Jahr war schon extrem.“  So eine lang anhaltende Wärme und Trockenheit habe er selten erlebt.


Seien die Landwirte im beginnenden Frühjahr nach einem sehr nassen Herbst und Winter über die trockene Phase zunächst froh gewesen, so hätten sie mit zunehmend anhaltender Trockenheit jeden Regenschauer herbeigesehnt. Dürre und Hitze hätten das Jahr 2018 geprägt. Je nach Bodenverhältnissen und lokaler Witterung würden die Ernteergebnisse im Ennepe-Ruhr-Kreis und Hagen eine große Bandbreite aufweisen. „Die wenigen, aber wichtigen, Regenschauer gingen lokal sehr begrenzt nieder und die Bodenqualitäten spielten bei der Trockenheit eine extrem große Rolle“, berichtet Kalthaus. Besonders problematisch sei die Situation auf den steinigen, flachgründigen Böden gewesen, die Wasser nicht lange speichern könnten. „Trotzdem müssen wir Bauern im Ennepe-Ruhr-Kreis und Hagen zufrieden sein“, sagt er. Die Berufskollegen in Ost- und Norddeutschland seien wesentlich stärker betroffen gewesen, dort gehe es bei vielen um die Existenz.


Besonders hart treffe die Trockenheit in diesem Jahr die Landwirte mit Rindern, Pferden und Schafen. Auf Wiesen und Weiden sei schon im Juli kaum noch etwas nachgewachsen. So hätten die Tiere vielfach mit dem für den Winter eingeplanten Futter zugefüttert werden müssen. Aber auch auf den vertrockneten Wiesen hätte die Grasernte nur mit deutlich reduziertem Ertrag erfolgen können. „Das bedeutet, dass die aufgrund der Trockenheit eh knappen Wintervorräte schon im Sommer angebrochen werden mussten“, sagt Kalthaus.

Dramatisch sei die Situation für die Waldbauern. Nach den Schäden durch Orkan Friederike im Januar, hätten Dürre und Hitze den Wäldern zugesetzt und besonders die Jungpflanzen vertrocknen lassen. Der Borkenkäfer hingegen habe sich über Trockenheit und Wärme gefreut und explosionsartig vermehrt. Die Schäden seien teilweise verheerend. "Da das trockene Holz nun überall aus den Wäldern muss, sind die Sägewerke voll und die Waldbauern haben große Probleme mit der Holzvermarktung", sagt der Vorsitzende.


Auch die Getreide- und Rapserträge hätten unter dem Wassermangel gelitten. Einen Vorteil habe das trockene Sommerwetter allerdings gehabt: Der Verlauf der Erntearbeiten sei ideal gewesen und die Landwirte mussten das Getreide vor dem Einlagern, wie in nassen Jahren erforderlich, nicht trocknen. „Anfang August konnten wir die Getreideernte abschließen“, sagt Kalthaus. An einen so frühen Zeitpunkt könne sich kaum jemand erinnern.
Schon im August habe die Maisernte begonnen, so zeitig wie nie. „Auch hier streuen die Erträge stark“, sagt Kalthaus. Bodenqualitäten und lokal begrenzte Regenfälle seien entscheidende Faktoren zwischen zufriedenstellenden Erträgen und Missernten gewesen.


2018 habe zudem die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest (ASP) näher an den Ennepe-Ruhr-Kreis und Hagen herangerückt. Nachdem die Gefahr der ASP schon seit einiger Zeit von Osteuropa drohte, wurde im September dieses Jahres in Belgien, 60 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, bei zwei verendeten Wildschweinen ASP diagnostiziert. Mit dem Fund sei die Gefahr, dass die Seuche auch auf Deutschland übergreife, noch konkreter geworden. "In unserer Region gibt es zwar nicht viel Hausschweine, aber viele Wildschweine, auf die das Virus übergreifen könnte", sagt Kalthaus.

„Wenn ich drei landwirtschaftliche Wünsche für 2019 frei hätte, dann wären es politische Rahmenbedingungen, die für uns annähernd tragfähig sind, akzeptable Preise und nicht ganz so extreme Wetterbedingungen“, blickt der Landwirt ins neue Jahr. „Nichtsdestotrotz beschäftigen wir Bauern und Bäuerinnen uns aktuell damit, wie wir mit veränderten Wetterbedingungen umgehen“, sagt Kalthaus. Nur ganz so einfach sei das nicht. „Parolen selbsternannter Agrarexperten helfen uns nicht weiter, hier ist gute und seriöse Forschung gefragt.“

Presse-Kontakt

Dirk Kalthaus, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ennepe-Ruhr/Hagen blickt auf das Jahr 2018 zurück.

Nicht grün, sondern trocken und braun sahen die Wiesen und Weiden 2018 im Sommer aus.

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