Deutscher Bauerntag:
Landwirte aus dem Kreis Gütersloh auf Kundgebung
in Hannover

04. Juli 2016

„Alle, die nur auf ‚billig, billig‘ setzen, zerstören langfristig unsere regionalen Strukturen“

Landwirte und Landwirtinnen aus dem Kreis Gütersloh nahmen an der Kundgebung des Deutschen Bauerntages in Hannover teil wie Beate Hanfgarn (1. von links), stellvertretender Kreisverbandsvorsitzender Klemens Hanfgarn (4. von links) und Kreisverbandsvorsitzender Andreas Westermeyer (5. von links).

Gütersloh /WLV (Re): „Ackern statt Akten“, „Melken statt Miese“ war auf den Plakaten zu lesen, die Landwirte aus dem Kreisverband Gütersloh auf der Kundgebung des Deutschen Bauerntages in Hannover am Donnerstag hoch hielten. Unter dem Motto „Zukunft sichern, Bauern stärken“ nahmen sie mit mehr als insgesamt 3000 Bauern an der Kundgebung teil, die den Schlusspunkt des Deutschen Bauerntages setzte. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt sprach zu den Landwirten.

Die Milchmarktkrise, die zukünftige Nutztierhaltung, aber auch Perspektiven der Landwirtschaft in Umwelt- und Naturschutz standen im Mittelpunkt des Deutschen Bauerntages in Hannover. „Die Politik darf bäuerliche Familienbetriebe nicht überfordern“, so der Vorsitzende der Landwirtschaftlichen Kreisverband Gütersloh Andreas Westermeyer. „Die wirtschaftliche Situation auf den bäuerlichen Familienbetrieben bereitet uns große Sorgen.“ Weder Tierhalter noch Ackerbauern hätten in jüngster Zeit ausreichendes Einkommen realisieren können, geschweige denn Rücklagen für gesellschaftlich und politisch diskutierte Investitionen. Die Landwirte hätten mit Tiefstpreisen für ihre Erzeugnisse zu kämpfen, würden aber immer wieder mit neuen Anforderungen konfrontiert. Stetig wachsende Auflagen und immer höher werdende Bürokratie würden zu mehr Wettbewerbsverzerrungen führen und den Strukturwandel noch mehr beschleunigen.

Der Milchmarkt gilt zweifelsfrei als großes Sorgenkind. „Viele Milchbauern wissen nicht mehr, wie es weitergehen soll“, schildert Westermeyer. Unter der Krise würden vor allem Höfe leiden, die in eine artgerechte Haltung investiert hätten, die Zukunftsinvestitionen getätigt hätten. Westermeyer: Diese Betriebe können nun nicht genug Geld erwirtschaften, um ihre Kredite zurückzuzahlen. Allerdings gebe es erste Anzeichen einer Nachfragebelebung an den internationalen Märkten sowie ein Abebben der Milchmenge in Deutschland und anderen EU-Ländern. „Wir haben eine sehr vorsichtige Hoffnung, dass die wirtschaftliche Talsohle inzwischen erreicht ist“, erläutert der Westermeyer. Als hohe Belastung bezeichnet der Vorsitzende die absolut katastrophalen Preisabschlüsse mit dem Lebensmitteleinzelhandel, sie blockierten die Erholung der Erzeugerpreise. „Darüber hinaus verlangt der LEH von uns ständig neue Anstrengungen bei der Umsetzung strengerer Nachhaltigkeitsstandards – ohne die dadurch entstehenden höheren Erzeugerkosten auszugleichen“, so der Vorsitzende weiter. Lebensmittel aus Deutschland hätten ihren Preis, oder sie seien bald Geschichte. „Alle, die nur auf ‚billig, billig‘ setzen, zerstören langfristig unsere regionalen Strukturen – das gilt für den Lebensmitteleinzelhandel genauso wie für jeden Verbraucher, der an der Ladentheke entscheidet“, warnt er. Denn keiner wird hierzulande in der Lage sein, dauerhaft zu Dumpingpreisen Qualität made in Germany zu erzeugen.“

„Wir brauchen eine höhere Wertschätzung für unsere Lebensmittel, für Milch und Milchprodukte“, erklärt der Vorsitzende. Von der Milchgewinnung auf den Höfen, über die Verarbeitung in den Molkereien, bis hin zum Verkauf im Lebensmitteleinzelhandel hat die Milchqualität eine immens hohe Bedeutung. Langfristig müsse bei allen Parteien, inklusive Verarbeitern und Lebensmitteleinzelhandel, ein Bewusstsein da sein, den Wert unserer Lebensmittel anzuerkennen, damit Landwirtschaft in Deutschland weiterhin existieren könne.
 
Landwirtschaft bedeutender Teil der Wirtschaft
 
Mit rund 633.000 unmittelbar in der Landwirtschaft Erwerbstätigen, einem Produktionswert von 53 Milliarden Euro in 2015 und jährlich fast 11 Milliarden Euro Investitionsvolumen ist die heimische Landwirtschaft bedeutender Teil der deutschen Wirtschaft und des Mittelstandes. Zusammen mit der Ernährungswirtschaft stellt die Branche 11 Prozent aller Erwerbstätigen, die die Ernährung der Bevölkerung sicherstellen. Die Landwirtschaft ist wichtiger Arbeitgeber“, stellt der Vorsitzende fest. Deshalb sei es von gesellschaftlich und politisch großem Interesse, eine nachhaltig wirtschaftende, wettbewerbsfähige und leistungsfähige heimische Landwirtschaft zu erhalten und zu stärken.

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