Feierliche Übergabe der Erntekrone an den Landrat

01. Oktober 2018

„Die Erntekrone im Kreishaus hat eine lange Tradition“, so Andreas Westermeyer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Gütersloh am Donnerstag (27.9.2018) bei der feierlichen Übergabe. „Sie wirbt im Eingangsbereich für die Landwirtschaft. Sie soll verdeutlichen, dass eine ausreichende Versorgung mit hochwertigen Nahrungsmitteln keine Selbstverständlichkeit ist.“ Westermeyer bedankte sich bei allen Akteuren des Abends. In einem Dialog zwischen dem Vorsitzenden, seinen beiden Stellvertretern Klemens Hanfgarn und Klaus Strothmann sowie Kreisverbandsgeschäftsführerin Verena Paul-Hambrink erörterten sie die Themen Ernte, Trockenheit, Landschaftsplan und den Beschluss zum Pestizidverbot der Stadt Harsewinkel.

Die Berufsvertreter sprechen von einer diesjährigen unterdurchschnittlichen Ernte. Im Hinblick auf die Michviehhalter fehle ihnen aufgrund der Trockenheit schlichtweg das Futter für die Tiere. Zudem habe auch der aktuelle Milchpreis noch Luft nach oben. Sorgen bereiten dem Berufsstand vor allem aktuell ungeklärte Fragen zu künftigen Standards in der Schweinehaltung und das Vordringen der Afrikanischen Schweinepest Richtung Deutschland. Sie seien für die Bauernfamilien eine existenzielle Bedrohung. Hinzu käme, dass die derzeitigen Erzeugerpreise für Schweine im Keller seien. Weiter ging Westermeyer auf die aktuell laufende Agrarministerkonferenz ein. „Wir haben dort heute unmissverständlich gezeigt, dass die Agrarminister eine große Verantwortung für das Überleben der heimischen Sauenhalter haben“, so Westermeyer und fordert „Es muss alles getan werden, um ein Aus der Ferkelerzeuger zu vermeiden.“

Der Ortslandfrauenverband und Landwirtschaftliche Ortsverband Versmold haben die diesjährige Erntekrone gebunden und den Platz im Foyer des Kreishauses mit herbstlichen Früchten dekoriert. Sie sorgten mit einem kurzweiligen Programm für Unterhaltung. Der Ortsverbandsvorsitzende Joachim Klack richtete einige nachdenkliche Worte rund um das Thema „Ernte“ an die Gäste.

Die neue Vorsitzende des Kreislandfrauenverbandes Gütersloh Cornelia Langreck, erläutert, dass die Erntekrone für sie immer einen festen Platz im Jahresverlauf habe. Sie wisse aber, dass dies längst nicht mehr für alle Menschen gelte. „Gerade in einem Sommer, wie dem diesjährigen wird uns doch wieder bewusst, dass unsere Anstrengungen noch so hoch sein können auf den Äckern Kulturen anzubauen“, schildert die Vorsitzende. Das selbst die Fachleute, Berater ratlos und auch landwirtschaftliche Existenzen bedroht seien, wenn nur ein Parameter, das Wasser, fehle. „Wir sind abhängig und gebunden an die Natur! Deshalb sollten wir umso dankbarer sein, für das, was dennoch gewachsen ist“, so Langreck. Dies gehe Alle an, nicht nur die Landwirte. Sie erinnert wie wichtig es den Landfrauen sei, diese Lebensmittel wertzuschätzen. Es sei eben nicht selbstverständlich, dass sie in Hülle und Fülle da sind. Und hinter jedem Lebensmittel stehe ein landwirtschaftlicher Betrieb, der mit viel Fleiß, Fachkenntnissen und Sorgfalt daran arbeite, dass unser Tisch so reich gedeckt sei. Nicht nur die Symbolik der Erntekrone, auch das Brauchtum gehe leider mittlerweile verloren. „Eine Grundschulklasse zu Besuch auf unserem Hof konnte mit dem Gebilde aus Stroh unter der Deelen-Decke nichts anfangen“ betont die Vorsitzende. Dies zeige ihr, wie weit entfernt viele Menschen von der Urproduktion der Lebensmittel in der Landwirtschaft entfernt lebten. Deshalb sei es wichtig, noch mehr in den Dialog zwischen Landwirtschaft Verbraucher einzusteigen. „Wir LandFrauen tun das bereits mit einem Projekt ‚pumps@bauernhof‘, unterstreicht Langreck, im nächsten Jahr würde es auch wieder einen großen Tag der Landwirtschaft geben, und viele Landwirte und LandFrauen seien offen für Gespräche oder würden sie auf ihre Höfe einladen.

Gemeinsam danken

„Trotz Dürre und Hitze müssen wir hier im Kreis annähernd zufrieden sein. Wir sind von noch größeren Extremen, wie in Ost- und Norddeutschland verschont geblieben“, betont Kreislandwirt Heiner Kollmeyer. Nach seinen Worten hätte in früheren Jahrhunderten eine so langanhaltende Trockenheit eine Hungerkatastrophe ausgelöst. In seiner Erntebilanz resümiert der Kreislandwirt, dass Dürre und Hitze arg an den Nerven der Bauern gezerrt und zu erheblichen Ertragseinbußen geführt hätten. „Die Einbußen bei der Getreideernte liegen bei 20 bis 30 Prozent, bei der Maisernte bei bis 75 Prozent“, so Kollmeyer. Beträchtliche Rückgänge verzeichnen die Bauern zudem bei der Kartoffel- und Zuckerrübenernte sowie beim Grünland. „Unsere Futterbaubetriebe trifft es besonders hart. Ihnen fehlt das Grundfutter für die Rinder, Schafe und Pferde“, erläutert Kollmeyer. Der Standortfaktor Boden sei in diesem Jahr äußerst wichtig gewesen, die Ernteergebnisse würden eine große Bandbreite aufweisen. Der Kreislandwirt lädt abschließend anlässlich des Erntedankfest ein: „Lassen sie uns gemeinsam danken.“ Nahrungsmittel in bester Qualität und jederzeit verfügbar zu haben, sei vor allem in einem Jahr wie diesem keine Selbstverständlichkeit und bei weitem nicht überall auf der Welt gegeben.

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