Grüner Berufszweig überreicht Erntekrone

30. September 2013

Landwirte suchen den Dialog

Das traditionelle Erntedankfest feiern wir am Sonntag. Erntedank steht am Ende des Landwirtschaftsjahres – im wiederkehrenden Kreislauf von Säen, Wachsen, und Ernten, die Zeit des Aufatmens und der Freude: Es ist geschafft, wieder einmal. Und wieder einmal Anlass und Gott für die eingebrachte Ernte zu danken, verbunden mit dem alten Brauch, dies mit einer Erntekrone zu zeigen.

 

Dieser Brauch, der Übergabe einer gebundenen Erntekrone, soll aber auch dazu beitragen, der Bevölkerung in und um Bielefeld an die Bedeutung der grünen Berufssparte für die Sicherung der Ernährung als Lebensgrundlage sowie Lebensqualität ins Bewusstsein zu rufen. Die Erntekrone als Symbol des Dankes ist kultureller Bestandteil unserer Geschichte und auch unserer Gegenwart. Das Erntedankfest ist für uns Bauernfamilien kein folkloristisches Medienevent, sondern ein Höhepunkt im Ablauf eines Jahres.

 

Wir konnten in diesem Jahr eine gute Ernte allerdings mit schlechteren Preisen als im Vorjahr einfahren. Trotz eines sehr langen Winters haben sich die Kulturen gut erholt. Und doch war das Jahr nicht für alle gut. Wir erinnern an das Frühjahr und die Flutkatastrophe an Donau und Elbe, die Ernten vernichtet und Menschen bedroht hat. Erneut hat sich gezeigt: Der Mensch mag planen und bauen. Ob seine Werke aber gelingen, liegt nicht allein in seiner Hand. Das Ausmaß der Schäden erinnert uns an unsere Verantwortung für die Schöpfung. Die Bilder des Frühjahrs zeigen aber auch, wie abhängig die Landwirtschaft von den Witterungsbedingungen eines Jahres ist. Unwetter und Umweltkatastrophen sind Teil der unbändigen Kraft der Natur. Gott sei Dank haben sich unzählige Menschen in dieser Situation solidarisch verhalten und auch den betroffenen Bauern in ihrer Not geholfen.

 

Zugleich erfahren Landwirte und ihre Familien heute leider auch zunehmend Kritik. Die Zahl der Bauern wird immer kleiner und die Wahrnehmung der Verbraucher der Landwirtschaft gegenüber hat sich spürbar gewandelt. Viele verstehen die Arbeit auf den Höfen und Feldern nicht mehr, einige misstrauen den Bauern sogar. Wir sehen diese Entwicklung mit Sorge! Landwirte erzeugen heute preiswerte Lebensmittel in einer Fülle und Güte, die vor Jahrzehnten noch undenkbar schien. Zugleich müssen sich aber auch die Verbraucher fragen, ob ihr Umgang mit wertvollen Lebensmitteln, unseren Mitteln zum Leben, angemessen ist.

 

Wir haben eine gemeinsame Verantwortung für Gottes Schöpfung. Daher wollen wir gemeinsam nach Antworten suchen auf die Frage, die unsere Bauernfamilien beschäftigt:„Wie können wir im Konsens mit der großen Mehrheit unserer Gesellschaft eine Landwirtschaft gestalten, die zugleich wirtschaftlich leistungsfähig, ökologisch verträglich und sozial gerecht ist?“ Eine Antwort, die trägt, ist nur mit allen Beteiligten gemeinsam zu finden: mit den Bauern, den mit der Landwirtschaft verbundenen Bereichen unserer Wirtschaft und mit den Verbrauchern. Wir brauchen einen ehrlichen und sachgerechten Dialog über die Zukunft landwirtschaftlicher Nutztierhaltung und die Landwirtschaft als Ganzes. Es geht um unsere ganz grundsätzliche Einstellung und Haltung zu Lebensmitteln.

 

Wir Bielefelder Bauern suchten den Dialog mit den Verbrauchern, mit allen Bürgern, mit allen gesellschaftlichen Gruppen. Mit Offenheit und Transparenz wollen wir unser Leben und arbeiten auf unserem Bauernhof zeigen und erklären.

 

Vertrauen, Wertschätzung und Dankbarkeit – das sind die Begriffe, die Taten, aus denen Gutes wachsen kann – für unsere heimische Landwirtschaft wie unser Zusammenleben insgesamt. Erntedank ist ein guter Anlass, sich dieser Grundlagen bewusst zu werden.

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