Jahresbilanz: Kein leichtes Jahr für die Landwirte

12. Januar 2016

„Wir ackern auf vielen Feldern”

- 2015 war kein leichtes Jahr für die Landwirte
- „Wir ackern auf vielen Feldern“, so der Vorsitzende. „2016 wird ein spannendes Jahr.“ Die Bandbreite der Themen werde immer größer.

Gütersloh /WLV (Re) „2015 war für uns kein leichtes Jahr“, bilanziert der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Gütersloh Andreas Westermeyer. „Mit der Natur, dem Wetter und der Ernte sind wir zufrieden.“ Allerdings lasten die Tiefpreise in nahezu allen Produktbereichen, stetig wachsende Bürokratisierung, überbordende kostenträchtigere Auflagen sowie politischer Druck auf die Bauernfamilien. „Die wirtschaftlich angespannte Lage ist für viele Höfe existenzgefährdend“, erklärt Westermeyer. Auch die Aussichten für 2016 seien nicht viel besser.

Die Landwirte konnten in diesem Jahr eine normale Getreideernte einfahren, aber mit enormen Schwankungen. Die Trockenheit in der Hauptwachstumszeit ließ zunächst keine guten Ergebnisse erwarten. Westermeyer: „Doch wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen.“ Bei Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais fielen die Erträge noch zufriedenstellend aus. „Rückblickend war das Wetter weitgehend in Ordnung“, berichtet der Vorsitzende. Witterungsmäßig habe es schon schlechtere Jahre gegeben, so das vergangene Jahr, in dem besonders der regnerische August den Bauern einen Strich durch die Rechnung machte.

Große Sorgen bereitet die wirtschaftliche Situation verursacht durch desaströse Erzeugerpreise für Milch, Fleisch und Getreide. Unter Druck stehen die Tierhalter, die Schweinemäster, noch mehr die Sauenhalter und die Milchbauern. „Neben der abgeschwächten Konjunktur in Schwellenländern wie China hat vor allem das russische Importverbot zu der extrem angespannten Situation geführt“, erklärt der Vorsitzende. Die Bauern zahlten einen hohen Preis für die politischen Eingriffe in den Markt. Der Berufsstand fordert von der Bundesregierung eine Aufhebung des russischen Embargos auf landwirtschaftliche Produkte. Nötig sei ein Ankurbeln des stotternden Exports, ebenso ein kritischer Blick auf das unfaire Verhalten des Lebensmittelhandels. Weiter fordern die Landwirte eine Risikoausgleichsrücklage, die in guten Jahren Spitzen bei der Steuerlast breche. Vor allem aber: „Wer ständig erwähnt, dass die bäuerliche Landwirtschaft das politische Ziel ist, der muss darauf achten, dass Bauern nicht durch immer mehr Auflagen und strengere Vorschriften im Wettbewerb untergehen“, unterstreicht der Vorsitzende. Das sei vor allem das „Aus“ für die kleineren Höfe. Westermeyer kritisiert zudem das Verhalten des Lebensmittelhandels. Dieser betreibe ein unfaires, unmoralisches Preisdumping. Wenn der Handel Lebensmittel liebe, könne er nicht gleichzeitig die Bauern mit immer neuen, teilweise unrealistischen Anforderungen konfrontieren, diese aber nicht bezahlen wollen. Niemand könne auf Dauer "Made in Germany" zu Dumpingpreisen liefern.

„Wir Landwirte stehen vor großen Herausforderungen“, beschreibt der Vorsitzende. „Auch haben wir an der einen oder anderen Stelle Verbesserungspotenzial.“ Das sei nichts Neues, denn die Tierhaltung habe sich in der Vergangenheit immer zum Wohle der Nutztiere weiter entwickelt. Man könne über vieles reden, allerdings müssten die Anpassungen fachlich sinnvoll, praktikabel und auch bezahlbar sein. „Die Bauernfamilien betreiben Landwirtschaft nicht nur aus Hobby“, betont der Vorsitzende. „Wir müssen auch Geld verdienen, um zu leben.“ Dass die Landwirtschaft für höhere Standards im Tierschutz steht, hat sie beispielsweise mit der im Frühjahr gestarteten Initiative Tierwohl bewiesen. Mehr Landwirte möchten sich beteiligen als aktuell möglich. Sie haben mehr Maßnahmen - mehr Platz, größere Fenster und mehr Lebensqualität für ihre Tiere - umgesetzt als der Lebensmitteleinzelhandel bereit ist zu bezahlen. Bei der Initiative bekommt der Landwirt einen Kostenausgleich für die Maßnahmen, die über das gesetzliche Maß hinausgehen. Westermeyer: „Weil mehr Schweine- und Geflügelhalter bei der Initiative mitmachen als erwartet, reicht das Geld nur für die Hälfte der Antragsteller.“ Er untermauert, dass die Initiative Tierwohl dringend auf eine breitere Basis gestellt werden müsse.

Und der Blick in die Zukunft? „Das Jahr 2016 wird ein spannendes Jahr“, so der Vorsitzende. „Die Bandbreite der Themen wird immer größer.“ Die geplanten Gesetze und Änderungen wie das Landeswasser- und Landesnaturschutzgesetz NRW, die Düngeverordnung, die Nachhaltige Nutztierhaltung in NRW sowie das Artenschutzabkommen seien nur einige Arbeitsfelder, auf denen die Landwirte 2016 ackern müssten. Für die Zukunft hofft der Vorsitzende auf ein Ende der “Überregulierungspolitik“ und auf bessere Preise für ihre Erzeugnisse. „Wir Landwirte haben in den zurückliegenden Jahren viele Herausforderungen gemeistert und werden es auch weiterhin tun, denn wir lieben unsere Arbeit und unseren Beruf“, macht Westermeyer Mut.

* * *
Für die gute Zusammenarbeit in diesem Jahr danken wir Ihnen ganz herzlich. Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie schöne und ruhige Feiertage sowie Glück, Gesundheit und Erfolg im neuen Jahr 2016.

Andreas Westermeyer                            Rita Rehring
Kreisverbandsvorsitzender                 Öffentlichkeitsarbeit

Presse-Kontakt

Daten werden geladen …