Landrat erhält Erntekrone vom grünen Berufszweig

26. September 2013

Eine prächtig gebundene Erntekrone überreichten am Mittwoch (25.9.2013) Vertreter der Landwirtschaft vor zahlreichen Gästen aus Politik und Wirtschaft dem Landrat Sven-Georg Adenauer im Kreishaus. „Wir wollen damit die gute Zusammenarbeit zwischen Kreisverwaltung und Landwirtschaft symbolisieren und pflegen“, so Arnold Weßling, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Gütersloh. In der Feierstunde bekräftigt die Vorsitzende des Kreislandfrauenverbandes Gütersloh Renate Große-Wietfeld, dass der Brauch fest verankert sei und dazu beitrage, „der Bevölkerung des Kreises die Bedeutung des grünen Berufszweiges für die Sicherung der Ernährung als Lebensgrundlage sowie Lebensqualität ins Bewusstsein zu rufen.“

 

Der Ortslandfrauenverband Rheda hatte die diesjährige Erntekrone gebunden und den Platz im Foyer des Kreishauses mit Feld- und Gartenfrüchten zu einem herbstlich-bunten Ensemble hergerichtet. Sie gestalteten mit dem Landwirtschaftlichen Ortsverband Rheda-Wiedenbrück den unterhaltsamen und feierlichen Abend. Landrat Adenauer dankte für die schöne Erntekrone und lobte „das ist ein einmalig schönes Erntedank-Geschenk“. Die Vorbereitung erfordere doch jedes Jahr hohes ehrenamtliches Engagement. Adenauer sprach den Landwirten hohen Respekt für die Leistungen aus und bekräftigte die positive Kooperation, die Dialogkultur, zwischen Verwaltung und bäuerlichem Berufsstand im ländlich strukturierten Kreis.

 

Die des Kreislandfrauenvorsitzende Große-Wietfeld macht in ihrer Rede deutlich, dass die Erntekrone als Symbol des Dankes kultureller Bestandteil unserer Geschichte und unserer Gegenwart sei. „Das Erntedankfest ist für uns Bauernfamilien kein folkloristisches Medienevent, sondern ein Höhepunkt im Ablauf eines Jahres“, betont die Vorsitzende. Nach 12 Monaten harter Arbeit, nach Saat, Pflege und Ernte und manchen Rückschlägen sei es die Zeit, Gott zu danken, dass die Ernte trotz manch widriger Witterung wieder eingebracht werden konnte. Erntedank zu feiern sei eine schöne Tradition, die die Jahrhunderte überdauert habe und heute aktueller denn je sei: Die Vorsitzende erinnert an das Hochwasser in Süd- und Ostdeutschland. Die Flut habe vielen Menschen ihre Existenz vernichtet. Sie verweist auf Trockenheit und Hagel in der Region mit erheblichen Schäden an Obst, Gemüse und Getreide.

 

Der grüne Berufsstand stellt weiter heraus, dass Landwirte und Landfrauen sich als Sachwalter des ländlichen Raumes verstehen. Die Landwirtschaft bewirtschaftete 80 % der Fläche in Deutschland. „Wir sehen uns als lebendigen Teil unserer Wirtschaft und Gesellschaft“, ergänzt Große-Wietfeld. Bauern und Bäuerinnen hätten einen besonderen Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung, dessen sie sich sehr bewusst seien. Das Erntedankfest soll daher auch Anlass sein, dass Landwirtschaft, Verbraucher, Politiker und Interessenvertreter diesen gemeinsamen Auftrag in den Blick nehmen. Weiter spricht die Vorsitzende die Diskrepanz zwischen den gesellschaftlichen Ansichten und Meinungen von der heutigen Landwirtschaft und deren Realität an. Große-Wietfeld: „Statt sich mit dem Thema Landwirtschaft objektiv auseinander zu setzen, wird allzu oft versucht, die Wirklichkeit an die idyllischen Vorstellungen anzupassen.“

 

„Wir konnten in diesem Jahr eine zufriedenstellende Ernte allerdings mit schlechteren Preisen als im Vorjahr einfahren“, berichtet der Kreisverbandsvorsitzende Weßling. Er erläutert in seiner Ansprache, dass die Ernte keineswegs von selbst komme. Allzu oft werde von der Bevölkerung vergessen, dass die Bauern mit viel Fleiß und Arbeit Produkte erzeugen, die alle brauchen – Lebensmittel, die unverzichtbar sind. Weßling: „Daher sollten wir alle dankbar sein, in einer Gemeinschaft zu leben, in der es an Nichts fehle. Mehr als 170.000 verschiedene Lebensmittel ständen in den Supermärkten im Regal. Sie seien immer verfügbar und zum Großteil für alle Verbraucher bezahlbar. Trotzdem lässt der Umgang mit den Nahrungsmitteln zu wünschen übrig. „Sieben Millionen Tonnen landen in Deutschland jedes Jahr im Müll“, mahnt auch Große-Wietfeld an. Dies sei ein Zeichen unserer Überflussgesellschaft. „Die respektvolle Verwendung muss uns wieder bewusst werden“, fordert die Vorsitzende. Es lohne sich, denn unsere Lebensmittel sind kostbar, vielseitig verwendbar und gesund.

 

Auch der Kreislandwirt Heiner Kollmeyer verdeutlicht während der Erntedankfeier: „Die Bauern sorgen jeden Tag für hochwertige Lebensmittel in Spitzenqualität.“ Mehr noch: „Made in Germany“ verschaffe Veredlungserzeugnissen wie Milchprodukten und Käse oder Fleisch und Fleischwaren auf dem Exportmarkt große Chancen. „Kunden in aller Welt vertrauen auf die hohe Qualität und Sicherheit deutscher Produkte“, schildert Kollmeyer. Die Landwirtschaft sei ein wichtiger Produktionszweig gerade im Kreis Gütersloh mit seinen vor- und nachgelagerten Bereichen. Zunehmend Sorgen bereiten dem Berufsstand aber die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen. „Wir Bauern werden besonders im Bereich der Tierhaltung von steigenden Auflagen überrollt“, kritisiert Weßling. „Gerade kleinere und mittlere Betriebe, die angeblich von der Politik gestützt werden sollen, können häufig die Kosten für die höheren Anforderungen nicht leisten.“ Vielfach sähen sie keine andere Chance als den Ausstieg aus der Landwirtschaft. Die Politik befördere damit den Strukturwandel und leiste wachsenden Größenordnungen Vorschub. „Immer neue Regelungen ziehen immer neue Investitionen nach sich“, bemerkt Kollmeyer. Oft müssten wenige Millimeter zu breite Spalten oder wenige Zentimeter zu kurze Stallabteile komplett erneuert werden, um die neuen Vorgaben zu erfüllen. „Einen Mehrerlös bringen all diese Investitionen aber nicht“, so Kollmeyer.

 

Der Vorsitzende Weßling erklärt abschließend, dass der grüne Berufszweig, insbesondere die jungen Menschen auf den Höfen, Perspektiven bräuchten. Er unterstreicht, dass sich die Landwirte der Nachhaltigkeit und einem Ausgleich zwischen Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung in der täglichen Arbeit verpflichtet fühlten. „Wir sind Bauern mit Leib und Seele.“

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