Zeit des Erntedanks: Feierstunde im Kreishaus

01. Oktober 2015

Landwirtschaft überreicht Landrat Erntekrone

Vor zahlreichen Gästen überreichte der landwirtschaftliche Berufsstand die Erntekrone
von links nach rechts: Landrat Sven-Georg Adenauer, Kreislandwirt Heiner Kollmeyer, Kreisbandsvorsitzender Andreas Westermeyer, Kreislandfrauenvorsitzende Renate Große-Wietfeld und Ursula Wagemann vom Team Ortslandfrauenverband Halle

Gütersloh /wlv (Re) Zeit des Erntedanks: Vor zahlreichen Gästen aus Politik und Wirtschaft überreichte der landwirtschaftliche Berufsstand am Dienstag (29.9.2015) die Erntekrone an den Landrat des Kreises Sven-Georg Adenauer. „Wir wollen mit dieser Tradition die gute Zusammenarbeit zwischen Kreisverwaltung und Landwirtschaft symbolisieren und pflegen“, so Andreas Westermeyer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Gütersloh in der Begrüßung. „Gleichzeitig wollen wir an die Bedeutung des grünen Berufszweiges für die Lebensqualität der Menschen und die Verbundenheit des bäuerlichen Berufsstandes mit der Bevölkerung im Kreis erinnern.“

Der Ortslandfrauenverband Halle hatte die diesjährige Erntekrone gebunden und den Platz im Foyer des Kreishauses mit vielen Feld- und Gartenfrüchten dekoriert. Sie gestalteten gemeinsam mit den Landwirtschaftlichen Ortsverbänden Bokel-Hörste und Halle-Amshausen das Unterhaltungsprogramm für den Abend. In der Feierstunde bedankte sich Landrat Adenauer für die Erntekrone. Er freue sich jedes Jahr wieder über die schöne Geste der heimischen Landwirtschaft. Er stellte das „gute Miteinander“ von Politik und Landwirtschaft im ländlich strukturierten Kreis heraus. Er verwies darauf, dass der grüne Berufszweig einen festen Platz im Kreis besitze. Er versicherte, die Kreisverwaltung Gütersloh verstehe sich nach wie vor als verlässlicher Partner und unbürokratischer Dienstleister der heimischen Landwirtschaft.

Der Kreisverbandsvorsitzende Westermeyer verdeutlicht, dass das Erntedankfest auch im Zeitalter von Smartphone und Internet für die Bauernfamilien immer noch ein Höhepunkt sei. Nach der Arbeit, nach der Saat, der Pflege und der Ernte sei es die Zeit, Gott dafür zu danken, denn die Ernte sei die Existenzgrundlage auf den Höfen.

Auch der Kreislandwirt Heiner Kollmeyer verdeutlicht: „Zum Erntefest spüren wir Bauern eine tiefe Verbundenheit und Dankbarkeit. Wir alle – nicht nur die Bauernfamilien - leben von den Ernten, die auf den Feldern kultiviert werden.“ Als das Erntedankfest im Königreich Preußen 1773, also vor fast 250 Jahren, erstmalig auf seinen festen Termin gelegt wurde, waren eher Missernten und Hungersnöte die Regel. Eine reiche Ernte habe als Glücksfall gegolten. Landwirte und Städter seien zutiefst dankbar gewesen. „Heute leben wir in einer Zeit des Überflusses und globaler Märkte mit reich gedecktem Tisch“, so Kollmeyer. In dieser „satten“ Gesellschaft werde allerdings viel zu oft vergessen, dass eine mehr als ausreichende Versorgung mit unseren Mitteln zum Leben keine Selbstverständlichkeit sei. Erntedank zu feiern sei eine gute Tradition und heute aktueller denn je. „Wir danken, dass wir in diesem Jahr eine normale Ernte einfahren konnten, allerdings mit enormen Schwankungen“, resümiert Kollmeyer. Wenig zufriedenstellend sei die Preissituation. Witterungsmäßig und damit ackerbaulich sei es ein interessantes Jahr gewesen mit Überraschungen. Von gut bis schlecht: Die Erträge von Getreide und Raps liegen in diesem Jahr regional sehr unterschiedlich. Je nach Bodengüte haben die Pflanzen die Frühjahrstrockenheit unterschiedlich überstanden. „Doch auf den leichteren Standorten seien die Ergebnisse erstaunlicherweise besser ausgefallen als erwartet“, berichtet Kollmeyer.

Der Kreisverbandsvorsitzende Andreas Westermeyer schildert, dass den Bauernfamilien derzeit die desolaten Erzeugerpreise für Milch, Fleisch und Getreide sowie die kostentreibenden Auflagen große Sorgen bereiten. Wirtschaftlich besonders unter Druck stehen die Sauenhalter und Milchbauern. „Wir haben eine echte Marktkrise, allerdings mit politischer Ursache“, erläutert der Vorsitzende im Hinblick auf das Russland-Embargo: „Wir Bauern zahlen einen hohen Preis für die politisch motivierten Eingriffe in den Markt.“ Die Probleme, die im Kern eine politische Ursache hätten, müssten mit politischen Lösungen angegangen werden, fordert Westermeyer. „Aber auch vom Lebensmitteleinzelhandel erwarten wir eine deutlich stärkere Berücksichtigung unserer preislichen Situation.“ Deren Marketing mit „Wir lieben Lebensmittel“ oder „Woran erkennt man gute Qualität“ passe nicht zur Niedrigpreisstrategie des Einkaufs. Der Handel dürfe seine Marktmacht nicht ausnutzen und zusätzlichen Druck auf die Preise ausüben. „Gute Lebensmittel aus Deutschland haben ihren Preis“, unterstreicht der Vorsitzende. Keiner werde in der Lage sein, dauerhaft zu Dumpingpreisen Qualität „Made in Germany“ zu erzeugen. „Alles Bestreben, den Mehrwert von deutschen Erzeugnissen für den Verbraucher herauszustellen, wird zunichte gemacht“, ergänzt Westermeyer. Es gelte nicht nur über Nachhaltigkeit zu reden und sie zu fordern, sondern auch, danach zu handeln.

Auch Kreislandfrauenvorsitzende Renate Große-Wietfeld verdeutlicht, dass in diesen Tagen viele Bauern Erntedank feiern würden. „Aber nur wenige von uns spüren den Dank für unsere Arbeit aus der Gesellschaft.“ In heutiger Zeit würden preiswerte Nahrungsmittel für normal gehalten. Und nicht nur das: Vorschnelle Kritik an der Landwirtschaft sei zum Teil zu einer Mode geworden. Viele Bauernfamilien seien an diesem Erntedankfest stark verunsichert. Die Landwirtschaft sei bereit zur Veränderung wie beispielsweise Initiativen und Kooperationen im Tier- und Umweltschutz zeigen. Die Höfe dürften allerdings nicht überfordert werden. Das Wünschenswerte müsse mit dem ökonomisch Machbaren in Übereinklang gebracht werden.

Weiter ging Große-Wietfeld auf die Flüchtlingsproblematik ein: „Wir werden tagtäglich daran erinnert, wie privilegiert wir leben dürfen und sollten dafür dankbar sein.“ Auf der Flucht vor Terror, Tod und Elend strömten viele Menschen zu uns. Viele Flüchtlinge erhoffen sich das tägliche Brot und eine Zukunft in Frieden. Unser Staat und unsere Gesellschaft würden gefordert. „Wir erleben ein Zusammenrücken unserer Bevölkerung, um zu helfen.“, betont die Vorsitzende. Wie können wir helfen? Oft seien es schon Worte und Gesten. „Der Zustrom von Flüchtlingen wird uns auf Jahre beschäftigen und unsere Gesellschaft verändern“, beschreibt die Landfrauenvorsitzende. „Wir bemühen uns, die Menschen willkommen zu heißen, und wollen die damit verbundenen Herausforderungen meistern.“ Sie berichtet, dass die diesjährigen Erntegaben nach der Erntedankfeier im Kreishaus Flüchtlinge im Kreis Gütersloh erhalten.

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