Fragwürdige Diskussion um Feinstaub Einseitige Schuldzuweisungen bringen nichts: „Wir alle sind gefordert!“

08. Februar 2019

Pressemeldung oder Leserbrief von Hermann Dedert, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford- Bielefeld:

Zum Bericht „Lerchen sterben aus“ in der Neuen Westfälischen am 6.2.2019

Hermann Dedert, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford- Bielefeld appelliert: „Einseitige Schuldzuweisungen bringen nichts: „Wir alle sind gefordert!“

Bielefeld /WLV (Re): Wieder mal wird in dem Bericht „Lerchen sterben aus“ in der Neuen Westfälischen am 6.2.2019 zu einem Rundumschlag gegen die Landwirtschaft ausgeholt. Der Kreisverband kritisiert hier insbesondere den Umgang mit der umstrittene Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie zu Feinstaub, die die Landwirtschaft als Hauptverursacher von Feinstaubemissionen darstellt und für 45 % von insgesamt 120.000 Todesfällen durch Feinstaub verantwortlich macht.

„Solche spekulativen Hochrechnungen sind hochgradig unseriös“, unterstreicht der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld Hermann Dedert. Die Studie habe noch nicht einmal das wissenschaftliche Review-Verfahren durchlaufen und zitiere im Wesentlichen eigene Hochrechnungen und Schätzungen der Autoren. Das Vorgehen bei der medialen Verwertung der unfertigen Studie ziele zudem nur auf Effekthascherei und unterlaufe wissenschaftliche Standards.

Der dargestellte Zusammenhang zwischen Feinstaub und vorzeitigen Todesfällen beruhe auf Modellrechnungen, die in der Fachwelt auf erhebliche Zweifel stoßen. Beanstandet werde insbesondere der Eindruck monokausaler Zusammenhänge zwischen Feinstaub und vorzeitigen Todesfällen. Rückschlüsse auf direkte Todesfälle seien nicht möglich und nicht zulässig. Zudem existierten keine gesicherten wissenschaftlichen Aussagen zum Umfang, in dem Ammoniak zur so genannten sekundären Feinstaubbildung beiträgt, zumal diese immer von regionalen Bedingungen und Bindungspartnern in der Luft abhängig ist. „Wir sind hochgradig verärgert über diese einseitigen und letztlich auch unbewiesenen Vorwürfe“, so Dedert. Die Industrie und der Verkehr als Hauptverursacher würden in der Debatte ignoriert.

„Wir Bauern arbeiten seit Jahren am Thema Luftreinhaltung und Emissionsminderung“, erklärt der Vorsitzende. Nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) sei die Landwirtschaft für rund 12% der direkten Feinstaubemissionen (PM2,5 und PM10), beispielsweise durch Bodenbearbeitung und Ernte, verantwortlich. Die Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft, aus denen sich indirekt Feinstaub bilden kann, konnten seit 1990 bereits um 11% reduziert werden. Nach Prognosen wird das auf europäischer Ebene für das Jahr 2020 für Deutschland vorgesehene Reduktionsziel für Ammoniak in Höhe von 5 % gegenüber 2005 mit den bereits verabschiedeten Regelungen des neuen Düngerechts erreicht. „Zudem arbeiten die Bauern beim Ausbringen von Wirtschaftsdünger mit den neusten technischen Methoden, um die Emission zu reduzieren wie beispielsweise durch bodennahe Ausbringungstechnik und direkt Einarbeitung“, erläutert Dedert.

Wieder als Hauptschuldigen an den Pranger gestellt

„Wir Bauern sind uns unserer Verantwortung für Boden, Wasser und Luft sehr bewusst“, so Dedert. Es sei einfach, die Landwirtschaft als Hauptschuldigen an den Pranger zu stellen, zielführend und problemlösend sei es nicht. „Wir sind alle gefordert und einseitige Schuldzuweisungen bringen nichts, im Gegenteil, sie erschweren wirklich konstruktive Gespräche und Lösungen“, untermauert Dedert. Er gibt zu Bedenken: Immer mehr und höher werdende Auflagen, Gesetze, Bürokratie und dazu Verunglimpfungen in der öffentlichen Meinung und Medien - gerade kleine und bäuerliche Familienbetriebe - die gesellschaftlich und politisch erwünscht sind - könnten diese Regelungswut und Gesetzesfülle finanziell nicht mehr stemmen und geben auf. „Für uns alle, die gesamte Bevölkerung, sollte doch eine heimische Landwirtschaftliche Erzeugung sehr wichtig sein“, betont Dedert, sonst kämen demnächst unsere Grundnahrungsmittel zum Einen aus den entferntesten Winkeln der Welt, in denen zum Andern Arbeitsweise, Qualität und Sicherheit nicht gewährleistet seien.

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