Lehrer lernen Landwirtschaft auf Hof Reinkensmeyer

Wir funktioniert Gemüseanbau und moderne Schweinhaltung?

„Wochenmarkt24“ gut kommt an

14. März 2019

(von links nach rechts): Wind und Wetter schreckte die Lehrkräfte nicht ab. Die Landwirte André (4. von li.) und Bernd (2. von re.) Reinkensmeyer zeigten den Lehrkräften wie Rosenkohl wächst. Viele kannten die Pflanze nicht. Martina Deppermann, Annette Hartmann, Seminarleiterin Katja Aach, Phillipp Spaeth und Gabriela Herbert duften selber „Röschen“ pflücken und sie gleich probieren.

Herford/wlv (Re) Gehen die Bauern verantwortungsbewusst mit Tieren, Natur und Umwelt um? Was ist unter einer tiergerechten Haltung zu verstehen, was unter Massentierhaltung? Gemüse – die meisten kennen es geerntet - aber wie wir es angebaut? Landwirtschaft vor Ort in Theorie und Praxis erkundeten insgesamt 25 Lehrkräfte sowie angehende Lehrer auf dem Gemüse- und Schweinebetrieb Reinkensmeyer in Herford-Schwarzenmoor. Die Seminarveranstaltung des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld fand am Mittwoch (13.3.2019) auf dem Acker bei Wind und Wetter und im Stall statt.

„Wochenmarkt24“ kommt an

Die Pädagogen erhielten von Landwirt Bernd und seinem Sohn André Reinkensmeyer Einblicke in ihrem Arbeitsalltag. Neben Gemüse- und Kartoffelanbau sowie Direktvermarktung, halten sie Hühner und Schweine. Wie wächst Rosenkohl, wie sieht die Pflanze aus, an dem die „Röschen“ sind? Das wussten viele Lehrer nicht. Auf dem Feld sahen sie, wie die Pflanze und weiteres Wintergemüse wächst. Sie konnten sogar selbst Rosenkohl pflücken und gleich probieren. Familie Reinkensmeyer baut insgesamt etwa 70 Gemüsesorten, Salate und Kräuter sowie neun Kartoffelsorten an. Sie vermarkten ihre Erzeugnisse über Hofladen, Wochenmärkte und Gastronomie. „Seit letztem Jahr kann auch über Netz bestellt werden“, sagt der 28jährige Sohn André Reinkensmeyer und erklärt den Lehrern: Man müsse sich immer wieder neuen Entwicklungen stellen, gerade im heutigen digitalen Zeitalter. Die Familie ist online beim Zusammenschluss „Wochenmarkt24“ aktiv. Bei dem Bestelldienst werde die Ware zu dem Kunden nach Hause geliefert, allerdings nur im Raum Bielefeld und Kreis Gütersloh. „Dieser Onlinedienst wird bei uns sehr gut angenommen“, erklärt Bernd Reinkensmeyer. „Wochentags haben wir täglich 30 bis 40 Bestellungen. Der beste Tag sei aber immer der Freitag, „dann gehen etwa 80 Bestellungen ein.“ Dieser Online-Bestell- und Lieferdienst, der 2018 an den Start ging, befinde sich nach wie vor im Aufbau, laufe aber sehr viel versprechend. Man versuche ständig zu erweitern und zu optimieren. So solle zukünftig beispielsweise über Barcodes die Arbeit praktikabler gestaltet werden.

Harsche Kritik an Düngeverordnung

Weiter erzählt Bernd Reinkensmeyer, dass seine Familie schon seit über 100 Jahren auf dem Wochenmarkt in Herford vertreten sei. „Unsere Familie steht für Kontinuität und wir wollen für unsere Kunden die beste Qualität“, erläutert der Gemüse- und Schweinebauer. Jährlich würden beispielsweise auf ihren landwirtschaftlichen Flächen Bodenproben gezogen. Im Gespräch mit den Pädagogen schildert der Sohn André, dass vor allem die Auflagen und Bürokratie in den letzten Jahren erheblich zugenommen hätten. Oftmals seien die Verordnungen jedoch von fachlicher Unkenntnis geprägt. Harsche Kritik übt er an die von Berlin geplante Verschärfung der Düngeverordnung. Die jetzt vorgeschlagenen Maßnahmen seien völlig überzogen. Hinsichtlich dem Bestreben, die erst im Mai 2017 grundlegend novellierte Düngeverordnung bereits mit Wirkung von 2020 ein weiteres Mal zu verschärfen, fordert auch der Kreisverbandsvorsitzende Hermann Dedert, die Realität auf den Höfen im Blick zu behalten. Die neue Düngeverordnung müsse zunächst die Chance erhalten, ihre erwartete positive Wirkung zu zeigen. „Wir Bauern brauchen politische Verlässlichkeit und Planungssicherheit“, untermauert Dedert.

Weiter ging es in den Stall. „Wir halten Sauen und Schweine im geschlossenem System, das heißt vor Ort geboren und gemästet“, erklärt André Reinkensmeyer. Er zeigt die Arbeitsabläufe im Deckstall, Warte-, Abferkel- Aufzuchtbereich sowie im Maststall. Vor allem in der Schweinehaltung gäbe es hinsichtlich der künftigen Standards viele offene Fragen. Vorsitzender Dedert schildert, dass die vier K’s, Kastenstand, Kupierverzicht, Kastration und Tierwohlkennzeichen eine ernsthafte Herausforderung für die Betriebe seien. Hier erläutert Vater Bernd Reinkensmeyer, dass sie nicht Kastrieren würden: „Wir machen Ebermast und dies seit etwa 10 Jahren.“

Landwirtschaft will und wird sich verändern

Landwirtschaft werde ja immer mehr zu einer Hightech-Branche. „Wie bewerten Sie diese Entwicklung jenseits der oft idealisierten Bauernhof-Romantik?“ stellte Katja Aach, Seminarleiterin vom Zentrum für schulpraktische Lehrerbildung, in der anschließenden Diskussion die Frage. Es sei richtig, die Höfe spezialisierten sich immer mehr, genau wie andere Branchen auch. „Der technische Fortschritt und die Digitalisierung helfen uns Bauern in vielen Bereichen, Ressourcenschonender zu arbeiten“, so Dedert und ergänzt: „So genau und gezielt wie heute konnte zum Beispiel noch nie gedüngt werden.“ Dies schone Boden und Wasser. Bernd Reinkensmeyer verdeutlicht, dass es Veränderungen immer zu allen Zeiten gegeben habe, doch das die Verantwortung, „die wir für Tiere, Menschen, Boden, Wasser und die Umwelt übernehmen, geblieben ist – und das über die Generationen hinweg.“ Auf die Frage wie Landwirtschaft zukünftig sein wird antwortet Hermann Dedert: Unsere Landwirtschaft wolle und werde sich verändern. „Mit der Nachhaltigkeitsoffensive des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) haben wir uns als Bauernfamilien auf den Weg in die Landwirtschaft der Zukunft gemacht“, so Dedert. In verschiedenen Handlungsfeldern von der Tierhaltung über den Ackerbau bis zum Bereich Umwelt und Soziales seien die ersten Projekte schon in der Umsetzung.

(von links nach rechts): Landwirtschaft aus erster Hand erfuhren Marlena Quandt, Seline Wolf, Dana Weilbacher, Felix Gottschalk und Katja Aach von Kreisverbandsvorsitzenden Hermann Dedert (1. von li.) und Landwirt André Reinkensmeyer (1. von re.). Im Stall durfte ein spezieller Anzug nicht fehlen. Die Hygieneversordnung schreibt dieses vor.

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